Das bayerische Kultusministerium stellt Quereinsteiger:innen ein

gsf – An vielen Schulen unterrichten schon seit einigen Schuljahren, so auch in diesem laufenden Jahr, stundenweise Student:innen und pensionierte Lehrkräfte. Darüber hinaus unterrichten auch Lehrkräfte aus anderen Schularten, z.B. sind an Grund- und Mittelschulen oft Gymnasiallehrkräfte eingesetzt. Auch findet man Akademiker:innen aus anderen Fachgebieten und bisher beurlaubte Lehrkräfte in vielen Grund- und Mittelschulen, die für eine Rückkehr in den Schuldienst reaktiviert werden konnten. Ohne all diese Kräfte wäre so manche Schule bereits zusammengebrochen. Jetzt tritt das Kultusministerium die Flucht nach vorne an und wirbt massiv für Quer- und Seiteneinsteiger:innen.

Am 20.1.2023 erschien auf der Seite des Bay. Kultusministeriums die Mitteilung „Schule in Bayern – ein attraktiver Arbeitsplatz mit Zukunft“. Kultusminister Piazolo versucht gerade, den horrenden Lehrkräftemangel in Bayern zu beseitigen bzw. zu mildern. Er will damit „mittelfristig noch mehr Lehrkräfte für die Schulen“ gewinnen – sog. Quereinsteiger:innen. Solche „positiven“ Formulierungen wie „noch mehr Lehrkräfte gewinnen“ gehören übrigens leider zum politischen Geschäft.

Wir wissen nicht, ob der Kultusminister „noch mehr“ Lehrkräfte werben kann, aber es ist seine einzige Chance, in Bayern den Unterrichtsbetrieb schlecht und recht zu gewährleisten. Denn: Was jahrelang von Regierungsseite aus hinausgeschoben bzw. verschlafen wurde, kann nicht in wenigen Monaten behoben werden.

Im Herbst ’23 ist Wahl in Bayern. Es wäre fatal, wenn von Schulen im September – einige Wochen vor der Wahl – Katastrophenmeldungen über den Ausfall des „verpflichtenden Unterrichts“ durch den Blätterwald rauschen würden. Piazolo und sein Chef, MP Söder, stehen also unter großem Druck, „Personal“ für die Schulen einzustellen.

Was sicher kommen soll, ist die Erhöhung der Einstiegsbesoldung in GS und MS nach A13. Zeit wird’s, dass die Lehrkräfte aller Schulen in Bayern wenigstens eine gleiche Einstiegsbesoldung bekommen. Die GEW fordert das seit Jahrzehnten. Wie die finanzielle Zukunft von bereits im aktiven Dienst arbeitenden Lehrkräften aussehen wird, steht allerdings noch  in den Sternen. In GS und MS sind einige Lehrkräfte  in den letzten Jahren bereits nach A12+Zulage und nach A13 befördert worden. Was ist mit denen? Werden die weiter befördert, z.B. nach A13+Zulage?
Und was passiert mit den Schulleiter:innen und Konrektor:innen in GS und MS? Werden die höher gestuft? Wann? Wie? Und dürfen die dann auch „selbstständig“ (ohne „Absegnung“ durch das Schulamt) Beurteilungen erstellen? 

Um Piazolos Angebot genauer bewerten zu können, zitieren wir aus der Pressemitteilung v. 20.1.2023 aus dem Hause des Kultusministeriums:

Ab sofort wird das Kultusministerium die Möglichkeiten zum Quereinstieg an bestimmten Schularten bzw. in bestimmten Fächern je nach Bedarf ausweiten, um mittelfristig noch mehr Lehrkräfte für die Schulen zu gewinnen. (…)  „Wir gestalten die Wege ins Lehramt deutlich flexibler als bisher. Neben dem klassischen Lehramtsstudium wollen wir allen, die erst nach ihrem Studienabschluss oder nach einer Tätigkeit in einem anderen Beruf Lehrerin oder Lehrer werden möchten, eine attraktive Berufsperspektive bieten“, betont Kultusminister Michael Piazolo.

Die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sollen neben ihren fachlichen Qualifikationen die nötigen Kenntnisse in Pädagogik, Psychologie und Fachdidaktik erlangen, indem sie am zweijährigen Vorbereitungsdienst teilnehmen, der mit dem zweiten Staatsexamen und dem Erwerb der vollen Lehrbefähigung für die jeweilige Schulart abschließt. „Jede Quereinsteigerin und jeder Quereinsteiger erlernt zunächst das pädagogische Handwerkszeug, bevor sie oder er als Lehrkraft in vollem Umfang eigenverantwortlich vor der Klasse steht. Damit sichern wir gleichzeitig auch die Unterrichtsqualität“, sagt Piazolo.

Möglichkeiten zum Quereinstieg bestehen zum neuen Schuljahr 2023/24 für die Lehrämter an Mittel- und Förderschulen sowie für bestimmte Fächer an Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen. Interessierte können sich auf www.einstieg.bayern über aktuelle Programme informieren.
(…)
An Mittelschulen wird zudem folgendes Programm neu angeboten: Wer über einen Hochschulabschluss verfügt, zwei Jahre lang (davon mindestens ein Jahr an der Mittelschule) etwa als Team- oder Unterstützungskraft bereits Erfahrungen im Unterrichten gesammelt hat, an einem speziellen Qualifizierungsprogramm teilnimmt und die entsprechende Eignung bescheinigt bekommt, kann eine dauerhafte Anstellung im Schuldienst erhalten. In einem zweiten Schritt ist der sogenannte „Praxiseinstieg“ geplant, der über eine Weiterqualifizierung die Lehramtsbefähigung und ggf. auch eine Verbeamtung ermöglicht.
(…)

A 13 als Einstiegsgehalt an Grund- und Mittelschule
(…)
Die finanzielle Attraktivität wird nun noch einmal gesteigert: „Es ist ein Meilenstein und freut mich persönlich sehr, dass wir die Einstiegsbesoldung in A 13 auch für Grund- und Mittelschullehrkräfte durchsetzen konnten – dafür habe ich mich seit vielen Jahren mit großem Nachdruck eingesetzt“, betont der Kultusminister. Wichtig ist ihm, bereits in diesem Jahr mit der Umsetzung zu beginnen und zahlreiche Grund- und Mittelschullehrkräfte in Richtung A 13 zu befördern. „Im Regierungsentwurf zum Haushalt 2023 sind dafür entsprechende Stellenhebungen ab 1. Juni 2023 mit einem Jahresvolumen von rund 17 Millionen Euro vorgesehen“, so Piazolo weiter.
(…)

Schaffung von 1.152 neuen Stellen sowie Entlastung der Lehrkräfte und Schulleitungen durch weiteres Personal
Da im Haushaltsjahr 2023 für Bildung im Vergleich zum Vorjahr 2,7 Prozent mehr an Mitteln zur Verfügung stehen, können auch 1.152 neue Stellen für Lehrkräfte geschaffen werden. (…). Außerdem werden die Lehrkräfte sowie Schulleitungen künftig spürbar bei den Erziehungs-, Betreuungs- und Verwaltungsaufgaben unterstützt und entlastet. Dafür sorgen u. a.:

– Ausbau der Multiprofessionalität an den Schulen – damit insgesamt 550 neu geschaffene Stellen im Bereich Schulsozialpädagogik/Schulpsychologie seit 2018

– Bereitstellung von 5,5 Millionen Euro für sogenannte Differenzierungskräfte an Förderschulen

– Bereitstellung von 21 Millionen Euro für Unterstützungskräfte bzw. pädagogische Schulassistenzen im Schuljahr 2023/24 (vor allem an den Grund- und Mittelschulen)

– Schaffung weiterer 400 Stellen für Verwaltungsangestellte
(…)
Quelle: https://www.km.bayern.de/pressemitteilung/12277/.html v. 20.1.2023

Diese obigen Maßnahmen bieten keine wirkliche Lösung für das Dilemma. Sie werden jetzt nur positiv „verkauft“. Die Maßnahmen wirken zusammengeschustert. Flickwerk! Viele Behauptungen, leider wenig Gewissheiten! Mängelverwaltung eben. Die Maßnahmen hinterlassen bei mir nur ein Kopfschütteln.

Es handelt sich um eine platte Werbung. Der Wahlkampf ist bereits im vollen Gange!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert