23. März 2016 · Kommentare deaktiviert für Redebeiträge anlässlich der Aktion „LAUTER sein gegen Rassismus“ in Ansbach – 21.3.2016 · Kategorien: Termine & Aktionen, Was sonst noch wichtig ist ... · Tags:

Am Internationalen Tag gegen Rassismus, dem 21. März 2016, fand in Ansbach die Kundgebung „Lauter sein gegen Rassismus“ statt. Die Aktion ging auf eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns e. V., (AGABY) zurück.
Einleitend dokumentieren wir die Pressemitteilung von AGABY und anschließend die Ansbacher Redebeiträge auf der Kundgebung – für alle, die am 21.3.2016 nicht dabei sein konnten:

AGABYÜber 3000 Menschen in 14 bayerischen Kommunen werden LAUTER gegen Rassismus

Gemeinsame Pressemitteilung: Mitra Sharifi Neystanak (v.i.S.d.P.), AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns e. V.)

Am Internationalen Tag gegen Rassismus, dem 21. März haben die Ausländer- und Integrationsbeiräte, ihre Kooperationspartner und zahlreiche demokratische Kräfte in 14 Kommunen die Initiative der AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns e. V.) aufgegriffen.

Bayernweit waren über 3000 Menschen LAUTER gegen Rassismus. Die Aktion fand in Kooperation mit dem Netzwerk Rassismus und Diskriminierungsfreies Bayern e. V. und mit der Projektstelle gegen Rechtsextremismus des Bayerischen Bündnisses für Toleranz statt. Ein Kurzfilm über die Aktionen wird im April veröffentlicht. … die ganze Presserklärung lesen

Weitere Informationen über AGABY


megaphone2Und nun kommen die Redebeiträge aus Ansbach. Alle Redner_innen waren am 21.3.2016 auf der Bühne – eine würdige Solidaritätsbekundung. „Streetbeat“, das Trommel-Quartett der Ansbacher Musikschule, spielte kurze Musikeinlagen zwischen den Redebeiträgen. Es gilt das gesprochene Wort.

Zu Beginn wurden fünf grundlegende Statements  vorgetragen. Iryna Savchenko, Integrationsbeauftragte der Stadt Ansbach, las sie zuerst auf Deutsch vor, danach wurden die Statements in die angebene Sprache übersetzt.

Wir sind hier und wir sind viele
Zuerst auf Deutsch, dann die Übersetzung auf Englisch von Villy Wiegel, Vorsitzende des Integrationsbeirates

Wir schweigen nicht.
Zuerst auf Deutsch, dann die Übersetzung auf Französisch von Emmanuel Ndoma, Stellvertretender Vorsitzender, Pastor in der  Mission EineWelt, Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern,  Referat Partnerschaft und Gemeinde & Mission Interkulturell

Wir erheben unsere Stimme.
Zuerst auf Deutsch, dann die Übersetzung auf Russisch von Dina Matveeva, Stellvertretende Vorsitzende, Vorsitzende des LDaR – (Landsmannschaft  Deutschen aus Russland, Ansbach Stadt und Kreis)

Rassismus verletzt die Menschenwürde.
Zuerst auf Deutsch, dann die Übersetzung auf Türkisch – MÜJDE GÜNSEL, DITIB Ansbach

Wir sind laut, wir sind lauter.
Zuerst auf Deutsch, dann die Übersetzung auf Arabisch – Hasan Tantah, Student aus Uni Damaskus, Syrien. Hat sein Studium wegen Krieg abgebrochen.

Die folgenden ausführlichen Reden wurden anschließend jeweils auf Deutsch gesprochen:

Wir sind hier und wir sind viele

Iryna Savchenko: Wir sind hier, weil es uns nicht egal ist, in welcher Gesellschaft wir leben. Wir teilen die Vision einer Gesellschaft, in der jeder Mensch ein Mensch ist und als Mensch behandelt wird, egal welche Hautfarbe er hat, welche Religion, welche ethnische Herkunft, egal welches Geschlecht und welche sexuellen Orientierung, egal ob alt oder jung, reich oder arm, mit oder ohne Behinderung.
Und heute ist es besonders wichtig und besonders dringend, dass wir hier sind und Gesicht zeigen.

Villy Wiegel: Denn nicht nur Rechtsradikale, Rechtspopulisten und Funktionäre rechter Parteien und Gruppierungen wie NPD, AFD und Pegida bedrohen unsere Demokratie, propagieren rassistischen Hass und Gewalt und lassen die Flüchtlingsunterkünfte brennen. Auch in der Mitte der Gesellschaft wachsen Vorurteile und Ablehnung gegen Migrantinnen und Migranten, gegen Geflüchtete, gegen Musliminnen und Muslime, gegen Jüdinnen und Juden. Rassismus wird salonfähig. Unter dem Vorwand „…das wird man doch noch sagen dürfen“. Die demokratischen Parteien schwanken.
Statt mit Fakten, mit einer klaren Haltung, mit Menschenrechten, den Werten der Verfassung und den Mitteln des Rechtstaates den Rassisten den Wind aus dem Segel zu nehmen, bestätigen die Politiker die verunsicherten Bürgerinnen und Bürger. Entgegen dem Geist der Verfassung bescheiden die Regierenden das Asylrecht und legen es immer restriktiver aus. Sie stellen populistische und unrealistische Forderungen auf wie Obergrenzen für Flüchtlinge. Als ob es für die Unantastbarkeit der Menschenwürde eine Obergrenze geben könnte.

Gerade die neuesten Entwicklungen verpflichten uns, mit der ganzen Kraft der Zivilgesellschaft gegen die ideologische Brandstiftern zu kämpfen. Doch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und rassistische Vorurteile sind nichts Neues. Bereits 2011 stellte eine wissenschaftliche Langzeitstudie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung fest, dass große Teile der Bevölkerung einer Ideologie der Ungleichwertigkeit zustimmen und feindselige Einstellungen zu Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft haben.

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Wir schweigen nicht

Emmanuel Ndoma: Heute vor 50 Jahren wurde der 21. März als Tag zum Gedenken an das Massaker von Sharpeville von den Vereinten Nationen zum “Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung” ausgerufen. In Sharpeville waren 1960 friedliche Proteste gegen die Apartheidgesetze in Südafrika blutig niedergeschlagen worden.

In der Geschichte des Rassismus, die eng mit der Sklaverei und dem Kolonialismus verwoben ist, ist der menschenverachtende Wesenskern des Rassismus zu erkennen. Immer wieder wurden Völker und Kulturen für „andersartig“ und „minderwertig“ erklärt, um sie auszunutzen, über sie zu herrschen und ihnen ihre Rechte, vor allem ihre Menschenrechte, abzusprechen. Die Wissenschaft hat das Rassenkonzept erfunden und die Geschichte dieser Völker vernichtet, um die Bevölkerung besser gefügig zu machen. Noch heute sind Menschen afrikanischer Abstammung oder mit dunkler Hautfarbe in besonderer Maße rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt. Feindlichkeit gegen Juden, den Islam und Sinti- und Roma wüten weiter.

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Wir erheben unsere Stimme.

Dina Matveeva: Rassismus wirkt immer dann, wenn du auf tatsächliche oder dir zugeschriebene Merkmale reduziert wirst, statt dich aufgrund deiner eigenen Handlungen und Haltungen zu beurteilen. Rassismus wirkt immer dann, wenn du zu einem anonymen Mitglied einer pauschal negativ beschriebenen Masse gemacht wirst, statt dich als Individuum wahrzunehmen.

Und das erleben wir nun tagtäglich. Du wirst zu einem Vorstellungsgespräch nicht eingeladen, weil du einen ausländischen Namen hast. Du bekommst keine Wohnung, weil du Deutsch mit Akzent sprichst. Du kommst nicht in die Disko, weil du schwarz bist und neuerdings nicht ins Schwimmbad, weil du Flüchtling bist. Du wirst von den Nazis umgebracht, aber die Polizei macht deiner Familie das Leben zur Hölle, denn du bist „Ausländer“ und die Polizei verbindet mit dir vor allem organisierte Kriminalität. Du bist vorverurteilt.

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Rassismus verletzt die Menschenwürde.

MÜJDE GÜNSEL: Wir wollen das ändern. Wir wollen Rassismus nicht hinnehmen: Nur ein starkes zivilgesellschaftliches Engagement, eine klare Haltung des Staates und der Politik, die auf der Unantastbarkeit der Menschenwürde basiert und eine nachhaltige konsequente Bekämpfung des Rassismus kann diesen höchst gefährlichen Trend für Gesellschaft und Demokratie stoppen.

Wir wollen dabei aber nicht nur lauter sein in Bezug auf die Lautstärke, sondern auch lauter sein in Bezug auf Lauterkeit – in der Wahl unserer Mittel. Hetze wollen wir nicht mit Gegenhetze beantworten, Hass nicht mit Hass, Verunglimpfungen nicht mit Verunglimpfungen. Wir wollen auch im Stil unserer Meinungsäußerung zeigen, dass wir anders sind als diejenigen, die vor Hass, Wut und Aggressionen schäumen.

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Wir sind laut, wir sind lauter.

Hasan: Toleranz, Respekt, Grundwerte der Demokratie und Solidarität verlangen auch, dass wir bei aller Klarheit unserer Position nicht selbst hetzen oder verletzen. Wir haben eine menschenfreundliche Botschaft, und so ist auch unsere innere Haltung. Auch hierin grenzen wir uns eindeutig von den Hetzern ab. Nur so können wir eine respektvolle Gesellschaft erreichen, die mit sich selbst im inneren Frieden lebt.

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