Lehrkräftemangel: Populismus führt nicht zu echten Lösungen!
Mitteilung: GEW Bayern
Waren es Ende des letzten Jahres noch 5.000 Stellen, die Ministerpräsident Söder im öffentlichen Dienst bis 2030 abbauen wollte, spricht er nun schon von einer Streichung von 10.000 Stellen bis zum Jahr 2040. Auch für den Lehrkräftemangel an Schulen findet er vermeintlich einfache Lösungen und bringt erneut die Einschränkung der Teilzeitmöglichkeiten ins Spiel. Die GEW Bayern widerspricht.
Seit Jahren gelingt es dem Kultusministerium nur mit Sondermaßnahmen und der Einstellung von Quereinsteigerinnen, den Lehrkräftebedarf an Schulen zu sichern. Bereits seit 2020 ist die Arbeit in Teilzeit an Grund-, Mittel- und Förderschulen de facto nur noch aus familienpolitischen Gründen möglich. Im Gegenzug dazu stieg die Zahl der Lehrkräfte rasant an, die entweder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Vollzeit arbeiten konnten oder gleich in den vorzeitigen Ruhestand geschickt werden mussten. Zum Beispiel stieg die Zahl der begrenzt dienstfähigen Lehrkräfte von rund 800 im Jahr 2018 auf etwa 1.800 im Jahr 2022. Dies geht aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage einer Landtagsabgeordneten hervor.
„Daran sind vor allem die veränderten Rahmenbedingungen schuld“, sagt Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern. „Das Arbeitspensum der Lehrkräfte ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Aufgrund mehrfacher, ungelöster globaler Krisen und einer gewandelten Schülerinnenschaft ist die Arbeit der Lehrkräfte anspruchsvoller geworden. Zusätzliche Arbeitsfelder wie Digitalisierung, Inklusion, die erhöhten Anforderungen durch Migration und Sprachförderung, aber auch die immer größere Notwendigkeit, Elternhäuser intensiv zu unterstützen, haben dafür gesorgt, dass man eigentlich gar nicht mehr weiß, wie man das alles schaffen soll. Die Arbeitszeit der Lehrkräfte wurde an diese Rahmenbedingungen nie angepasst. Gleichzeitig kommt das Kultusministerium seiner Pflicht, die Beschäftigten vor Überstunden zu schützen, nach wie vor nicht nach. Lehrkräfte reagieren auf diese Bedingungen, indem sie die Überlastung selbst regulieren und in Teilzeit gehen. Anstatt also von einem Abbau der Teilzeitmöglichkeiten zu reden, sollte der Ministerpräsident erst einmal für eine angemessene Fürsorge gegenüber den Lehrkräften sorgen.“
Auch ihr Stellvertreter Florian Kohl kritisiert Söders Populismus: „Söder tut gerade so, als könnte man den Lehrkräftemangel beseitigen, indem man die Lehrkräfte dazu zwingt, in Vollzeit zu arbeiten. Das mag dem populistischen Zeitgeist und dem herrschaftlichen Selbstbild des Ministerpräsidenten entsprechen, ist aber schlicht nicht realistisch und ein fatales Signal nach innen wie nach außen. Dort, wo Menschen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, brauchen wir gute und attraktive Arbeitsbedingungen statt Zwangsmaßnahmen. Kinder und Jugendliche benötigen dringend mehr qualifizierte Köpfe, die sie unterrichten, nicht weniger – unerheblich davon, ob in Teilzeit gearbeitet wird oder nicht.“
Als Mitglied im Hauptpersonalrat fordert Kohl die Umsetzung des gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Gesundheitsschutzes: „Dazu gehört auch der Schutz vor unbezahlter Mehrarbeit. Doch vor einer Arbeitszeiterfassung hat das Ministerium Angst, denn die könnte ja belegen, dass Lehrkräfte, besonders die, die in Teilzeit beschäftigt sind, weit mehr arbeiten, als sie müssten – wie bereits viele Studien gezeigt haben.“ Den Söderschen Populismus weist er zurück: „Mit solchen unreflektierten Aussagen sorgt man nur dafür, dass sich junge Menschen zweimal überlegen, ob sie Lehramt studieren, und sich dann lieber für andere Berufe mit attraktiveren Rahmenbedingungen entscheiden.“
22.9.2025
GEW Bayern
www.gew-bayern.de