Soll Sparta wirklich auferstehen?
Der Kommentar zum Zeitgeschehen
von Jürgen Scherer*
Wie heißt es im therapeutischen Umfeld meist so schön: Zufälle gibt es keine. Und so muss man es wohl sehen, wenn man sich den neuesten Coup des „Kiel Instituts für Weltwirtschaft“ vor Augen führt.
5 WissenschaftlerInnen besagten Instituts bringen es im Rahmen ihrer Politikberatung fertig, ganz im Sinne des Armeeministers Pistorius, ein aufrüstungspolitisches Konzept (etwas verniedlichend „Positionspapier“ genannt)vorzulegen, aufgrund dessen Deutschland und Europa innerhalb kürzester Zeit angriffs- und verteidigungsbereit in Bezug auf den ausgerufenen altbösen Feind Russland sein könnte.
Da WissenschaftlerInnen oft auch beweisen wollen oder auch meinen, beweisen zu müssen, dass sie auch der althergebrachten Bildung nicht abhold sind, haben sie ihrem Militarismusvorschlag wohl nicht zufällig, einen Namen verpasst, der der antiken Geschichte verhaftet ist. Im vorliegenden Fall kann es die historisch bewanderten unter uns an den waffenstarrenden Gegner des antiken „demokratischen“ Athens erinnern: an Sparta.
Genau diesen Namen haben die ProjektiererInnen aus Kiel ihrem Vorschlag als Kürzel verpasst: SPARTA! Diese sehr wohl bewusste (nichtsdestotrotz „bildungsbeflissene“) Abkürzung steht für
„Strategic Protection and Advanced Resilience Technology Alliance“.
Auf Deutsch in etwa: Bündnis für strategischen Schutz und hypermoderne Widerstandstechnologie. Es geht bei diesem Aufrüstungsvorschlag aus Kiel um nicht mehr und nicht weniger als auch um einen möglichen Angriffskrieg des sogenannten Europa auf Russland (dem ja abgesprochen wird zu Europa zu gehören), letztlich unter deutscher Führung! Merzens Zielsetzung, unsere (?) Armee müsse die größte in unserem (?) Europa werden, lässt grüßen. Der neuen Sprachregelung zufolge, geht es natürlich nur um Verteidigungsfähigkeit und -bereitschaft.
Aber das sind nur sprachliche Beruhigungspillen, um das eigentliche Ziel der von Pistorius ausgerufenen „Kriegsertüchtigung“ ein wenig aus dem Aufregungsfokus zu nehmen.
Das Ziel bleibt bestehen: Die Bundesrepublik Deutschland soll, entgegen dem Friedensauftrag des GG für zukünftige „Weltmachthandlungen und -träumereien“ allzeit bereit sein; spätestens ab 2029! Denn die Wahnsinnspolitik unserer derzeit Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft hat Methode!
Dieser müssen wir um unser aller Existenz Willen mit allerhöchster Vehemenz unseren eindeutigen Friedenswillen entgegen setzen! Lassen wir uns darin nicht beirren. Wir brauchen kein kriegerisch-martialisches SPARTA als Leitlinie für unser Land. Was wir brauchen, ist friedensorientierte Völkerverständigung und entsprechend gute Nachbarschaftsbeziehungen.
Nicht den „Dolch im Gewande“!
PS: Wer nun glaubt, meine obigen Ausführungen seien purer Alarmismus, dem empfehle ich folgende 3 Infos zur Lektüre:
– Den Wikipedia-Artikel zum „Kiel Institut für Weltwirtschaft“
– Die auf der Website des Instituts veröffentlichten Texte unter dem Titel: SPARTA2.0
– Den leider immer wieder in Vergessenheit geratenden Ausspruch Bertolt Brechts zu dem „Großen Karthago“; er beginnt mit den Worten: „Das Große Karthago…“
* Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.