GEW: „Bürokratieabbau ja – Deregulierung nein!“
Bildungsgewerkschaft GEW zur Bundestagsanhörung zur Entlastung der Wissenschaft
Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat an Bund und Länder appelliert, Hochschulen und Forschungseinrichtungen von unnötiger Bürokratie zu entlasten, sie aber nicht aus ihrer öffentlichen Verantwortung zu entlassen. „Wir brauchen eine strukturelle Entlastung der Beschäftigten und Studierenden, damit diese mehr Zeit für Forschung, Lehre und Studium haben. Auf der anderen Seite erfüllt die Bürokratie auch in der Wissenschaft unverzichtbare Funktionen: Sie gewährleistet Rechtstaatlichkeit und Transparenz, schützt die Rechte der Beschäftigten und Studierenden und sorgt für Teilhabe und Gleichberechtigung. Wir dürfen daher das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: Bürokratieabbau ja – Deregulierung nein!“ sagte Andreas Keller, GEW-Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung, am Mittwoch in einer öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Keller ist einer der fünf Sachverständigen, die die Abgeordneten anhörten.
Gleichzeitig zeigte er das Potenzial auf, das die seit Langem diskutierten Strukturreformen für den Bürokratieabbau hätten. „Ein Paradigmenwechsel in der Wissenschaftsfinanzierung – Ausbau der Grundfinanzierung, aber weniger Projekt- und Drittmittel – würde Wissenschaftseinrichtungen, Forscherinnen und Forscher spürbar entlasten, die immer mehr Zeit für die Beantragung von Fördergeldern, deren Verwaltung und die Abrechnung benötigen“, erklärte der GEW-Hochschulexperte. Er ergänzte: „Dauerstellen für Daueraufgaben, Mindestlaufzeiten für Zeitverträge – eine Abschaffung oder zumindest radikale Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetz würde zahllose Verwaltungsvorgänge für Einstellungen und Vertragsverlängerungen überflüssig machen.“
Auch die überfällige Reform des BAföG könne zu einer massiven Entbürokratisierung beitragen, betonte Keller: „Es ist inzwischen zwar möglich, Anträge online zu stellen, diese werden dann aber von den BAföG-Ämtern ausgedruckt und analog bearbeitet. Wir brauchen endlich eine umfassende Digitalisierung des gesamten Prozesses. Auf unnötige Wiederholungsanträge und Leistungsnachweise muss verzichtet werden. Und mit einer Umstellung des BAföG auf einen Vollzuschuss würde die aufwändige Darlehensverwaltung beim Bundesverwaltungsamt entfallen.“
22.4.2026
Ulf Rödde
GEW-Hauptvorstand
Vorstandsmitglied
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