Imagologie: Ein altes Phänomen mit Aktualitätscharakter
Dazu anbei ein kleiner Essay.
von Jürgen Scherer
Verwendet hat diesen Begriff u.a. Milan Kundera in seinem lesenswerten Roman „Die Unsterblichen“ aus dem Jahr 1990. Er beschäftigt sich in seinem Buch mit der Frage, weshalb Menschen gerne unsterblich sein möchten und was sie alles dafür tun. Ein Kapitel widmet er auch dem Begriff Imagologie.
Ein einprägsames Beispiel dazu schildert er am Beispiel der Bettina von Arnim, die dem auch im Alter weiblichen Avancen nicht abgeneigten Goethe so lange, oft ungefragt, auf dem Schoß herumhopste, bis der alte Charmeur wirklich schwach wurde und der eher nervigen Bettina an den nackten Busen griff. Sie hatte ihn da, wo sie ihn mit unermüdlicher Hartnäckigkeit haben wollte – am amourösen Schlafittchen. Und konnte fortan damit prahlen, herumwispern, angeben, heimlich tun, der Geheimrat Goethe habe was mit ihr. … weiter
*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.