10. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Schuldrama II. Teil: Brandbrief der Schulräte und Mittelschulen im Minus · Kategorien: Meinungen, Sozial- und Bildungspolitik · Tags:

gsf – Bayerische Schulräte haben dem Kultusministerium einen Brandbrief geschrieben. Nach der Kündigung der Rektorin Andrea Schöffel aus dem Landkreis Augsburg (Die GEW Ansbach berichtete samt eines Kommentars von Heinz Kreiselmeyer)  fangen jetzt auch noch bayerische Schulräte das Mosern an. Die Süddeutsche Zeitung Online titelte am 10.8.2012 :

Hilferuf der Schulräte

4300 zusätzliche Schüler, aber zu wenig Lehrkräfte: Der Lehrermangel an den bayerischen Grund- und Mittelschulen wird ab Herbst groß. Schulräte schlagen mit einem Brief Alarm an Kultusminister Spaenle: Der Unterricht sei nur noch mit Mühe sicherzustellen. Den ganzen Artikel in der SZ lesen

 

Heinz Kreiselmeyer kommentiert die Vorgänge erneut:

Klassenbildung – Es ginge auch anders

Nach 26-jähriger Tätigkeit in der bayerischen Schulaufsicht stelle ich fest, dass sich im Blick auf die sich immer wieder jährenden administrativen Unzulänglichkeiten bei der Klassenbildung an unseren Schulen nichts, aber auch gar nichts geändert hat. Seit Jahrzehnten fehlen Lehrer und Stunden, profilbildenden Projekten droht das Aus. Sie werden häufig zu Reformruinen.  Lehrer, Schulleiter und Schulräte schlagen Alarm – inzwischen öffentlich.

Seit Jahrzehnten das gleiche Bild: Planlosigkeit, Unsicherheit, Hilflosigkeit, Wut.  Die Verantwortlichen scheinen aus den sich jährlich wiederholenden desaströsen Zuständen nichts gelernt zu haben. Dabei ginge es doch auch anders.

Warum ist es nicht möglich, frage ich mich, die Personalplanung für das kommende Schuljahr am Ende eines Schuljahres nahezu abzuschließen?  Prüfungstermine lassen sich ändern!

Warum ist eine einigermaßen professionelle Personalplanung nicht möglich? EDV-Systeme lassen sich kompatibel gestalten!

Warum können erfolgreiche Schulprogramme nicht weitergeführt werden?  Schulprogramme müssen verlässlich sein können und haben als „Markenzeichen“ einer Schule  Vorrang zu genießen!

Voller Erschütterung und voller Hochachtung zugleich las ich das Interview mit der mutigen Rektorin Andrea Schöffel (SZ v. 7.8.2012 „Ich kann unter diesen Bedingungen die Schule nicht leiten“). Ihrer zentralen Aussage, wonach sie ihre Schule nicht mehr so leiten kann, dass es Kindern, Lehrern und ihr dabei gut geht, sollten sich möglichst viele Menschen, die mit Schule zu tun haben, stellen. Endlich!

 

Die Hintergründe des bayerischen Desasters werden teilweise in einer Presseerklärung v. 8.8.2012 des BSV ( Bayerischer Schulleitungsverband) erläutert:

Mittelschulen im Minus

Ab September 2010 wurden aus den vielgeschmähten Hauptschulen die neu strukturierten „Mittelschulen“ und diese in Mittelschul-Verbünden zusammengefasst. Die Werbung im Ministerium für die neugestaltete „Mittelschule“ war vorweg sehr groß. Die neue Gestaltungsfreiheit innerhalb der Verbünde ließ hoffen. Das neue Mittelschulkonzept erwies sich 2010/11 als neues bayerisches Erfolgsmodell mit großem Zulauf.

Zwar war die bayerische Mittelschule 2010 als Löwe losgesprungen, ist inzwischen aber als Bettvorleger gelandet: Durch Fehl-Prognosen unterschätzte man im Kultusministerium die Schülerzahl für 2012/13 um deutlich mehr als 3.000 Schüler!

Diese höhere Schülerzahl bestätigt zwar das Erfolgsrezept der neuen Mittelschule. Aber dies ergibt nun einen Fehlbedarf von über 6.000 Lehrerstunden im Vergleich mit den Zahlen, die den Mittelschulen noch im Mai in Aussicht gestellt worden waren. Damit fehlen über 200 Lehrkräfte!

Nur noch Pflichtunterricht in übergroßen schwierigen Klassen, kaum noch Differenzierung oder individuelle Förderung – so fällt das Ministerium durch massive Fehlkalkulation der frisch gestarteten Mittelschule in den Rücken.   

Nach Abschluss des Nachtragshaushalts im Juli besteht weder für das Finanz- noch das Kultusministerium die Möglichkeit, zusätzlich die fehlenden Stellen zu genehmigen.

Gleichzeitig erhalten die Gymnasien zur Befriedung beim G8 250 Lehrerstellen, die nun den Mittelschulen zum Erhalt ihres gerade neu geschaffenen Profils so dringend fehlen.

Mittelschulen im Minus, am Limit ihrer überlasteten Lehrkräfte und Schulleitung, sind nicht die Melkkühe für das Ministerium, um angesehenere Schularten zu stützen. Sie brauchen die nötigen Stunden sowie genügend gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte, um auch Mittelschule zu einem Erfolgsweg werden zu lassen für gute Fachleute in Handwerk, Industrie und Dienstleistung! 

Quelle: PM v. 8.8.2012 – BSV -Bayerischer Schulleitungsverband – www.bsv-bayern.info

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