Hauptgebäude der TU Berlin geschlossen – exemplarisch für den #SchlussverkaufBildung!
Am gestrigen Montag demonstrierten Hochschulleitungen, Gewerkschaften und Studierende in seltener Einigkeit gegen die vom Berliner Senat geplante Hochschulbaugesellschaft, die Bauvorhaben zentral lenken soll, aber aus Sicht der Hochschulangehörigen genau das nicht effektiv und auf Augenhöhe leisten wird.
Die Demonstration folgt auch auf die vollständige Sperrung des Hauptgebäudes der Technischen Universität Berlin an der Straße des 17. Juni seit dem 9. Mai. Bis auf Weiteres darf das Gebäude nicht genutzt werden. Von der Schließung betroffen sind unter anderem Lehrveranstaltungen und Arbeitsräume, die gerade zum Teil geräumt werden müssen.
Die Probleme beruhen nicht auf plötzlich entstandenen Schäden, sondern auf grundlegenden baulichen Mängeln, die bereits seit längerer Zeit bestehen und nun offiziell als sicherheitsrelevant eingestuft wurden. Notwendige Sanierungsmaßnahmen sind über Jahre nicht ausreichend angegangen worden. Die TU Berlin geht inzwischen von Sanierungskosten in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro aus. Für die Berliner Hochschulen insgesamt wird der Investitions- und Sanierungsbedarf auf rund 8
Milliarden Euro geschätzt.
Der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V., die bundesweite Studierendenvertretung, sieht in der Schließung des TU-Hauptgebäudes ein alarmierendes Beispiel für die Folgen chronischer Unterfinanzierung im Bildungsbereich.
„Dass ein zentrales Universitätsgebäude wegen gravierender baulicher Mängel vollständig geschlossen werden muss, ist ein bildungspolitisches Armutszeugnis. Studierende, Beschäftigte und Lehrende erleben seit Jahren, was passiert, wenn notwendige Investitionen immer weiter aufgeschoben werden. Sie studieren in maroden, baufälligen Gebäuden, die technische Infrastruktur reicht nicht aus und Vorlesungssäle sind überfüllt“, erklärt Katharina Rummenhöller, Vorstandsmitglied des fzs.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) schätzt den bundesweiten Sanierungsbedarf an Hochschulen im dreistelligen Milliardenbereich. Für den fzs zeigt die Situation an der TU Berlin beispielhaft, welche Konsequenzen jahrzehntelange Sparpolitik und fehlende Investitionen in Hochschulgebäude haben.
„Wenn Hochschulgebäude offenbar nicht einmal mehr sicher nutzbar sind, macht das deutlich, wie dramatisch die Lage inzwischen geworden ist. In Marburg stürzte beispielsweise eine Hörsaaldecke ein, in der Bibliothek der Uni Köln sitzen mehr Mäuse als Studierende, in der HfMT Köln regnete es ins Studio für elektronische Musik und auch in Trier ist eine Wohnheimdecke eingestürzt“, so Tjark Kandulski, Vorstandsmitglied des fzs, weiter.
Der fzs verweist in diesem Zusammenhang auf die Kampagne #SchlussverkaufBildung, die auf die strukturelle Unterfinanzierung des Bildungssystems aufmerksam macht. Am 17. Juni findet ein bundesweiter dezentraler Aktionstag statt. An zahlreichen Orten sollen dabei Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden, um auf die prekäre Situation an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen aufmerksam zu machen.
Der fzs fordert Bund und Länder auf, endlich umfassend in die soziale und bauliche Infrastruktur der Hochschulen zu investieren, anstatt den Sanierungsstau weiter anwachsen zu lassen!
19.5.2026
Katharina Rummenhöller
Vorstand freier zusammenschluss von student*innenschaften fzs e.V.
www.fzs.de