Trump!

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

 von Jürgen Scherer*

Ist Trump nur ein Irrlicht im Wahnsinn dieser Welt? Manche sagen, er sei tatsächlich ein Irrlicht, ein Politclown mit spezifischem Unterhaltungswert. Sie verkennen allerdings bei dieser auf Showeffekte aufgebauten Perspektive, dass dieser Mensch als Stellvertreter handelt. Er selbst hält sich zwar manchmal für Gottes Stellvertreter auf Erden. Aber da diese Stelle schon vergeben ist, muss er sich immer wieder auf seine eigentliche Stellvertreterschaft besinnen, nämlich die des herrschenden Kapitalismusbetriebes in den USA. Und in dessen Auftrag ist er unermüdlich tätig. Teils aus eigenem Antrieb, schließlich gehört er zu den maßgeblichen Immobilienhaien seines Landes, teils im Auftrag der reichsten Techgiganten seines Landes. Gilt es doch nicht zuletzt ihnen den Boden zu bereiten für eine allumfassende Manipulationsmacht über die Menschen in den USA und letztlich weltweit – „KI“ lässt grüßen!

Damit dies gelingen kann bedarf es unbeschränkten erfolgreichen Machtgebarens und einer tragfähigen Ideologie, die die Menschen mitnimmt auf dem Weg in eine weltumspannende Glückseligkeit durch technologischen Gigantismus. Die Sache mit der Macht wird durch die amerikanische Verfassung recht gut abgedeckt. Erlaubt diese doch das ziemlich umfassende Regieren per Dekret, wodurch der jeweilige Präsident in weiten Teilen von parlamentarischen Verfahren unabhängig ist. Damit diese Unabhängigkeit allerdings auch erfolgversprechend angewendet werden kann, bedarf es der richtigen ideologischen Begleitmusik. Und hier zeigt sich Trump als der wahre Meister seines Faches. Es gelingt ihm die „Spielregeln des Raubtierkapitalismus“ nahtlos in den politischen und gesellschaftlichen Raum zu übertragen. Selten hat in unseren Zeiten ein „Weltenherrscher“ so brutal, rücksichts – und rückhaltlos die Gesellschaft, den Staat und die Welt aufgemischt wie Trump; und dies, wie es den Anschein hat, mit größtem Vergnügen.

Genau dieses Vergnügen, bei dem er sich noch als Fürsprecher der kleinen Leute ausgibt, fällt in den USA offensichtlich auf fruchtbaren Boden: Endlich ist einer da, der all den Schmarotzern in diesem Land und dieser Welt zeigt, wo der Hammer hängt; einer, der uns kleine Leute versteht; einer der ausspricht, was wir schon lange denken; einer der Schluss macht mit dem Gesocks, das an unserem Elend schuld ist. Weg mit denen! Dass dieser Trump allerdings nichts anderes macht, als das was im Kapitalbetrieb dieser Welt tagtäglich geschieht, nämlich mit dieser Methode von der eigenen Verantwortung abzulenken und die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, das nehmen sie nicht wahr, die kleinen Betrogenen. Stattdessen lassen sie sich von dem Machtrausch ihres Anführers verführen. Immerhin zeigt dieser Mann fast der ganzen Welt jeden Tag, wer der Herr und wer der Hund ist.

Und es klappt! Allenthalben wird nach seiner Pfeife getanzt und ihm so eine weitere wichtige Legitimation verschafft, die er Zuhause braucht: Retter der Welt und vor allem von „God’s own country“! Einen solchen Menschen als Irrlicht zu sehen, ist angesichts seines Auftrages, den er gar zu willig und nicht zuletzt eigennützig zu erfüllen unterwegs ist, eine fahrlässige Untertreibung: Chaos verbreiten, um dann die verwirrte Welt per ausgefeilter kapitalintensiver profitierter Technologie gnadenlos beherrschen zu können! Um es, etwas abgewandelt, mit dem alarmierenden Zynismus von Aldous Huxley zusammenzufassen: Schöne neue Zukunft…

Bild von fjdafdafafa auf Pixabay


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.