Schulleitungen am Limit – Wo die Politik nachsteuern muss

Bericht: GEW Berlin

Die aktuellen Ergebnisse zur Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften mit Schulleitungsaufgaben in Berlin und Hamburg zeigen deutlich, dass die Leitungsteams an ihren Belastungsgrenzen angekommen sind. Viele Schulleiter*innen sowie Lehrkräfte mit Schulleitungsaufgaben arbeiten regelmäßig über 48-Stunden pro Woche, manche sogar über sechzig. Ein großer Teil dieser Zeit wird durch Verwaltungsaufgaben gebunden, während Schulentwicklung, pädagogische Gestaltung sowie Leitung und Personalführung zu kurz kommen. Damit fehlt ausgerechnet für die Aufgaben Zeit, die für die Qualität schulischer Bildung entscheidend sind.

Sven Dudkowiak, Leitung Vorstandsbereich Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW BERLIN, macht klar, wie gravierend die Situation ist. „Hier geht es längst nicht mehr nur um Überlastung, in vielen Fällen liegen klare Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz vor. Dass das Land Berlin diesem Zustand tatenlos zusieht und seine Schulleitungen so im Stich lässt, ist nicht hinnehmbar.“ Für ihn ist diese Entwicklung ein Alarmsignal für das gesamte Schulsystem. „Wenn wir eine moderne, inklusive und digitale Schule wollen, müssen wir die Schulleitungen endlich mit den Mitteln ausstatten, die sie brauchen.“

Wie sich die strukturelle Überlastung im Alltag bemerkbar macht, beschreibt Stephan Wahner, Schulleiter und Mitglied der Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW. „Ich mache meinen Job wirklich gerne, doch der Arbeitstag reicht für all die anfallenden Aufgaben längst nicht mehr aus. Im Dauerkrisenmodus fehlt die Zeit, wirklich zu gestalten und irgendwann auch die Kraft.“ Er schildert, dass der ständige Krisenmodus die Gestaltungsmöglichkeiten massiv einschränkt. „Für echte Schulentwicklung bleibt keine Zeit. Wir wollen moderne Schulen gestalten – dafür brauchen wir eine deutliche Unterstützung bei administrativen Aufgaben und eine Entlastung von organisatorischen Zusatzaufgaben.“ Seine Worte machen deutlich, dass Engagement allein die strukturellen Defizite nicht ausgleichen kann.

Auch aus wissenschaftlicher Perspektive wird das bestätigt. Dr. Frank Mußmann, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Universität Göttingen, sieht in den Befunden ein deutliches strukturelles Problem. „Unsere Daten zeigen eindeutig: Die extremen Arbeitszeiten der Lehrkräfte mit Schulleitungsaufgaben sind kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. So lässt sich ein Schulsystem nicht dauerhaft stabil halten oder zeitgemäß fortentwickeln.“ Er unterstreicht damit die Notwendigkeit politischer Entscheidungen, die die Arbeitsbedingungen grundlegend verbessern.

Vor diesem Hintergrund formuliert Dudkowiak die Erwartungen der GEW BERLIN klar. „Politik muss endlich handeln. Das Arbeitszeitgesetz muss auch für Schulleitungen gelten. Wir brauchen zudem an jeder Schule Verwaltungsleitungen sowie deutlich mehr Ressourcen für die Schulorganisation und die Schulentwicklung. Die Ressourcen müssen transparent ausgewiesen werden und dürfen nicht in Konkurrenz zu anderen Aufgaben stehen. Nur mit guten Rahmenbedingungen für handlungsfähige Leitungsteams kann Schule funktionieren. Ohne dies bleibt jede Zukunftsvision reine Rhetorik.“


2.12.2025
Ann-Kathrin Mützel
GEW Berlin
www.gew-berlin.de