GEW: „OECD bestätigt Bildungsungerechtigkeit in Deutschland“
Bildungsgewerkschaft zur OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2025“
Bericht: GEW
„Ein Jahr nach dem Weckruf der GEW zum Bildungsbericht 2024 bestätigt die heute veröffentlichte OECD-Studie ‚Bildung auf einen Blick 2025‘ erneut: Deutschland versagt weiterhin bei der Chancengleichheit“, sagte GEW-Vorsitzende Finnern heute in Frankfurt am Main. 145 Kompetenzpunkte, so groß sei der Unterschied bei den Literacy-Kompetenzen zwischen jungen Erwachsenen mit Hochschulbildung und solchen ohne Sekundarabschluss II in Deutschland. Bei der Gesamtbevölkerung betrage die Kluft zwischen Hochschul- und Geringqualifizierten immer noch 75 Punkte.
Die politisch Verantwortlichen tun nach wie vor nicht genug“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern. „Während die Bundesregierung heute MINT-Erfolge feiert, zeigen die Daten eine erhebliche Bildungsungerechtigkeit. Diese extremen Unterschiede belegen, dass das Startchancen-Programm viel zu klein dimensioniert ist und unser Bildungssystem den Zusammenhang von Bildungserfolg und familiärer und sozialer Lernumgebung und –unterstützung verschärft.“
Die Daten der OECD-Studie zeigten, so Finnern, dass Deutschland mit der Schweiz und den USA zu den Ländern mit den größten Kompetenzunterschieden nach Bildungsstand gehört. „Das deutsche Bildungssystem weist nach wie vor erhebliche Ungleichheiten auf. Die extremen Kompetenzunterschiede zwischen Bildungsgruppen zeigen, dass strukturelle Probleme nicht ausreichend angegangen werden“, stellte die GEW-Chefin fest. Länder wie Spanien, Polen und Kroatien wiesen deutlich geringere Unterschiede bei den Kompetenzpunkten zwischen Menschen mit und ohne Hochschulabschluss auf, erklärte Finnern.
Das von der Bundesregierung eingeführte Startchancen-Programm mit 20 Milliarden Euro über zehn Jahre sei ein wichtiger Schritt, aber angesichts der OECD-Daten zeige sich, dass die Dimension der Herausforderung deutlich größere Anstrengungen erfordere. „Die Daten machen deutlich: Deutschland braucht strukturelle Reformen, nicht nur einzelne Programme“, so Finnern. „Wenn das Bildungssystem soziale Ungleichheit nicht abbaut, verfestigen sich gesellschaftliche Unterschiede.“
Die GEW fordert die politisch Verantwortlichen auf, die Erkenntnisse der OECD-Studie ernst zu nehmen und das Bildungssystem endlich dauerhaft ausreichend zu finanzieren – orientiert an der Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2015 mit dem Anteil von 10 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. „Es gilt, die Milliarden aus dem Sondervermögen massiv in die Bildungsinfrastruktur zu investieren. Deutschland muss ehrlich anerkennen: Bei der Bildungsgerechtigkeit gibt es erheblichen Handlungsbedarf“, sagte die GEW-Vorsitzende. Notwendig seien massive Zusatzinvestitionen für benachteiligte Schulen nach dem Prinzip „Ungleiches ungleich behandeln“.
Bereits im Juni 2024 hatte Finnern gefordert: „Nur wenn wir Ungleiches auch ungleich behandeln, können wir einen nennenswerten Beitrag dazu leisten, der sozialen Spaltung in der Gesellschaft entgegenzuarbeiten.“
Quellen: OECD Education at a Glance 2025, PIAAC-Daten: Deutschland Hochschulabsolventen 25-34 Jahre: 309 Punkte, ohne Sek II: 164 Punkte; Gesamtbevölkerung: 270 vs. 195 Punkte
9.9.2025
Ulf Rödde
GEW-Hauptvorstand
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