AKW-Laufzeitverlängerung: Untragbares Risiko, geringer Nutzen

Mitteilung: Umweltinstitut München e.V.

München – Der grün-rote Stadtrat in München will die Bundesregierung darum ersuchen, eine begrenzte Laufzeitverlängerung für das Atomkraftwerk Isar 2 zu ermöglichen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und die zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) wollen sich damit die Option offenhalten, das Atomkraftwerk bis Mitte 2023 mit den bestehenden Brennelementen im sogenannten Streckbetrieb weiter zu betreiben. Das Umweltinstitut München kritisiert diese Absichten scharf und weist auf die untragbaren Risiken und den geringen Nutzen hin, die eine Entscheidung für den Streckbetrieb mit sich brächte.

 „Elf Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima und 36 Jahre nach dem Super-GAU in Tschernobyl verblasst offenbar die Erinnerung an die Schrecken der Atomkraft. Auch in einer schwierigen Zeit sollten wir das täglich steigende Risiko eines Atomunfalls in Deutschland nicht hinnehmen. Schon heute befindet sich der Sicherheitsstandard im Sinkflug: Vorgeschriebene periodische Sicherheitsüberprüfungen sind seit drei Jahren überfällig und gefährliche Risse in Rohren der Dampfdruckerzeuger werden ignoriert. Nicht einmal die Betreiber vertrauen ihren Anlagen: Im Falle eines Weiterbetriebs wollen sie alle Verantwortung auf den Staat abwälzen. Wir fordern sowohl Bundeswirtschaftsminister Habeck als auch den grün-roten Münchener Stadtrat auf, das Risiko eines Super-GAUs in Deutschland durch das planmäßige Abschalten der letzten Atomkraftwerke Ende 2022 endgültig zu bannen“ erklärt Hauke Doerk, Referent für Energiepolitik am Umweltinstitut.

Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation würde die Verlängerung der AKW-Laufzeiten keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, der das Risiko rechtfertigen könnte: „Atomstrom hat insgesamt nur rund sechs Prozent Anteil am deutschen Strommix. Die bittere Ironie der derzeitigen Lage ist zudem, dass deutsche Gaskraftwerke Strom produzieren, der nach Frankreich exportiert wird um dort ausgefallene AKW zu ersetzen. In der absehbaren Krisensituation muss es darum gehen, voll auf Energiesparen, Effizienz und Erneuerbare zu setzen, statt mit einer gefährlichen Scheindebatte um AKW-Laufzeiten weiter die Energiewende zu sabotieren“, so Doerk.

Das Umweltinstitut wirft zudem dem Bayerischen Ministerpräsident Markus Söder und anderen Atomkraftbefürwortern aus der Union vor, eine Scheindebatte zu führen, um vom eigenen politischen Versagen abzulenken: „Es ist zynisch, dass mit Markus Söder und anderen Stimmen aus der Union gerade diejenigen die Debatte um eine Laufzeitverlängerung befeuern, die in der Vergangenheit durch Verzögern und Verhindern der Energiewende aufgefallen sind, beispielsweise durch absurde Abstandsregelungen beim Windkraftausbau. Das Ausbremsen von erneuerbaren Energien, Energieeinspar- und Effizienzmaßnahmen war ein Fehler, der Deutschland und ganz besonders Bayern in eine fatale Abhängigkeit von russischem Erdgas geführt hat und von dem jetzt offenbar abgelenkt werden soll“, so Doerk weiter.


21. Juli 2022
Annette Sperrfechter
Umweltinstitut München e.V.
www.umweltinstitut.org

 

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