Der nackte Kaiser…
Der Kommentar zum Zeitgeschehen
von Jürgen Scherer
… guckt ganz schön dumm aus der Wäsche!
So darf man es wohl charakterisieren das Abschneiden der BRD-Elite bei der Wahl resp. Nichtwahl in den Sicherheitsrat der UN.
Sie treten auf, als hätten sie diesen Sitz im UNsicherheitsrat gepachtet. Er müsse doch Deutschland zugesprochen werden. Schließlich ist Deutschland einer der größten Geldgeber für die UN.
Und dann das: Die Staatengemeinschaft wählt stattdessen Österreich und Portugal in den Sicherheitsrat. Ein solches Ergebnis passe nicht zur Bedeutung und Geldgeberqualität unseres Landes, so tönt es allenthalben hinter teils vorgehaltener Hand teils klartextlicher Aussage, zB aus dem Land Hessen. Undank ist der Welt Lohn, könnte man sagen und zur Tagesordnung übergehen.
Aber ist es nur „Undank“, der sich hinter der Haltung der Staatengemeinschaft verbirgt oder steckt vielleicht ein bisschen mehr dahinter?
Könnte es z.B. sein, dass das immer martialischere Auftreten der deutschen Führungselite in Politik und Wirtschaft und nicht zuletzt in „Deutsch-Europa“ ungute Erinnerungen weckt? Erinnerungen an Zeiten, in denen die Großmachtstreberei Deutschlands letztlich mehr Unglück für Europa und die Welt mit sich brachte als Benefit?
Könnte es vielleicht sein, dass die unverantwortliche Kriegshuberei der derzeitigen deutschen Regierung eher Ängste hervorruft statt Vertrauen?
Wie sollte man auch Vertrauen in eine Regierung haben, die auf der einen Seite das völkerrechtswidrige Vorgehen Russlands in der Ukraine zu Recht verurteilt, zugleich aber für das völkerrechtswidrige Handeln des derzeitigen „Welten Herrschers“ Trump gegenuber dem Iran mehr oder weniger zurückhaltend agiert, ganz zu schweigen von dessen verbrecherischem Vorgehen in Venezuela und der nicht weniger willkürlichen Umgehehensweise mit Kuba?
Wer sich allerdings durch seine Bewerbung dem friedensverpflichteten Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zugeneigt fühlt, sollte doch etwas mehr diesem Gebot entsprechende Haltungen zeigen wie das derzeitige Deutschland.
Mit anderen Worten: Nur den richtigen Nadelstreifenanzug zu tragen, genügt nicht, wenn er so fadenscheinig ist, dass darunter die nackte friedenspolitische Undurchschaubarkeit zutage tritt. Da wählt man doch lieber ein der Neutralität verpflichtetes Österreich in den Sicherheitsrat; vielleicht verbunden mit der Hoffnung, dass dadurch der Friedensgedanke in diesem Gremium vielleicht prinzipieller zum Tragen kommt als durch einen sich immer bellizistischer gebenden Staat wie das derzeitige Deutschland.
Ein Staat, der zudem noch zwei veritable Bellizistinnen an Spitzenpositionen in der Welt hat: Frau von der Leyen in der EU und Frau Baerbock in der UN-Vollversammlung.
Zum Glück gibt es offenbar noch „Narren mit Traditionsbewusstsein“ auf der Welt, die ihrer Mission treu bleiben und den „Kaiser“ schon mal nackt dastehen lassen, wenn es der guten Sache dienen kann; selbst auf die Gefahr hin, vom „Herrscher“ abgestraft zu werden.
… guckt ganz schön dumm aus der Wäsche!
So darf man es wohl charakterisieren das Abschneiden der BRD-Elite bei der Wahl resp. Nichtwahl in den Sicherheitsrat der UN.
*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.