„Karlsruhe gibt grünes Licht für Demokratisierung der Hochschulen“

Bildungsgewerkschaft GEW zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Thüringer Hochschulgesetz

Mitteilung: GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die heute veröffentlichte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Thüringer Hochschulgesetz begrüßt. „An Thüringens Hochschulen können Hochschullehrende, Studierende, akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Technik- und Verwaltungskräfte jetzt bei vielen Entscheidungen paritätisch mitbestimmen. Das sieht das Landeshochschulgesetz seit 2018 vor. Dass das Bundesverfassungsgericht die Entscheidung des Gesetzgebers grundsätzlich bestätigt hat, ist konsequent. Es folgt damit der bisherigen Rechtsprechung und stellt klar, dass die im Grundgesetz verankerte Wissenschaftsfreiheit keine absolute Mehrheit der Professorinnen und Professoren in sämtlichen Hochschulgremien verlangt. Damit gibt Karlsruhe grünes Licht für die Demokratisierung der Hochschulen. Weitere Länder sollten jetzt nachziehen und die Mitbestimmung der Studierenden sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbauen“, sagte Andreas Keller, GEW-Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung, am Donnerstag in Frankfurt a. M. Weiterlesen

Unterricht muss fordern – Wenn Lerninhalte zu leicht sind, entsteht folgenschwere Langeweile

Bericht: Universität Potsdam

Langeweile gehört für viele Schülerinnen und Schüler zum Schulalltag. Wie wissenschaftliche Studien belegen, ist etwa die Hälfte der Unterrichtszeit davon geprägt. Doch diese Langweile hat negative Folgen: In einer Studie, in der Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts mehrfach befragt wurden, fanden Prof. Richard Göllner von der Universität Potsdam und Kristina Kögler von der Universität Stuttgart ein überraschendes Muster: Nicht nur schwieriger Stoff frustriert, auch zu leichte Aufgaben können das Lernen nachhaltig beeinträchtigen. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die beiden Forschenden nun im „British Journal of Educational Psychology“ veröffentlicht. Weiterlesen

GEW: Doppelhaushalt 2026/27: Zu wenig für Bildung – Lehrkräftemangel wird verschärft

Stellungnahme: GEW Bayern

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern kritisiert den vorgestellten Doppelhaushalt der Staatsregierung scharf. Trotz der Beteuerung, Bildung zur Priorität zu machen, bleibt der geplante Stellenausbau weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. „1.500 neue Lehrer*innenstellen sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärt Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern. „Zum ersten Mal wird nicht nach Bedarf eingestellt, dabei bräuchte es angesichts steigender Schüler*innenzahlen, wachsender Inklusionsaufgaben und des kommenden Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung mindestens 5.000 neue Vollzeitstellen, um die Unterrichtsversorgung überhaupt stabil zu halten.“ Weiterlesen

Staatsregierung und Landtag müssen Ausbau der Ganztagsangebote endlich voranbringen

Mitteilung: GEW Bayern

Die GEW Bayern fordert Landtag und Staatsregierung auf, bei dieser Gesetzgebung und den folgenden Vorschriften stets auf die Qualität der pädagogischen Angebote zu achten. Gleichzeitig mahnt die Bildungsgewerkschaft an, den Ausbau der Ganztagsangebote endlich deutlich und rasch voranzubringen.

Der Bildungserfolg der Kinder hängt in Bayern so stark vom sozialen Status der Eltern ab wie in keinem anderen Bundesland. Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern, sagte dazu in München: „Qualitätsvolle Ganztagsangebote sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Ganztag kann so langfristig der sozialen Spaltung entgegenwirken und die Demokratie stärken helfen.“ Weiterlesen

Tag der Menschenrechte: 
Bundesregierung muss Zivilgesellschaft stärken, statt sie unter Druck zu setzen

Mitteilung: Amnesty International

Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember, an dem sich die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum 77. Mal jährt, weist Amnesty International auf die zunehmende Diffamierung und Delegitimierung zivilgesellschaftlichen Engagements in Deutschland hin. Diese reihen sich ein in Angriffe auf unabhängigen Journalismus und die Unabhängigkeit der Justiz. 
 
„Zivilgesellschaftliches Engagement und freie Meinungsäußerung sind nicht nur die Basis freier Gesellschaften, sie gehören auch zu den grundlegenden Menschenrechten. Aktuell werden Organisationen und Initiativen, die sich für Menschenrechte, Chancengleichheit und Vielfalt einsetzen, jedoch unter Generalverdacht gestellt – nicht nur über parlamentarische Anfragen zur Finanzierung von NGOs, sondern auch von der Bundesregierung, die vom Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ geförderte und bereits umfassend geprüfte Projekte nun noch vom Verfassungsschutz durchleuchten lassen will“, sagt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. „Gleichzeitig übernimmt die Bundesregierung menschenrechtsfeindliche Narrative, gießt sie teils in Gesetze, setzt sich über Gerichtsentscheidungen hinweg und diskreditiert friedliche Demonstrierende. Das entspricht autoritären Praktiken, die einzig und allein diejenigen gesellschaftlichen und politischen Akteure stärken, die die vielfältige Gesellschaft in Deutschland ablehnen und abschaffen wollen“. Weiterlesen

DemoReaktionen

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Endlich ist zumindest ein Teil der jungen Generation aufgewacht und hat Mut gefasst, gegen den unseligen „Kriegsertüchtigungskurs“ unserer politischen Elite zu protestieren. Es waren nicht wenige SchülerInnen, die einen Tag vor Nikolaus auf die Straßen gegangen waren, um gegen das Wehrpflichtvorhaben der Koalition und der (immer vorne mit dabei) Partei „Bündnis90/Die Grünen“ zu protestieren. Der Freitag als Protesttag war gut gewählt, konnte doch zumindest symbolisch verdeutlicht werden: Friday for Future!

Man konnte also gespannt sein, wie die tonangebenden Medien in unserem Land reagieren würden. Haben sie doch bisher eher die Regierungssichtweise in ihren Veröffentlichungs – und Kommentarköchern.

Und siehe da, sie bemühten sich, dem Protest einigermaßen gerecht zu werden und berichteten einigermaßen sachlich über die Demos; auch darüber, dass es gewerkschaftliche Unterstützung gibt, von der GEW zum Beispiel.

Lediglich die Kampfblätter des Konservativismus blieben mal wieder, mit gebremstem, aber unübersehbarem Schaum auf der Tastatur, ihrer Linie treu.

Die Zeitung „Die Welt“, indem sie die Demos insgesamt als recht kläglich qualifizierte (verglichen mit den Massen bei Klimastreikdemos) und die FAZ, die Zeitung für Deutschland, wie sie sich nennt, indem sie auf der Rhein-Main-Beilage in der Unterschriftenerläuterung zu einem Demobild die Steuerung der Frankfurter Demo durch linke, und damit insinuiert sie – äußerst fragwürdige, Gruppierungen hervorhebt. 
Zwar nennt sie auch Mitglieder der Gewerkschaft Ver.di als Unterstützer, aber die jungen Sozialisten werden besonders betont. 

Man könnte sagen, politisch nichts Neues von der „Zeitung für Deutschland“, aber die Duftmarke, die sie setzt, ist unüberriechbar: Vorsicht, die Sozialisten kapern Euch! Rote Gefahr!

Darüber könnte man vielleicht noch mit einem Kopfschütteln hinweg gehen. Wenn nicht auf der gleichen Seite ein Kommentar zu lesen wäre, aus dem hervorgeht, um was es der FAZ eigentlich geht: Um nichts weniger als die Köpfe und Herzen der Jugendlichen im Sinne des berlinischen Regierungskurses.

Das liest sich dann auf einen kurzen Botschaftsnenner gebracht folgendermaßen:   
Jungs und Mädels, euer Engagement in Ehren, aber lasst euch nicht vereinnahmen. Schaut euch die Welt um euch herum an: Überall wird was für Verteidigung getan und da wollt ihr euch nicht engagieren? Lasst euch nicht einreden, ihr wärt „Kanonenfutter“. Das mag für Putins Soldaten gelten, aber doch nicht für euch. Deutschland hat schließlich eine Parlamentsarmee. Dafür wird kein „Kanonenfutter“ gebraucht, vielmehr junge Menschen, die bereit sind, ihre Freiheit zu verteidigen. Im übrigen kommt euer ehrenwerter Protest zur Unzeit. Seht ihr denn nicht, dass es überall in Europa kriselt – wegen wem wohl? Wir leben schließlich in einer verteidigenswerten parlamentarischen Demokratie. Vertraut den Parlamentariern.

Soweit in gebotener Kürze der Tenor des Kommentars.

Was lernen wir daraus?

Die FAZ schafft es mit Bravour, Nebelkerzen zu werfen, damit die betroffenen Jugendlichen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen!

Da wird ihnen bescheinigt, wie ehrenwert ihr Engagement sei, aber es komme wegen der Situation in Europa zur Unzeit – durchgefallen!
Da wird ihnen quasi erklärt, die Armee in Deutschland Land sei ja eine Parlamentsarmee; somit sei ja gewährleistet, dass damit kein Schindluder getrieben werden könne und wer darin diene, könne unmöglich einmal als „Kanonenfutter“ verheizt werden – durchgefallen!
Alles in allem wäre es wohl doch angebracht, Vertrauen in unser System zu haben und einzusehen, dass der Dienst in der Armee ganz ganz wichtig und richtig sei – durchgefallen.

Mit diesen argumentativen Nebelkerzen wird den jungen DemonstrantInnen die Reife bezüglich ihres Tuns, wenn schon nicht kategorisch abgesprochen, dann zumindest in Frage gestellt.

FAZ Gesamtziel erreicht: Verunsicherung in die Köpfe und Herzen der Jugendlichen gepflanzt mit der durchsichtigen Absicht, dass zukünftig beharrliches Wässern dieses Pflänzchens Erfolg bringen wird.

Da sei allerdings die angesichts der Demos gezeigte Reife der Jugendlichen davor!

Ich muss sagen, dass die Reaktion von Minister Pistorius auf die bundesweiten Demos gegen sein Gesetzesvorhaben weitaus professioneller war. Meinte er doch, dass er die Demos begrüße; schließlich zeigten die jungen Menschen damit, dass sie wüssten, worum es gehe! 


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

 

Blecherne Heimat

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Heimat kann manchmal auch ein Stück Blech sein. Zumindest, wenn man dem ein oder anderen Bürgermeister im Lande Hessen glauben darf.

Wie das, wird der geneigte Leser/die geneigte Leserin (sich) fragen?

Es gibt eben Heimatliebeförderungsgedanken, auf die man erst mal kommen muss. Und das geht so: Da gibt es in der Nähe von Offenbach einen Ort, der schon vor Jahrzehnten durch eine Band bundesweit bekannt geworden war, durch die „Rodgau Monotones“ mit ihrem damaligen Hit „Erbarme, zu spät, die Hesse komme!“ 

Ein Song, der sich als durchaus zeitlos herausgestellt hat: Denn wenn der hessische MP Rhein kommt, ist immer etwas Besonderes im Busch, auch bundesweit. Erinnert sei allein an seine durchsichtige Schützenhilfe anlässlich der Merz’schen Stadtbildäußerung, als er mir nichts dir nichts auf diverse Terroranschläge in deutschen Städten verwies und so die von Merz geäußerten „Besorgnisse“ geschmacklos ins Bodenlose katapultierte.

Wie dem auch sei, die Hesse waren mal wieder erbarmungslos da und damit wären wir wieder bei den „Monotones“ und deren Heimatstadt Rodgau.
Für diesen Ort hat nämlich der derzeitige Bürgermeister von Offenbach, selbst wohnhaft in Rodgau, vor gar nicht allzu langer Zeit gefordert, ein eigenes Autokennzeichen aufzulegen, um den BürgerInnen den Wiedererkennungswert ihres Heimatortes tagtäglich vor Augen führen zu können, und zwar mit den Großbuchstaben „ROD“ (bitte nicht verwechseln mit TOD).

Gefragt, warum er das so wichtig finde, meinte er sinngemäß, in diesen trüben Zeiten könne so ein Kennzeichen wenigstens ein Stückchen Trost und Heimatliebe signalisieren.

So zeigt sich, dass das Berliner Heimatministerium durchaus mehr Wirkungen in die bundesrepublikanische Fläche hat, als selbst ein kerniger Heimatverbundener wie Alexander Dobrindt sich wohl träumen ließ.

Sicherlich wird eine eventuelle Bundesratsinitiative zur Verheimatlichung der KFZ-Kennzeichen mit Dobrindts Unterstützung rechnen können.

Denn eines ist doch wohl nicht von der Hand zu weisen: Wer zukünftig zeigt, dass er seine Heimat liebt, selbst in der Erinnerungsform eines rechteckigen Stückes Blech am SUV (oftmals auch „Hausfrauenpanzer“ genannt), wird sie auch sicher gerne verteidigen, z.B. in der örtlichen Heimatschutztruppe.

So schließt sich dann der Kreis der Beförderung von „Kriegstüchtigkeit“ in unserer Republik. Heil(e)Heimat (!), eben oder sollte es besser heißen: „Heiligs-Blechle“ … 


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

 

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