Offener Brief der Bundestagsabgeordneten Susanne Ferschl

Sehr geehrte Frau Ministerin Huml,

entsetzt habe ich nach Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern der Therapieberufe zur Kenntnis genommen, dass die bayerische Staatsregierung ihr Vorwahl-Versprechen, das Schulgeld für diese Berufe abzuschaffen, bricht. Wenige Wochen vor der bayerischen Landtagswahl wurde die Schulgeldfreiheit angekündigt – jetzt ist nichts davon übrig geblieben. Der nun angebotene Gesundheitsbonus in Höhe von 150 € pro Monat und Schüler*in ist eine Lösung, die nicht einmal die Bezeichnung „Schulgeldfreiheit-Light“ verdient, sondern vielmehr Augenwischerei und ich kann es nicht anders formulieren – eine Unverschämtheit.

Durch die besondere Situation, nämlich dass die Schulen diesen Betrag (der nur knapp die Hälfte der reellen Kosten deckt) nur erhalten, wenn sie im Gegenzug gänzlich auf Zahlungen der Schüler verzichten, spielen Sie die Auszubildenden und die Berufsfachschulen gegeneinander aus und sie führt dazu, dass der Bonus von den Schulen gar nicht erst in Anspruch genommen werden kann. Dabei liegt es im Interesse der Schüler*innen und der Schulen,  dass endlich auf das Schulgeld verzichtet wird. Wir haben einen zunehmenden Bedarf an Logo-, Ergo- und Physiotherapeuten. Auf der anderen Seite werden junge Menschen, die bereit sind, einen für die Gesellschaft so wichtigen Beruf zu erlernen, zur Kasse gebeten und müssen sich hoch verschulden, bevor sie ihre Ausbildung abschließen, das ist nicht zu fassen.

Ich fordere Sie auf, Ihr Versprechen, das die CSU vor der Wahl abgegeben hat, zu halten und endlich für die Schulgeldfreiheit zu sorgen. Ansonsten ist die CSU mit dafür verantwortlich, dass sich immer weniger junge Menschen für diesen Beruf entscheiden werden und – was nicht weniger gravierend ist – dass sich junge Menschen von der Politik abwenden, weil sie diese für unglaubwürdig halten.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Ferschl, MdB, Die Linke

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