27. Juli 2019 · Kommentare deaktiviert für Zur Debatte um das Zentralabitur · Kategorien: Bildung und Soziales, Meinungen und Kommentare · Tags: ,

Die Diskussion um das Zentralabi hält an …

gsf – Seit Wochen wird über das Zentralabitur diskutiert. Die Befürworter sehen in ihm die Lösung der Abiturproblematik schlechthin – gleiche Abiturchancen würden endlich gleiche Zulassungschancen an Unis bedeuten, Bildungsgerechtigkeit würde sich verbessern und solche Probleme wie beim “angeblich” zu schweren Matheabi (siehe zu dem Thema auch: War das Mathe Abi 2019 zu schwer? v. 15.5.2019 , Magazin Auswege) gehörten der Vergangenheit an.

Die GegnerInnen eines Zentralabiturs prangern an, dass auch zentral gestellte Abituraufgaben keine Bildungsgerechtigkeit herstellen können. Diejenigen, die in einigen Bundesländern mit einem “schwereren” Abitur wohnen, sind sogar stolz, weil “ihre” Jungs und Mädels das Abi eben nicht geschenkt bekommen und somit besser sein müssen als andere in den bundesdeutschen Ländern.

Die “Argumente” kreisen also um die bekannten Thesen. Um die Diskussion zu beleuchten, haben wir mehrere Aussagen verschiedener Personen und Parteien und Gruppierungen. Mit einer Stellungnahme von 2012 fangen wir an:

Der Elternrat der Max-Brauer-Schule in Hamburg Altona schrieb am 15. Mai 2012 in einem im Netz veröffentlichten Brief:

… der Elternrat der Max-Brauer-Schule lehnt das für 2014 vorgesehene länderübergreifende Abitur in den Kernfächern sowie das hamburgweite Zentralabitur in den Profilfächern ab.

Mit der Profiloberstufe, die an der Max-Brauer-Schule schon seit 1993 besteht und die hamburgweit vor gut zwei Jahren eingeführt wurde, wurde eine Sekundarstufe II geschaffen, die es Schülerinnen und Schülern ermöglicht fächerverbindend, fächerübergreifend, kompetenzorientiert und individualisiert zu lernen und zu arbeiten. […]

Durch das Zentralabitur wird die Profiloberstufe ad absurdum geführt, weil unseres Erachtens eben keine „vernünftige Balance zwischen schulisch geprägten Themen und hamburgweiten Leistungsanforderungen erhalten bleibt“ (zitiert aus Mitteilung der Pressestelle des Senats 17. April 2012/bsb17), da zentrale Prüfungen zwangsläufig das inhaltliche Spektrum der Fächer, das interdisziplinäre und projektorientierte Lernen der Schüler wesentlich einschränken. (Quelle: https://www.er-mbs.de/2012/05/stellungnahme-zum-zentralabitur/)

In einem Bericht des Berliner Tagesspiegel (Tagesspiegel Online, CSU lehnt Zentralabitur strikt ab v. 15.7.2019)  wird Markus Söder zitiert:

Ein Zentralabitur wird es auf keinen Fall mit Bayern und der CSU geben […] wir wollen unser bayerisches Abitur behalten. (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/wird-es-auf-keinen-fall-geben-csu-lehnt-zentralabitur-strikt-ab/24593502.html)

Auf BR24 war am 23.7.2019 unter der Überschrift  ‘Südschiene’ ” trifft sich am Bodensee” (“Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne) treffen sich mit ihren Ministern am Bodensee zu einer gemeinsamen Kabinettssitzung”):

Söder und Kretschmann wollen starke Länder, zum Zentralabitur sagen beide ‘Nein’. (Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/bayern-und-baden-wuerttemberg-gemeinsame-kabinettssitzung,RWxuh5J)

Im SWR Aktuell Baden-Württemberg findet sich der Beitrag “Bundesweite Debatte zu Zentralabitur an Gymnasien”:

Die Forderung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), ein bundesweites Zentralabitur einzuführen, sorgt in Baden-Württemberg für Gesprächsstoff. Besonders bei Schülern im Land stößt der Vorschlag auf Zustimmung.

Zum Filmbeitrag mit Susanne Eisenmann auf der Seite des Südwestrundfunk (SWR Aktuell) … (Quelle: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Bundesweite-Debatte-zu-Zentralabitur-an-Gymnasien,av-o1134996-100.html)

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) sagt zum „Zentralabitur“ am 10.7.2019

„Mehr Vergleichbarkeit: Ja – Bundeszentralabitur: Nein!“
„Um unserer Schülerinnen und Schüler willen: wir brauchen mehr Vergleichbarkeit jetzt – aber auch mehr Kritik, mehr Klarheit und mehr Niveau in unserer Diskussion um das Abitur. Was wir nicht brauchen, ist ein Bundeszentralabitur, von dem niemand genau weiß, was das eigentlich ist. Kein Populismus also in dieser für unsere Schüler so wichtigen Frage, sondern Sorgfalt und solides Nachdenken über notwendige und längst überfällige Verbesserungen. Das Matheabi mahnt uns, nicht weiter planlos mit dem Schulabschluss unserer Schüler herumzuexperimentieren!“, so die Bundesvorsitzende, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. (Quelle: https://www.dphv.de/aktuell/nachrichten/details/article/mehr-vergleichbarkeit-ja-bundeszentralabitur-nein.html)

ZEIT ONLINE hat am 19.7.2019 Christian Lindner zum Zentralabi im Artikel FDP-Chef befürwortet Zentralabitur befragt:

“Ich halte den Bildungswettbewerb zwischen 16 Bundesländern, wie wir ihn praktizieren, für aus der Zeit gefallen. Gemeinsame Bildungsstandards müssen endlich umgesetzt werden. Ein Zentralabitur könnte dabei ein Element sein.” (Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-07/fdp-chef-christian-lindner-zentralabitur-bildungspolitik)

In der Ostsee-Zeitung wird Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in dem Artikel Manuela Schwesig für Zentralabitur: Das denken OZ-Leser über bundesweite Standards v. 25.7.2019 zitiert:

„Die Schulsysteme und auch die Schulabschlüsse der Länder müssen vergleichbar sein. Ein Zentralabitur wäre sicherlich eine Lösung dafür.“ (Quelle: https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Manuela-Schwesig-fuer-Zentralabitur-Das-denken-OZ-Leser-ueber-bundesweite-Standards)

Birke Bull-Bischoff von der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag äußert sich in der Pressemitteilung Bildungsgerechtigkeit statt Zentralabitur v. 26.7.2019:

„Statt den Abschluss am Ende der schulischen Laufbahn zu vereinheitlichen, müssen erst einmal die Lernbedingungen von der ersten Klasse bis zum Verlassen der Schule für alle gut und vergleichbar sein. Schlechte Unterrichtsbedingungen durch Unterrichtsausfall, Mangel an Lehrkräften, Unterschiede bei der Anzahl von Unterrichtsstunden und Lehrinhalten, unterschiedliche Ausbildungswege für Lehrkräfte und Seiteneinstiege, die dramatische Anzahl von Schulabbrecherinnen und -abbrechern – keines dieser Probleme wäre durch die Einführung einer zentralen Prüfung angepackt. Es geht um gleiche Bildungschancen für alle Kinder und Jugendliche, die nur über die Einführung der Gemeinschaftsschule erreicht werden können, und um verbindliche Bildungsstandards unter gleichen Rahmenbedingungen.

Erst bei vergleichbaren Lernbedingungen lassen sich die Ergebnisse am Ende einer Schullaufbahn miteinander vergleichen. Das Zentralabitur bliebe nur ein Placebo als Aushängeschild für mehr Einheitlichkeit im Bildungswesen. Es muss endlich Schluss sein mit der Verweigerung einer grundlegenden Bildungsreform, die der massiven Benachteiligung von Kindern mit schlechteren Lebensumständen entgegenwirkt.“ (Quelle: https://www.linksfraktion.de/presse/pressemitteilungen/detail/bildungsgerechtigkeit-statt-zentralabitur/)

Margit Stumpp, bildungspolitische Sprecherin der Grünen erklärt in der Stellungnahme Stets bemüht – Karliczeks Pläne zum Zentralabitur auf ihrer Seite margit-stumpp.de am 12.7.2019:

“Das Ansinnen ist richtig. Wenn man es aber in einen Nationalen Bildungsrat vertagt, der noch nicht ein mal installiert ist und dessen Empfehlungen am Ende ohnehin keine bindende Wirkung haben, verschiebt man eine Entwicklung hin zu einem gleichwertigen Abitur in eine sehr ferne Zukunft.
Das Thema fällt in die Zuständigkeit der KMK. Dort sollte man die Entwicklung vorantreiben, ernsthaft und sofort.” (Quelle: https://margit-stumpp.de/allgemein/stets-bemueht-karliczeks-plaene-zum-zentralabitur/)

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW M-V) hat das Schlusswort. In dem Artikel Zentralabitur zäumt Pferd vom Schwanz auf v. 19.7.2019 heißt es:

Wissenschaftliche Belege für die angebliche Überlegenheit eines landesweiten Zentralabiturs gegenüber einem Individual-Abitur gibt es nicht. Der GEW-Bundesfachgruppenausschuss Gymnasien spricht sich gegen ein bundeseinheitliches Zentralabitur aus.

GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner sagt dazu: “Das ist, als würde man das Pferd vom Schwanz aufzäumen. Bei 16 verschiedenen Schulsystemen ist das nicht der Punkt, an dem man mit einer Vereinheitlichung beginnen kann. Noch dazu haben wir schwerwiegendere Probleme in der Bildungspolitik in unserem Bundesland.”

Eine bloße einheitliche Schematisierung von Bestandteilen der Abiturprüfung, die fachlichen und methodischen Ansprüchen sogar entgegen stehen kann, lehnen wir deshalb ab. (Quelle: https://www.gew-mv.de/presse/detailseite/neuigkeiten/zentralabitur-zaeumt-pferd-vom-schwanz-auf/)

 

 

 

 

 

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