GEW Bayern: PISA-Tiefstand trifft auf Stellenmoratorium – die Mittelschulen zahlen die Rechnung

Bericht: GEW Bayern

Die heute veröffentlichte PISA-Studie 2025 weist für Deutschland die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen aus – und den stärksten je gemessenen Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg. In Bayern startet das neue Schuljahr zugleich mit rund 20.000 Schüler*innen mehr, aber ohne zusätzliche Lehrkräftestellen. Das trifft aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern vor allem die Mittelschulen.

„Die PISA-Ergebnisse sind ein Weckruf – auch für Bayern“, stellt Landesvorsitzende Martina Borgendale fest. „Die Staatsregierung kann nicht mehr individuelle Förderung verlangen und den Schulen zugleich über ein Stellenmoratorium die Grundlage dafür entziehen.“

PISA weist keine Länderergebnisse aus. Bundesweit fehlen einem Drittel der 15-Jährigen im Lesen und in Mathematik die Basiskompetenzen. Am deutlichsten wirkt die Herkunft: Hohe Kompetenzen erreichen nur 2 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien, aus privilegierten rund 25 Prozent – zehnmal so viele. Während die Herkunftsunterschiede im OECD-Schnitt zuletzt kleiner wurden, sind sie in Deutschland wieder gewachsen. Nach Angaben von Studienleiter Samuel Greiff gelingt es in mehr als 90 Prozent der teilnehmenden Staaten besser als in Deutschland, Herkunft und Bildungserfolg voneinander zu entkoppeln.

Das PISA-Team empfiehlt deshalb, Schulen mit vielen benachteiligten Kindern besser auszustatten als andere. In Bayern läuft es andersherum: Laut Einstellungsbedarfsprognose fehlen in diesem Jahr 610 Stellen, bis Ende des Jahrzehnts über 2.000 – am stärksten an den Mittelschulen. Dort stieg der Anteil der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf seit 2019/20 um 33 Prozent.

„An den Mittelschulen trifft der größte Unterstützungsbedarf auf die größte Personallücke“, kritisiert GEW-Vize Markus Weinberger. Dass das Moratorium für Lehrkräfte im kommenden Jahr fallen soll, wird das Problem nicht lösen: „Die Zahl der Studierenden im Lehramt Mittelschule ist seit 2014/15 um rund 40 Prozent eingebrochen. Stellen ohne Bewerber*innen helfen keinem Kind.“

Hinzu kommt: An den Mittelschulen hat inzwischen fast die Hälfte der Schüler*innen eine andere Erstsprache als Deutsch. PISA zeigt, dass Kinder mit Migrationsgeschichte in Deutschland deutlich schlechter abschneiden als in Staaten mit vergleichbarer Zuwanderung – unter anderem, weil dort früher und verbindlicher sprachlich gefördert wird.

Auch die Schulstruktur steht im Befund: In Deutschland machen die Unterschiede zwischen den Schulen nach Angaben der OECD mindestens die Hälfte der gesamten Leistungsunterschiede aus, in Finnland oder Island weniger als zehn Prozent. Nirgends wird die Eignung fürs Gymnasium dabei so streng geprüft wie in Bayern. Trotzdem wechselt gut ein Viertel der Kinder mit Gymnasialempfehlung nicht dorthin – nach der Auswertung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe vor allem dort, wo wenige Eltern selbst studiert haben und das nächste Gymnasium weit weg ist.

„Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch Programme, die auf dem Papier gut aussehen, sondern durch Menschen und durch Zeit“, so Borgendale. „Sprachförderung, Diagnostik, individuelle Förderung – das sind Stunden, die jemand halten muss. Wir fordern das Ende des Stellenmoratoriums, bedarfsgerechte Stellen an Mittel- und Förderschulen und kleinere Klassen. Und wir bleiben dabei: Die Aufteilung nach der vierten Klasse zementiert, was PISA seit 25 Jahren zeigt. Kinder müssen länger gemeinsam lernen können – eine Schule für alle.“

Quellen:

  • PISA 2025: Greiff, S., Diedrich, J., Kastorff, T., Goldhammer, F., Köller, O. (2026): PISA 2025. Bildung im Spannungsfeld von Innovation und Transformation. Münster: Waxmann. Pressemitteilung des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München vom 8. September 2026. Einzelbefunde zu Herkunft und Migration nach Süddeutsche Zeitung vom 8. September 2026.
  • Stellenmoratorium: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Unterrichtsversorgung/Personalplanung, Stand 26. Februar 2026.
  • Fehlende Stellen: Prognose zum Lehrereinstellungsbedarf, StMUK 2026, zitiert nach Bayerische Staatszeitung vom 6. September 2026.
  • Schülerzahlen, sonderpädagogischer Förderbedarf, Erstsprache, Lehramtsstudium: Bayerische Staatszeitung vom 6. September 2026.
  • Schulstruktur: Andreas Schleicher (OECD), „PISA 2025: Insights and Interpretations“, zitiert nach Tagesspiegel vom 8. September 2026. – Übertritte: Auswertung von Prof. Marcel Helbig, Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) Bamberg, auf Grundlage der Schriftlichen Anfrage der Abgeordneten Christian Zwanziger und Gabriele Triebel (Bündnis 90/Die Grünen), Bayerischer Landtag, Drucksache 19/3064. Empfehlungen Schuljahr 2022/23, Übertritte Schuljahr 2023/24.