Muslimisches Leben in Deutschland: Neue Hochrechnung zeigt wachsende Vielfalt der muslimischen Bevölkerung

Bericht: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Muslimisches Leben ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Gesellschaft in Deutschland. Eine neue Hochrechnung des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) beleuchtet die Zahl der im Jahr 2025 in Deutschland lebenden muslimischen Religionsangehörigen mit Migrationshintergrund aus islamisch geprägten Herkunftsländern und analysiert deren Zusammensetzung und regionale Verteilung. Die Ergebnisse der Hochrechnung zeigen, dass die muslimische Bevölkerung in Deutschland im Zeitverlauf zugenommen hat und vielfältiger geworden ist, unter anderem im Hinblick auf Herkunftsregionen, kulturelle Prägungen, Sprachen und migrationsbiographische Hintergründe.

Muslimische Religionsangehörige sind mit deutlichem Abstand zum Christentum die zweitgrößte Gruppe von Religionsangehörigen in Deutschland. Die muslimische Bevölkerung hat sich insbesondere durch Zuwanderung in den vergangenen Jahren sowohl hinsichtlich der Größe als auch der Herkunftsstrukturen deutlich verändert und diversifiziert. Der neue Forschungsbericht des BAMF-FZ präsentiert eine aktualisierte Hochrechnung zur Zahl der im Jahr 2025 in Deutschland lebenden muslimischen Religionsangehörigen mit Migrationshintergrund aus islamisch geprägten Herkunftsländern und analysiert die Zusammensetzung nach Herkunftsregionen sowie die regionale Verteilung auf die Bundesländer. Die Hochrechnung knüpft an frühere Berechnungen an und bildet damit eine wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen sowie für die Einordnung durch Politik und Verwaltung. Da die Zugehörigkeit zum Islam in amtlichen Registern sowie in den großen Bevölkerungsumfragen des Statistischen Bundesamtes (Mikrozensus und Zensus) nicht systematisch erfasst wird, schließt der Forschungsbericht eine wichtige Informationslücke.

Muslimische Bevölkerung in Deutschland wächst und wird vielfältiger
Im Jahr 2025 lebten in Deutschland zwischen 6,6 und 7,0 Millionen Musliminnen und Muslime mit Migrationshintergrund aus islamisch geprägten Herkunftsländern. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 8,0 und 8,5 Prozent. Gegenüber der letzten Hochrechnung für das Jahr 2019 entspricht dies einem Anstieg um 1,6 bis 1,8 Prozentpunkte. „Eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung ist die Zuwanderung aus islamisch geprägten Herkunftsländern, darunter auch Krisenregionen im Nahen und Mittleren Osten“, erläutert Dr. Anja Stichs, wissenschaftliche Mitarbeiterin im BAMF-FZ.

Muslimische Bevölkerung zunehmend heterogen hinsichtlich ihrer Herkunftsregionen
Die muslimische Bevölkerung in Deutschland ist im Hinblick auf Herkunftsregionen vielfältig zusammengesetzt: Mit 39,4 Prozent stellen Türkeistämmige weiterhin die größte Herkunftsgruppe dar. 29,4 Prozent der Musliminnen und Muslime verfügen über einen Migrationshintergrund aus einem arabischsprachigen Land im Nahen Osten oder Nordafrika. Das verbleibende knappe Drittel verteilt sich auf Personen mit Migrationshintergrund aus den Herkunftsregionen Südosteuropa sowie Mittlerer Osten.

Im Zeitverlauf hat sich die Zusammensetzung der muslimischen Bevölkerung deutlich verändert: Während türkeistämmige Musliminnen und Muslime im Jahr 2008 mit 64,4 Prozent noch die absolute Mehrheit darstellten, lag ihr Anteil im Jahr 2025 bei nur mehr 39,4 Prozent. Demgegenüber ist der Anteil von muslimischen Religionsangehörigen mit einem Migrationshintergrund aus den übrigen Herkunftsregionen gestiegen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Musliminnen und Muslimen mit einem Migrationshintergrund aus dem Nahen Osten, deren Anteil im Zusammenhang mit der Zuwanderung vieler Geflüchteter aus Syrien und dem Irak von 8,3 Prozent im Jahr 2008 auf 21,7 Prozent im Jahr 2025 zugenommen hat. „Insgesamt zeigt sich damit eine zunehmende Heterogenität innerhalb der muslimischen Bevölkerung in Deutschland“, so die Studienautorin, Dr. Anja Stichs.

Deutliche Unterschiede in der regionalen Verteilung
Die muslimische Bevölkerung in Deutschland ist regional unterschiedlich verteilt. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg liegt der Anteil muslimischer Religionsangehöriger an der Bevölkerung bei 12,5 bis 13,2 Prozent und auch in Nordrhein-Westfalen und Hessen werden vergleichsweise hohe Werte erreicht. Deutlich niedrigere Anteile zeigen sich in den ostdeutschen Bundesländern, so liegt der Anteil beispielsweise in Sachsen bei 0,9 bis 1,0 Prozent.

Studiendesign und methodisches Vorgehen
Zur Bestimmung der Zahl der 2025 in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime mit Migrationshintergrund aus islamisch geprägten Herkunftsländern wurde eine bereits in früheren Hochrechnungen der Studienreihe „Muslimisches Leben in Deutschland“ (MLD) angewendete und bewährte Vorgehensweise gewählt. Sie basiert zum einen auf Angaben über die Anzahl der in Deutschland lebenden Personen der jeweils berücksichtigen Herkunftsgruppen (Bestandszahlen) und zum anderen auf Werten über den Anteil der muslimischen Religionsangehörigen innerhalb dieser Gruppen in Deutschland. Für die aktuelle Hochrechnung wurden die herkunftsgruppenspezifischen Bestandszahlen den Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 entnommen. Die verwendeten Werte über den Anteil der muslimischen Religionsangehörigen einschließlich der Alevitinnen und Aleviten stammen aus dem Haushaltsdatensatz der Studie MLD 2020, der u.a. auch Angaben über die Religionszugehörigkeit der nicht selbst befragten Kinder und Jugendlichen im Alter von unter 16 Jahren enthält.


18.6.2026
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
www.banf.de