GEW: „Wir nehmen den Bundeskanzler beim Wort“
Bildungsgewerkschaft GEW fordert nach OECD-Bericht und Merz-Rede Ausbildungsoffensive und Bildungsinvestitionen
Bericht: GEW
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert angesichts des OECD-Bildungsbericht „Bildung auf einen Blick 2026″ und der Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Deutschen Schulpreis Taten und eine ausreichende Bildungsfinanzierung statt schöner Worte.
„Der Bundeskanzler hat festgestellt, dass Lehrerinnen und Lehrer die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes sind. Das freut uns natürlich,“ so GEW-Vorsitzende Maike Finnern. „Wenn wir auf der anderen Seite aber heute in den Ergebnissen der OECD-Studie sehen, dass fast jede fünfte Lehrkraft an öffentlichen Schulen nicht grundständig für ihren Beruf ausgebildet ist, dann passt das nicht zusammen“. Laut dem Bericht gibt es in Deutschland mit 18,6 Prozent doppelt so viele Quer- und Seiteneinsteiger wie im OECD-Durchschnitt von 9 Prozent.
Wie die dpa meldet, sagte Merz in seiner Rede bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises über Lehrkräfte „Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder.“ Für die Bundesregierung und ihn als Bundeskanzler sei es „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Kinder, Jugendliche, junge Menschen in diesem Land eine gute Ausbildung bekommen und vorbereitet werden für den Weg ihres Lebens“.
„Wir nehmen den Bundeskanzler beim Wort und erwarten wir von ihm und den Ländern jetzt eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive sowie deutliche Investitionen in die Bildungsqualität“, erklärt die GEW-Vorsitzende. In Deutschland liege der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt mit 4,4 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 4,7 Prozent. „In einem so reichen Land ist das beschämend.“ Die wichtigste Berufsgruppe des Landes verdiene gute und gesunde Arbeitsbedingungen, Kinder und Jugendliche hochwertige Bildung und Chancengleichheit. „Stattdessen bekommen sie heiße Luft und Kürzungen in allen Bereichen.“
Über die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte existiert in Deutschland kein internationaler Vergleich, weil die Kultusministerkonferenz die Teilnahme an der OECD-Lehrkräftebefragung Teaching and Learning International Survey (TALIS) seit 2006 verweigert. „Immerhin, nach dem kürzlichen PISA-Schock und den niederschmetternden OECD-Ergebnissen heute, fordert Bundesbildungsministerin Karin Prien die Länder auf, endlich bei TALIS mitzumachen. Das muss jetzt kommen“, fordert Finnern.
29.9.2026
Paul Eschenhagen
GEW-Hauptvorstand
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