4.000 junge Lehrkräfte stehen am Beginn der Ferien ohne Geld da
Bericht: GEW Baden-Württemberg
Die GEW fordert von der Landesregierung, die unwürdige und bundesweit einmalige Sommerferienarbeitslosigkeit von Referendar*innen mit dem nächsten Haushalt zu beenden. Kostenpunkt: etwa ein Tausendstel des Kultushaushalts.
Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet, dass der „baden-württembergische Sommerferien-Skandal“ am 29. Juli 2027 beendet ist.
„Die Landesregierung steht im Wort, dass sie die unwürdige und bundesweit einmalige Sommerferienarbeitslosigkeit von 4.000 Referendar*innen mit dem nächsten Haushalt beendet. Die Kultusminister*innenkonferenz rechnet in den nächsten Jahren mit einem Lehrkräftemangel von 25.000 Personen. Ich werbe gerne für unser schönes Land Baden-Württemberg und den schönsten Job der Welt – Lehrkraft. Angesichts dieser Bedingungen kann ich aber jede Person verstehen, die von Ulm nach Neu-Ulm wechselt, weil auf der anderen Seite der Donau die Sommerferien bezahlt werden. Wenn 20 Jahre lang über tausend Lehrer*innen-Stellen vergessen wurden, muss Geld genug für die Bezahlung der Sommerferien vorhanden sein“, sagte Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, bei einer Protestaktion vor dem Stuttgarter Landtag.
Am ersten Ferientag haben heute betroffene Referendar*innen zusammen mit der GEW mit einer symbolischen Aktion vor dem Landtag auf diese Praxis aufmerksam gemacht. Die GEW hat Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und CDU gebeten, einen fiktiven „Transfervertrag“ nach dem Vorbild eines Fußballtransfers zu unterzeichnen und mit einem Trikot zu posieren, auf dem die Forderung „Sommerferien bezahlen“ steht.
Benjamin Bauer, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, und Andreas Renner (CDU), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag, haben eine verbindliche Zusage für 2027 verweigert – aber versprochen, für das Thema innerhalb der Landesregierung zu werben. Katrin Steinhülb-Joos von der SPD hat der GEW ihre Unterstützung zugesagt und die Regierungsparteien dafür kritisiert, dass im Koalitionsvertrag lediglich von einem Prüfauftrag die Rede sei.
Baden-Württemberg ist mit gut 4.000 Betroffenen bundesweiter Spitzenreiter mit dieser Praxis. Zwar gibt es die Sommerferienarbeitslosigkeit auch in einigen anderen Bundesländern, dort ist aber die Zahl der Betroffenen deutlich geringer. Im Nachbarland Bayern dauert der Vorbereitungsdienst für Lehrkräfte 24 Monate, die Sommerferien gehören dazu. Die Mehrheit der Referendar*innen in Baden-Württemberg wird zum neuen Schuljahr eingestellt. Bis dahin stehen sie sechs Wochen ohne Geld da und haben nicht einmal die Erlaubnis, ihre neue Schule zu betreten, um gemeinsam mit den anderen Lehrkräften das Schuljahr vorzubereiten. Die Bildungsgewerkschaft schätzt, dass die Bezahlung der Sommerferien etwa 11,5 Millionen Euro kosten würde. Das sei etwa ein Tausendstel des Kultushaushalts. Für die 1.440 „vergessenen“ Lehrerstellen dürften jährlich etwa 125 Millionen Euro eingespart worden sein.
„Ich kenne Arbeitgeber, die ihren Auszubildenden am ersten Tag nach ihrer Ausbildung einen Dienstwagen zur Verfügung stellen. Ich kenne Arbeitgeber, die ihren dual Studierenden bereits lange vor Ende ihres Studiums eine gut bezahlte feste Stelle, Qualifizierungsangebote und Aufstiegsmöglichkeiten anbieten. Ich kenne nur einen Arbeitgeber in Baden-Württemberg, der nach etwa sieben Jahren Studium und Ausbildung sein gut qualifiziertes Personal in die Arbeitslosigkeit schickt. Die grün-schwarze Landesregierung zeigt sich mit diesem unwürdigen Verhalten erneut als Arbeitgeber, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat“, sagte Stein.
Matthias Schneider
www.gew-bw.de