28. April 2012 · Kommentare deaktiviert für Nach 75 Jahren – Ansbacher erinnern an die Zerstörung von Gernika · Kategorien: Termine & Aktionen, Was sonst noch wichtig ist ...

Anlässlich des 75igsten Jahrestags der Zerstörung des baskischen Städtchens Gernika  ((kastilisch: Guernica) veranstalteten das Ansbacher Friedensbündnis und die Bürgerbewegung für Menschenwürde eine Kundgebung. Wir dokumentieren die Eröffnungsrede und die Rede von Heinz Kreiselmeyer zum Jahrestag:

 

Begrüßung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, das Ansbacher Friedensbündnis und die Bürgerbewegung für Menschenwürde, freuen uns, dass Sie gekommen sind. Der Anlass ist der 75igste Jahrestag der Zerstörung des baskischen Städtchens Gernika am 26. April 1937 durch maßgebliche Mitwirkung der später mit dem Ehrenamen belegten deutschen Kampfgeschwader „Legion Condor“. Ein Teil der Legion Condor war auch bei uns in Katterbach stationiert.

Die Ruinen von Gernica 1937

Die Ruinen von Guernica 1937 – Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / CC-BY-SA – Lizenz: Creative Commons

5771 Bomben warf die Legion Condor auf Gernika ab. Für fast jeden Einwohner eine. Viele waren mit Phosphor gefüllt. Überlebende erinnern sich, wie weißes Pulver austrat, das aus dem Dorf einen Feuerball werden ließ.

Das ist 75 Jahre her. Wir wissen, die Zeit tut ihr Werk : Sie entfernt die Geschehnisse aus dem Gesichtskreis und der Erinnerung und lässt ihre Bedeutung und die Mahnungen, die sie enthalten, verblassen und vergessen.

Dagegen wollen wir antreten.

Die Zerstörung Gernikas steht für uns als Symbol menschlicher Grausamkeit und gleichzeitig steht es für uns als Mahnmal für Frieden unter den Menschen, gemahnt uns,  für eine bessere Welt einzustehen.

Wir möchten heute auch an einen Teil der Ansbacher Geschichte erinnern und uns auch damit der lokalen Vergangenheit stellen. Die Vergangenheit muss in unserem Bewusstsein bleiben. Mit der Erinnerung an das Unvorstellbare und doch Geschehene sollten wir wachsam werden angesichts bedrohlicher Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft.

 

Rede

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Ansbacherinnen, liebe Ansbacher,

ohne Erinnern kein Verstehen und damit keine Aussicht auf eine bessere Welt. Wir haben gerade gehört, auf welch menschenverachtende Weise sich gerade Nazi-Deutschland im Spanischen Bürgerkrieg auf barbarische Weise schuldig gemacht hat.

Das Kampfgeschwader 53, bestehend aus 2500 Soldaten, stationiert in Katterbach, später Teil der sogen. LEGION CONDOR, war von Anfang an dabei. Es stellt sich die Frage:

Was hat Ansbach mit der Zerstörung Gernikas zu tun?

Bei der Beantwortung dieser Frage beziehe ich mich auf die Ausführungen von Diana Fitz in ihrem Buch „Ansbach unterm Hakenkreuz“.

Nach dem Richtfest des Flugplatzes Katterbach am 21. Juli 1936 wurden bereits im November 1936  erfahrene Flugzeugbesatzungen von Gablingen und Giebelstadt nach Ansbach verlegt. Das Kampfgeschwader 53 – am 12. Juni 1939 wurde ihm der Traditionsname „Legion Condor“ verliehen – war bis zu seiner Auflösung im April 1945 einsatzbereit. Das Kampfgeschwader 53 kam zum Einsatz im Polenfeldzug 1939, im Frankreich Feldzug 1940, bei der Luftschlacht um England 1940, im Rußlandfeldzug 1941    bis hin zum letzten Angriff auf London am 5.1.1945.

Bereits am 27. Juli 1936 wurde der Ansbacher Fliegerhorst aufgefordert, geeignetes Personal für den Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg zu melden.
Die Meldungen hierfür erfolgten laut Aussage eines Beobachters der 1. Staffel, Alfred Sticht, freiwillig.  Alfred Sticht wollte gehen, ebenso wie sein Kamerad Fritz Seiler. Der Gruppenkommandant überließ die Entscheidung den beiden. Die Entscheidung ging zugunsten Seidels aus, da dieser 1. Jahr mehr Erfahrung hatte und da Sticht sich kürzlich erst verlobt hatte. Seiler kam nicht mehr zurück.

Etliche Ansbacher trafen vermutlich bereits mit dem ersten Transport von 4.500  Soldaten der deutschen Luftwaffe im November 1936 auf dem Schiffsweg in Cadiz ein. Aus Tarnungsgründen trugen damals alle Zivilkleidung. Die Aktion der Verschiffung von Freiwilligen nach Spanien  nannte man „Winterübung Rügen“. „Rügen“ war also der Deckname für den Einsatz in Spanien. Und wenn es in den Personallisten hieß: „In Rügen seit…“ so wußte jeder, was gemeint war.  Sämtliche Einheiten dort bildeten die Legion Condor, das Kampfgeschwader 53 aus Ansbach war also ein Teil davon.

Es kann davon ausgegangen werden, so Diana Fitz, dass Ansbacher über die ganze Zeit des spanischen Bürgerkrieges hinweg ständig mit einigen Leuten in Spanien vertreten waren.

Vom Ansbacher Kampfgeschwader 53 waren sowohl vom Stab als auch von den einzelnen Staffeln 65 Soldaten dabei. Insgesamt waren ca 20.000 Soldaten in Spanien im Einsatz gewesen. Es fand ein laufender Austausch statt, so dass die Legion Condor nie mehr als max. 5.5000 Leute hatte. Das fliegende Personal blieb in der Regel nie länger als 6 Monate. die traurige Bilanz am Ende waren rund 490 Gefallene, was ungefähr 96 Flugzeugbesatzungen entsprach.

Die Legion Condor kehrte am 31. Mai 1939 nach Deutschland zurück. Kurze Zeit später begann der Zweite Weltkrieg. Die Soldaten wurden von Generalfeldmarschall Hermann Göring persönlich begrüßt. Am 6. Juni 1939 gab es noch eine Parade in Berlin, bevor die Ansbacher Flieger in ihren Heimathorst und zu ihren Familien zurückkehrten.

Ein Dokumentarfilm in den Schlosslichtspielen

Am 14. Juli 1939 fand in den Schlosslichtspielen die Aufführung des Dokumentarfilms über den Spanischen Bürgerkrieg statt. Sein Titel: „Im Kampf gegen den Bolschewismus“. Damit verbunden war die Ehrung der zurückgekehrten Spanienkämpfer. OB Hänel hielt die Festrede.

Ich zitiere:

„ Fast zwei Jahre lang haben wir den heroischen Kampf der Spanier verfolgt, den sie gegen den Weltfeind zu führen hatten. Wir Ansbacher und zumal wir Nationalsozialisten wissen, was es heißt, im Kampf gegen den Weltfeind bestanden zu haben. In unserem 15-jährigen Freiheitskampf, den wir Nationalsozialisten um die Neugestaltung Deutschlands geführt haben, konnten wir Erkenntnisse sammeln und haben Verständnis für den Kampf, den auch das spanische Volk für seine Freiheit auf sich nehmen musste…. Heute erfüllt es uns mit stolzer Freude, dass 20.000 deutsche Soldaten mit ihren Teil dazu beigetragen haben, dem Bolschewismus ein Ende zu bereiten. Und heute sind wir mit ganz besonderer Freude erfüllt, weil wir in unserem Volkshaus 55 dieser Spanienkämpfer als Gäste der Stadt begrüßen dürfen.“

Empfang im Hotel „Stern“

Im Anschluss daran wurde im Hotel „Stern“ ein großer Empfang gegeben. Die heutige Ritter-von-Lang-Allee erhielt damals die Bezeichnung „Legion-Condor-Allee“.

Wir wissen heute, dass der Einsatz deutscher Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg letztendlich der Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges galt.
‚Reichsluftmarschall Hermann Göring äußert sich im Nürnberger Prozess in folgender Weise: „ Ich sandte mit Genehmigung des Führers einen großen Teil meiner Transportflotte und sandte eine Reihe von Erprobungskommandos meiner Jäger, Bomber und Flakgeschütze hinunter und hatte auf diese Weise Gelegenheit, im scharfen Schuss zu erproben, ob das Material zweckentsprechend entwickelt wurde.“  – Zynisch und menschenverachtend.

Meine Damen und Herren,

die Legion Condor erlangte durch gezielte heimtückische Bombardements von Städten und Dörfern im Laufe des Spanischen Bürgerkriegs traurige Berühmtheit. Erstmals in der Geschichte wurde die Terrorisierung der Bevölkerung durch Luftangriffe zum strategischen Ziel. In der baskischen Stadt Gernika war die Zahl der dabei Getöteten besonders hoch. Diese Stadt wurde am 26. April 1937 dreinhalb Stunden lang von deutschen und italienischen Flugzeugen bombardiert, auf fliehende Menschen wurde mit Maschinengewehrsalven Jagd gemacht.  Gernika wurde zum Symbol für die Schrecken faschistischen Luftterrors. Pablo Picassos erschütterndes Bild „Gernika“, das er 1937 für den Pavillon der spanischen Republik anlässlich der Pariser Weltausstellung malte, wird die Menschheit immer an die ungeheuren Schrecknisse erinnern.

Bundespräsident Roman Herzog ließ anlässlich des sechzigsten Jahrestags der Zerstörung Gernikas am 27. April 1997 vom deutschen Botschafter bei der offiziellen Gedenkfeier in Gernika ein Grußwort verlesen. Der zentrale Satz daraus lautete: „Ich möchte mich der Vergangenheit stellen und mich zur schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger ausdrücklich bekennen.“

Auch wir in Ansbach sind Teil dieser schuldhaften Verstrickung  geworden. Ich bitte Sie, nun bei einer Gedenkminute im Stillen der Zerstörung Gernikas zu gedenken.

Heinz Kreiselmeyer

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