Die Zeit drängt längst mehr und mehr

6Projekt Achtsamkeit


Die Zeit drängt längst mehr und mehr

von Imago

An dieser Stelle hier möchte hier ich meine Reihe älterer Texte einmal unterbrechen, um mit zwei neuen Aufsätzen hier nun noch ein aktuelles Thema von höchster Wichtigkeit in aller Deutlichkeit zur Sprache zu bringen:

Schon einige Jahre zuvor habe ich im Magazin „Auswege“ einmal einen Aufsatz veröffentlicht, in dem ich darauf hinwies, dass es bereits damals schon in vielerlei Hinsicht (z. B. gerade in Sachen Klimakrise) dringend zu deutlichen Verbesserungen kommen muss, doch in all der daraufhin verstrichenen Zeit war so etwas längst nicht in genügendem Ausmaß zu beobachten. Ja schlimmer noch, denn z. b. durch die vom Ukrainekrieg hervorgerufene Energiekrise fand bzw. finden sogar wieder deutliche Rückschritte in dieser Angelegenheit statt. Die Regierung Merkel z. B. hatte bis zu ihrem Ende den Ausbau alternativer Energiegewinnung sogar regelrecht verhindert, unsere Abhängigkeit von russischem Gas zusammen mit vielen Industriebossen immer sogar noch zusätzlich zementiert.

Von einem zügigen Fortschritt in Sachen nachhaltiger und damit tatsächlich wirklichkeitsgerechter Regelung der vielen nun immer drängenderen Fragen unserer Zeit sind wir also meist noch immer weit, weit entfernt. Immer mehr Menschen, längst auch viele Normalbürger wissen zwar bereits, dass es somit für uns alle immer „enger“ werden wird, doch die Bereitschaft notwendige, aber leider auch unangenehme bzw. unbequeme Änderungen hinzunehmen wird – wann immer es geht – möglichst vermieden. Im Allgemeinen gilt dabei das Motto „wasch‘ mir den Pelz, aber mach‘ mich dabei nicht nass“. In den Vorstandsetagen der internationalen Konzerne und vor allem auch bei den Superreichen hat die größtmögliche Rendite offenbar noch immer den Vorrang und bei den großen Umwelttreffen der Politiker gibt man sich zwar gerne „staatsmännisch“, aber „hinten ‚raus“ kommen zumeist dennoch noch immer nur klägliche Ergebnisse und meist auch nur sehr fragwürdige Absichtserklärungen. Gerade den „großen Machern“ scheint also immer noch nicht richtig klar zu sein, dass es längst um das Schicksal unseres gesamten Lebensraumes geht, man feilscht stattdessen wie all die Zeit zuvor (nur eben noch härter) um möglichst viele Vorteile für die jeweils eigene Peer-Group zu erlangen oder aber zu sichern.

Das wird dann „realpolitischer“ oder auch „pragmatischer“ Umweltschutz genannt. Dass das in der Realität vorne und hinten längst nicht mehr ausreicht steht hingegen „auf einem anderen Blatt“ (vielleicht auf dem, welches ich hier gerade beschreibe? – Man möge mich, so man kann ja gerne eines Besseren belehren, aber für mich sieht das alles schon jetzt – gelinde gesagt – äußerst, äußerst bedenklich aus.)

Was ändert sich denn bislang z. B. in der Umweltpolitik? Es wird zwar immer wieder am kosmetischen Flickenteppich gewirkt, doch viele sehr wichtige Entscheidungen längst schon immer wieder nur vertagt oder nur sehr zögerlich in Angriff genommen. Aber „immerhin“ wird das jeweilige Spektakel ja zum Schluss von den Tagesthemen, den Heute-Nachrichten, Anne Will, Maybritt Illner … und deren meist ewig gleichen „handverlesenen Gästen“ dem Publikum in mundgerecht servierten Häppchen vorgekaut. Danach ist dann erst einmal wieder „alles okay“, denn die anstehenden Themen wurden ja schließlich „grundsätzlich gewissenhaft abgearbeitet“ und alle Beteiligten können dann wieder zur gewöhnlichen Tagesordnung übergehen – allerdings nur, bis es entweder wieder das gleiche oder aber ein anderes dringendes Problem auf die neue Tagesordnung schafft … Das gesamte System wird also weiterhin nur zu einem noch größeren Flickenteppich, weil man sich an die längst schon immer dringender notwendigen Veränderungen noch immer nicht wirklich entschlossen heranwagt.

„Ach – könnte das doch ewig so weitergehen“, dieser wohl von kaum jemand ausgesprochene und wohl auch kaum je vollständig bewusst gedachte Satz geistert dann also wieder einmal um die Welt, wetteifert dabei mit der längst schon für viele immer weiter zunehmenden Unerträglichkeit unserer Gesamtlebensumstände, bestimmt aber de facto offensichtlich dennoch immer wieder das Handeln unzähliger Menschen.

In gewisser Hinsicht werden in Sachen längst anstehender tatsächlicher Verbesserung innerhalb unserer Gesellschaft bis heute vor allem die „Frösche“ (insbesondere die großen Nutznießer des schon so lange bestehenden und längst immer weiter wachsenden Schlamassels) gefragt, ob, wo, wann und wie der Sumpf denn endlich trocken gelegt werden soll. Kein Wunder also …

Die Uhr aber tickt weiter, und läuft ab, ebenso wie unsere Chance auf ein noch rechtzeitiges gemeinsames achtsames Achtgeben und entsprechendes Handeln. Also mal sehen, wie lange die Zeit, unser aller Zeit uns dafür noch reicht! Wollen wir aber tatsächlich auch weiterhin immer wieder darauf wetten und weiter zocken, dass „das alles irgendwie doch schon noch gut gehen wird“, etwa so wie der „stets so gut gelaunte“ Thomas Gottschalk in „Wetten das …“, frei nach dem Motto „Top, die Wette gilt“?

Ich sage, bloßes Achtgeben (das in geradezu klassischer Manier allein dem persönlichen Vorteilsstreben und der persönlichen Sicherheit dient) ist im wahrsten Sinnes des Wortes blödsinnig und Menschen, die so handeln, gleichen den Tieren, die ja leider wirklich oft nur instinktiv handeln können. Das bloße Achtgeben gleicht dem blinden Zocken, bei dem uns der letztlich womöglich vollständige Verlust unserer Lebensqualität durch den ständigen Umweltfrevel schon jetzt ganz deutlich in unser Bilanzbuch geschrieben steht. Das achtsame Achtgeben in allen Lebensbereichen und Lebenslagen aber ist es, das den Menschen erst zum wirklich vollständigen Menschen macht und diese wichtige Botschaft sollte nun wirklich dringend endlich einmal weitere Verbreitung finden.

Damit es sich vielleicht doch noch rechtzeitig in aller Welt herumsprechen kann, was den wichtigen Unterschied zwischen der unter uns durchaus weitverbreiteten Intelligenz und der leider noch immer eher recht seltenen Klugheit ausmacht, möchte ich das nun auch hier in diesem Magazin hier zumindest einmal grob skizzieren:

Intelligenz befähigt befähigt den Menschen je nach Talent einfache oder aber auch sehr komplizierte Hilfsmittel zu ersinnen, herzustellen und zu gebrauchen, um dadurch für sich oder auch Andere einen Nutzen zu erlangen (als sozusagen „kleine Schwester der Klugheit“ läßt sich aber auch nutzen, um weitere Klugheit zu erlangen bzw. eben noch zu verfeinern!). Intelligenz wird heutzutage allerorts und vielfach eingesetzt, gerade auch, um bei der Lösung komplizierter Probleme zu lösen. Das reicht aber oft nicht aus.

Klugheit jedoch, die darauf aus ist, nicht nur das jeweilige Problem zu lösen, sondern auch das Ganze (wirklich das ganze davon betroffene Drumherum) dabei im Auge bzw. im Sinn zu behalten bedenkt auch all die mitunter sehr weitreichenden Folgen des geplanten Vorhabens; eine ihrer wohl hervorstechendsten Eigenschaften ist daher auch eine umfassende Verantwortungsbereitschaft die grundsätzlich mit ihr einhergeht. Hätte die Klugheit schon beizeiten mehr oder gar deutlich mehr Verbreitung unter uns gefunden und nicht immer wieder die oft so kurzsichtige Gier nach immer mehr Gewinn, so müssten wir uns sicherlich nicht mit einer solch‘ großen Anzahl von nun immer größer werdenden Problemen herumschlagen, wie es nun inzwischen leider immer häufiger der Fall ist.

Klugheit spielt aber auch bei vielen Auswahlverfahren in öffentlichen Ämtern eine Rolle, z. B. sowohl bei der Auswahl von Universitätsvorständen etc. wie auch bei der Wahl unserer Bundestagsabgeordneten. Viele Wähler wissen leider noch immer nicht zwischen der tatsächlichen Fachkompetenz und der Klugheit mancher Bewerber und dem bloßen Blendwerk zu unterscheiden, das ihnen von so manchen Möchtegernführungskräften vorgegaukelt wird.

Zum Schluss aber erinnere ich hier noch einmal daran: Die Uhr – sie tickt weiter, und – sie läuft immer weiter ab, ebenso wie auch unsere Chancen auf ein noch rechtzeitiges gemeinsames achtsames Achtgeben und entsprechendes Handeln. Wir werden sehen, ob die Zeit, unser aller Zeit, uns dafür noch reicht und ob wir diese Zeit dann auch wirklich klug genutzt haben!

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay


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