GEW BERLIN lehnt weitere Arbeitszeiterhöhung bei Lehramtsreferendar*innen ab
Die von Bildungssenatorin Günther-Wünsch angekündigte erneute Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung der Lehramtsreferendar*innen von 10 auf 12 Stunden lehnt die GEW BERLIN strikt ab.
Felicia Kompio, Vorsitzende der GEW BERLIN: „Eine vollmundig angekündigte Reform des Lehramtsreferendariats mit einer erneuten Arbeitszeiterhöhung einzuläuten, macht das erklärte Ziel einer besseren Ausbildungsqualität völlig unglaubwürdig. Offenbar geht es der Senatorin nicht um eine bessere Ausbildung, sondern vorrangig um die Abdeckung des Unterrichtsbedarfs. Weil der Senat bei der Sicherung des Lehrkräftebedarfs versagt hat, werden erneut die Schwächsten zur Kasse gebeten.“
Die GEW BERLIN fordert stattdessen, die im Sommer 2024 verfügte Erhöhung des Anrechnungsfaktors des Unterrichtsbeitrags der Lehramtsreferendar*innen von 7 auf 10 Stunden auf den Bedarf der Schulen zurückzunehmen. Diese Maßnahme hat in der Praxis dazu geführt, dass die meisten Referendar*innen von Anfang an mit den maximal möglichen 10 Stunden selbstständig im Unterricht eingesetzt werden. Damit bleibt keine Zeit mehr für angeleiteten Unterricht und Hospitationen, was gerade im ersten Ausbildungshalbjahr wichtig ist, um sich einzuarbeiten, Unterricht zu beobachten und zu reflektieren.
Darüber hinaus hat die Erhöhung von 7 auf 10 Stunden 160 Vollzeitstellen abgedeckt – mit steigender Tendenz, weil die Zahl der Referendar*innen leicht ansteigt.
„Diese Stellen fehlen den Schulen für die Einstellung neuer Referendar*innen und auch fertig ausgebildeter Lehrkräfte. Schon jetzt haben Seminarleitungen erhebliche Mühe, für alle neuen Referendar*innen passende Ausbildungsschulen zu finden“, so Nele Hoffschildt, Leiterin des Vorstandsbereich Hochschulen und Lehrer*innenbildung.
„Auch die Einführung sogenannter Qualifizierungslehrkräfte wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Solange unklar bleibt, ob hier lediglich alte Mentor*innen neu etikettiert werden, wie die Qualifizierung dieser Lehrkräfte aussieht und welche Entlastung sie in Form von Abminderungsstunden bekommen, droht eine weitere Verschiebung von Mehrarbeit, zulasten der Ausbildung und der Kolleg*innen“, ergänzt Johannes Thoma vom Personalrat der Lehramtsanwärter*innen.
Zusammen mit der Aussetzung des Profilbedarfs II und der Umwandlung von Lehrkraftstellen in Stellen für multiprofessionelle Teams sind ca. 970 Vollzeitstellen für Einstellungen weggefallen.
„Der Senatorin geht es nur darum, der Öffentlichkeit weiszumachen, sie hätte die Lücke bei der Lehrkräfteausstattung deutlich verringert. Damit wird der eklatante Mangel an Lehrkräften bewusst schön gerechnet und die hohe Arbeitsbelastung der Kollegien weiter ignoriert und verschärft“, erklärt Nele Hoffschildt.
„Wenn die Unterrichtsstunden von Referendar*innen auf den regulären Stundenpool der Schulen angerechnet werden, wird Ausbildung systematisch zur Personalreserve umfunktioniert. Referendar*innen ersetzen dann reguläre Stellen, statt angeleitet ausgebildet zu werden. Das hat mit guter Lehrkräftebildung nichts zu tun und muss beendet werden“, so Johannes Thoma weiter.
20.1.2026
Ann-Kathrin Mützel
www.gew-berlin.de