GEW: Kein Grund zur Entspannung wegen neuer Studienlage
Die neue Studie der Bertelsmann Stiftung zu den Personalausstattungsquoten in deutschen Kitas belegt eindrücklich einen Entwicklungsbedarf bei der Kita-Qualität in bayerischen Einrichtungen. Die GEW Bayern plädiert für einen Qualitätsausbau.
Bayern verfügt nach den Erkenntnissen der Studie über eine eher hohe Personalausstattungsquote in den Kitas (ohne Horte) im Vergleich zu anderen Bundesländern, allerdings nur im Durchschnitt. Zugleich zeigt die Studie sehr große regionale Unterschiede der Personalausstattung sowie deutliche Unterschiede zwischen wirtschaftlich stärkeren und finanzschwächeren Regionen.
„Nirgendwo sind die Unterschiede zwischen den Kitas innerhalb eines Bundeslandes so groß wie in Bayern. Die Auswertungen legen nahe, dass Regionen mit höherer Wirtschafts- und Finanzkraft häufiger besser ausgestattete Kitas haben als finanzschwächere Regionen. Das darf nicht sein, wir brauchen gleichwertige Lernbedingungen, unabhängig von der Finanzkraft der Kommune“, fasst Hilger Uhlenbrock, Sprecher der Landesfachgruppe Sozialpädagogische Berufe der GEW Bayern, die Ergebnisse zusammen. Es sei daher gut, wenn künftig der Anteil des Freistaates bei der Finanzierung anwachse, wie das derzeit in Aussicht gestellt werde. Die GEW Bayern würde aber sehr begrüßen, wenn die Finanzkraft der Kommunen bei der Finanzierung stärker berücksichtigt würde – gerade angesichts knapper öffentlicher Mittel sei es wichtig, die vorhandenen Ressourcen zielgerichtet zu verteilen.
Eine aktuell veröffentlichte Studie des Staatsinstituts für Frühpädagogik im Auftrag des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales kommt zu dem Ergebnis, dass der Fachkräftemangel in bayerischen Kitas wahrscheinlich seinem Ende zugeht. „Das ist für uns aber kein Grund zur Entspannung, denn in den bayerischen Kitas gibt es einen hohen Nachholbedarf bei der personellen Qualität. Das gilt insbesondere beim Thema Inklusion, denn es zeigt sich zwar, dass Bayern als eines der wenigen Bundesländer überhaupt die Bedarfe der Kinder bei der Finanzierung und damit der Personalausstattung berücksichtigt, aber nicht genau genug. Die Studie gibt wichtige Hinweise, in welche Richtung das bayerische System zu entwickeln wäre. Besonders bei den Krippen sehen wir einen Bedarf an Qualitätsausbau, aber auch im Kindergartenbereich fehlt es massiv an der Personalausstattung. Wenn die Fachkräftelücke also bald endet – falls sie das tut –, gibt das Luft für den notwendigen qualitativen Ausbau. Weiterhin hat Bayern auch die geringste Fachkraftquote bundesweit – eine weitere Baustelle“, betont Christian Gündling, Kita-Leitung und Kita-Experte der GEW Bayern.
Zum Hintergrund:
Bundesweit verfehlt die große Mehrheit der Kitas die fachlichen Empfehlungen zur Personalausstattung. Die Studie stellt die Fachkraft-Kind-Relation (vereinfacht: der Beschäftigungsumfang laut Arbeitsvertrag abzüglich Abwesenheiten wegen Krankheit, Fortbildungen, Vor- und Nachbereitungszeiten etc., bezogen auf die anwesenden Kinder – also die Arbeitszeit, die tatsächlich beim Kind ankommt) den wissenschaftlich begründeten Empfehlungen zur Personalausstattung in Abhängigkeit vom Alter des Kindes gegenüber.
Wissenschaftlicher Konsens sind folgende Fachkraft-Kind-Relationen (FKR):
• Kinder im Alter von unter einem Jahr: FKR 1:2
• Kinder im Alter zwischen einem und unter 3 Jahren: FKR 1:4
• Kinder im Alter ab 3 Jahren: FKR 1:9
Dazu auch: https://www.gew.de/mein-arbeitsplatz/kita/qualitaet
In Bayern erfüllen 12,3% aller Kitas diese Quoten. 29,2 % erfüllen die FKR zu 90%. Aber 48,1% erfüllen sie nur zu zwischen 60% und 80%, der Rest (10,4%) erfülle die Quoten sogar zu weniger als 60%. Fazit: Nur 12,3% der bayerischen Kitas erreichen die wissenschaftlich empfohlenen Personalschlüssel vollständig; knapp die Hälfte bleibt sogar unter 80% des empfohlenen Niveaus.
Die Studie weist zudem aus, dass Bayern im Bundesvergleich die höchste Unterschiedlichkeit (Varianz) bei der Erfüllung der Quoten aufweist.
Positiv stellt die Studie fest, dass das Merkmal „nichtdeutsche Familiensprache“ wegen der Regelungen im BayKiBiG tatsächlich zu zusätzlichen Personalressourcen führt. Ebenso führt ein festgestellter Eingliederungshilfebedarf zu mehr Personalressourcen. Das ist bundesweit eher die Ausnahme, weil die Kita-Gesetze vieler Länder diese Faktoren nicht oder nur unzureichend berücksichtigen. Fakt ist aber weiterhin: Zusätzliche Ressourcen für Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache oder Eingliederungshilfe reichen nicht aus, um die empfohlenen Personalschlüssel zu erreichen.
Die angesprochene Studie des IFP finden Sie hier: Entwicklung der Personal- und Kinderzahlen in bayerischen Kitas 2024/2025
28.1.2026
GEW Bayern
www.gew-bayern.de