„Lehrerbedarfsprognose 2025“ des Kultusministeriums gaukelt ein verzerrtes Bild von der Realität vor
Das Kultusministerium veröffentlichte zum letzten Wochenende die „Lehrerbedarfsprognose 2025“. Für die GEW Bayern zeichnet die darin enthaltene Statistik ein falsches Bild von der Realität.
Bericht: Gew Bayern
„Die Arbeits- und Lernbedingungen in der Schule werden sich – nicht zuletzt durch die steigenden Schüler*innenzahlen – in den kommenden Jahren weiter verschlechtern. Doch wer flüchtig auf die Zahlen der Prognose aus dem Kultusministerium schaut, gewinnt leicht den Eindruck, wir hätten den Lehrkräftemangel überwunden. In fast allen Schularten ist aber das Gegenteil der Fall“, stellt GEW-Landesvorsitzende Martina Borgendale nüchtern fest.
Das Kultusministerium nennt die neue Bevölkerungsstatistik als einen Grund für die im Vergleich zur letzten „Lehrerbedarfsprognose 2024“ plötzlich viel positiver erscheinende Lage bezüglich der Unterrichtsversorgung. Dadurch würden sich insbesondere an der Mittelschule und im Gymnasium „geringere Lehrkräftebedarfe“ ergeben. Während man zum Beispiel in der Mittelschule vor einem Jahr noch von einem Deckungsgrad von gerade einmal 88 Prozent bis zum Jahr 2028 ausging, weist die neue Prognose für den gleichen Zeitraum viel höhere Werte aus – in den darauffolgenden Jahren sogar durchgängig eine 100-prozentige Abdeckung des Bedarfs.
Markus Weinberger, Sprecher der GEW-Landesfachgruppe Grund- und Mittelschulen, wundert sich über diese Zahlen, die so gar nicht zur Realität passen. „Doppelführungen, Klassenaufteilungen und Vertretungen stehen bei uns auf der Tagesordnung. Händeringend wird überall nach Mittelschullehrkräften gesucht. Wie soll da bereits in wenigen Jahren eine Vollversorgung gewährleistet sein, wenn gleichzeitig die Studierendenzahlen kontinuierlich weiter nach unten gehen?“, fragt sich der Gewerkschafter.
Und tatsächlich gibt das Ministerium in seiner Prognose selbst eine Antwort auf dieses Rätsel: Obgleich die Schüler*innenzahl steige, stünden für diese erhöhten Grundbedarfe wegen eines Haushaltsbeschlusses des Landtags keine zusätzlichen Planstellen zur Verfügung. Mit anderen Worten: „Wir passen den tatsächlichen Bedarf an unseren Finanzrahmen an und brauchen demzufolge nur so viele Lehrer*innen, wie wir haushaltstechnisch einstellen dürfen. Problem gelöst“, fasst Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender der GEW, dieses Jonglieren mit den Zahlen zusammen – und ein Blick in die „Lehrerbedarfsprognose 2025“ gibt ihm recht: „Das Stellenmoratorium im Jahr 2026 senkt zwar rein rechnerisch den Lehrkräftebedarf, es gilt hierbei jedoch, die tatsächliche Unterrichtsversorgung in den Klassenzimmern im Blick zu behalten, die dadurch […] eine Verschlechterung erfährt.“ (Lehrerbedarfsprognose, S. 43)
Und genau dort setzt die Kritik der Bildungsgewerkschaft an: „Die aktuelle Statistik des Kultusministeriums prognostiziert eine scheinbare Verbesserung der Versorgung mit Lehrkräften, während sich die Lage in der Schule vor Ort signifikant verschlechtert“, prophezeit Angelika Altenthan, Sprecherin der GEW-Landesfachgruppe Gymnasium. „Wir bekommen eine ungünstigere Lehrkraft-Schüler*innen-Relation und größere Klassen und können so weniger differenzieren und Wahlangebote machen“, so Altenthan.
Auch nach Meinung von Martina Borgendale beschönigt die KM-Prognose die Situation. „Wir kennen ja die Rechenkünste des Kultusministeriums und den politisch notwendigen Hang zur Schönfärberei. An den Förderschulen wurden immer sinkende Schüler*innenzahlen prognostiziert, dabei erleben die Kolleg*innen seit Jahren einen Anstieg. Was wir brauchen ist keine auf Kante genähte Sicherstellung einer sogenannten ‚Unterrichtsversorgung‘, sondern endlich gute Lern- und Arbeitsbedingungen.“
11.8.2025
GEW Bayern
www.gew-bayern.de