Herr Söder, Hände weg von den Familien!

Mitteilung: GEW Bayern

Ministerpräsident Söder will die Teilzeitmöglichkeiten für Eltern drastisch einschränken. Familienpolitische Teilzeit soll nur noch bis zum 14. Lebensjahr der Kinder möglich sein und die Mindestarbeitszeit soll allmählich bis auf 50 Prozent einer Vollzeitstelle gesteigert werden. Die GEW Bayern weist diese Vorschläge zurück und warnt: Mit Zwangsmaßnahmen, die den Lehrer*innenberuf unattraktiver machen, beseitigt man den Lehrkräftemangel nicht!

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine der letzten Garantien dafür, dass junge Menschen überhaupt noch Lehrerin oder Lehrer werden wollen. Daran darf nicht gerüttelt werden. Wir haben sehr viele Kolleg*innen, die mit wenigen Stunden dafür sorgen, dass der Unterrichtsbetrieb überhaupt aufrechterhalten werden kann. Studien, wie die Niedersächsische Arbeitszeitstudie, haben klar belegt, dass vor allem die Teilzeitkräfte viel mehr arbeiten, als sie müssten. Söders Aussagen sind ein weiterer Beleg dafür, dass er nicht verstanden hat, wie das System Schule funktioniert und dass es sich besonders auf unsere sehr engagierten Teilzeit-Lehrkräfte stützt, die bei einer zwangsweise verordneten höheren Stundenzahl vielleicht gar nicht mehr unterrichten wollen und ganz zu Hause bleiben“, sagt Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern.

„Die von oben verordnete Senkung der Teilzeitquote löst nicht nur das Problem des Lehrkräftemangels nicht, sondern schafft zusätzlich neue Probleme“, ist sich Markus Weinberger, Sprecher der Landesfachgruppe Grund- und Mittelschule und Mitglied im Hauptpersonalrat, sicher. „Rein quantitativ betrachtet ist diese Maßnahme ein „Scheinriese“. Selbst die Ständige Wissenschaftskommission (SWK) der KMK korrigierte nach differenzierter und lebensnaher Betrachtung ihre anfänglich hochfliegenden Erwartungen an diese Zwangsmaßnahme deutlich nach unten“, so Weinberger. „Bei der CSU sind diese Erkenntnisse offensichtlich noch nicht angekommen. Bei den Lehrkräften kommt aber eine ganz andere Botschaft an: Wir löschen bei euch das letzte Fünkchen Hoffnung, dass es irgendwann einmal besser wird und brummen euch gleich noch mehr drauf. Burnout vorprogrammiert.“

Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender und Mitglied im Hauptpersonalrat, ergänzt:
„Erst letztes Schuljahr rief das Ministerium in Zusammenarbeit mit dem Hauptpersonalrat alle Lehrkräfte auf, freiwillig Stunden zu erhöhen, um weitere Einschränkungen der Teilzeitmöglichkeiten zu verhindern. Das ist gelungen und dafür muss man den Kolleg*innen danken. Dass Söder jetzt trotzdem die Einschränkungen für den Schulbereich ankündigt, ist ein Schlag ins Gesicht. So geht man nicht mit seinen Beschäftigten um. Er täte gut daran, Kultusministerin Stolz hier weiter mit Freiwilligkeit und mehr Feingefühl agieren zu lassen, anstatt sich immer und immer wieder in das Bildungsthema einzumischen, in dem ihm offensichtlich die Kompetenz fehlt.“

Download niedersächsische Arbeitszeitstudie:

https://www.gew-nds.de/fileadmin/media/sonstige_downloads/nds/Mehrarbeit/Niedersaechsische-Arbeitszeitstudie2015-2016-Endbericht.pdf

https://kooperationsstelle.uni-goettingen.de/fileadmin/user_upload/2016-12_Der_Personalrat_Nds.Arbeitszeitstudie_Mussmann_PersR_2016_12_17-20.pdf


23.9.2025
GEW Bayern
www.gew-bayern.de