19. November 2011 · Kommentare deaktiviert für Rede auf der Bildungsstreik-Demonstration 2011 – 17.11.2011 in Nürnberg · Kategorien: Sozial- und Bildungspolitik · Tags:

Anna Ulrich, Mitglied im AStA der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg und Basismitglied der Linksjugend [`solid] Weißenburg

Mitteilung: DIE LINKE Weißenburg und Ansbach

(Es gilt das gesprochene Wort)

Eigentlich sollte mensch ja meinen, was wir wollen ist nicht viel. Wir fordern unser Menschenrecht auf freie Bildung ein. Wir wollen zur Schule gehen, einen Beruf lernen oder studieren. Wir wollen selbstbestimmt leben und lernen – doch das wird uns genommen!

Wir leben in einem Land in dem deine Herkunft, dein Geschlecht, das Einkommen deiner Eltern sowie der Bildungsstandard deiner Eltern darüber mitentscheiden, wie deine Chancen im späteren Leben sein werden. Wir leben in einem Land, in dem du mal 9 Jahre das Gymnasium besuchst und mal nur acht. Wir leben in einem Land, in dem ein Abitur aus Bayern schwerer zu bestehen ist wie das in Berlin. Wir leben in einem Land, in dem du mal für dein Studium zahlen musst und mal nicht. Wir leben in einem Land, in dem du als StudentIn immer öfter prekärer Lohnarbeit nachgehen musst, um deinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Warum nehmen wir das hin, dass eine junge MigrantIn weniger wahrscheinlich studieren wird als ein „Sohn aus gutem Hause“?! Warum nehmen wir das hin, dass in ganz Deutschland unterschiedliche Standards und Gebührenchaos herrschen? Warum lassen wir zu, dass das, was wir lernen sollen in Schule und Uni von irgendwelchen Bürokratischen Staatsbediensteten an ihren Schreibtischen ausgearbeitet wird?! Warum akzeptieren wir, dass Bildungspolitik in unserem Namen gegen unsere Interessen gemacht wird?! Warum kann ein Herr  Heubisch ungestraft sagen, dass Studiengebühren gut sind, weil sonst ja jeder studieren könnte?! Warum lassen wir das alles mit uns machen?! Warum lehnen wir uns nicht auf?! Wieso sind die Schulen und Unis Nürnbergs heute nicht wie ausgestorben?

Ausreden gibt es so viele!

Von „is mir egal“ über „betrifft mich nicht“ bis zu „is mir zu links“ hab ich schon alles gehört. Aber es kann uns nicht egal sein! Es betrifft uns alle in unserem alltäglichem Leben! Nicht mal „is mir zu links“ ist ein Argument – wir sind nur die, die am lautesten schreien!

Bildungsstreik ist kein universelles Label, welches überall die gleichen Forderungen, Aktionen oder Denkmuster voraussetzt. Bildungsstreik-Proteste sollen die Solidarität von SchülerInnen, StudentInnen und Auzubildenen bundesweit ausdrücken. Er soll auffordern selbst aktiv zu werden!

Setzt euch ein in eurer Schule, eurer Uni und in eurem Betrieb! Engagiert euch! Es ist an jedeR einzelnen von uns, etwas zu verändern! Ihr wollt selbstbestimmt leben und lernen – also tut das auch!! Lasst uns alle zusammen kämpfen. Lasst uns unseren Protest gemeinsam auf die Straße tragen, nicht nur heute, sondern auch in Zukunft!

Ich möchte später nicht meinen Kindern erzählen müssen, in der Generation Krise, der Generation Praktikum, der Generation der politikverdrossenen lethargischen Jugend aufgewachsen zu sein! Ich will sagen können, wir haben gekämpft!
Wir haben gekämpft gegen Studiengebühren, gegen das Turboabitur, gegen die fortlaufende Diskriminierung von MigrantInnen und gegen die soziale Selektion im Bildungssystem!

Lasst nicht zu, dass zahlungskräftige Konzerne darüber bestimmen, was gelehrt oder geforscht wird, und dass der wirtschaftlich profitabelste und produktivste Studiengang subventioniert wird und alle anderen dem Untergang geweiht sind! Lasst nicht zu, dass Bürokraten bestimmen, was wir wann zu lernen haben! Lasst nicht zu, dass weiterhin eine Verfasste Studierendenschaft in Bayern verboten bleibt aus Angst vor „dem linken Sumpf“, aus Angst vor außerparlamentarischer Opposition, aus Angst vor politischer Partizipation!
Wir sind viele! Wir sind die Mehrheit! Gemeinsam können wir etwas verändern! Gemeinsam haben wir die Chance, unsere Forderung auf mehr Mitbestimmung durchzusetzen!

Empört euch! Engagiert euch! Wer, wenn nicht wir?!

Quelle: Mitteilung v. 19.11.2011 – DIE LINKE Weißenburg und Ansbach – www.die-linke-weissenburg.de/ – www.die-linke-ansbach.de

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