„Wer die Bildung kaputtspart, legt die Axt an die Zukunftsfähigkeit des Landes“

Bildungsgewerkschaft GEW appelliert an Politik, mehr für Kinder und Jugendlichen zu investieren

Bericht: GEW

Frankfurt am Main, 10. September 2026 – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert im Rahmen der ersten Beratungen des Bundeshaushalts 2027 im Bundestag deutlich mehr Investitionen in Bildung. Der Regierungsentwurf des Bundeshaushalts für 2027 sieht im Bildungsbereich dramatische Kürzungen vor. Während im Jahr 2026 noch 16,66 Milliarden Euro im Einzelplan 17 des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) zur Verfügung standen, sind es für 2027 mit 15,48 Milliarden Euro fast eine Milliarde Euro weniger.

„Es ist unbegreiflich, dass in der Bildung dermaßen der Rotstift angesetzt werden soll“, kritisiert GEW-Vorsitzende Maike Finnern die Kürzungen. „Die PISA-Ergebnisse dieser Woche haben gezeigt, dass Deutschland dringend mehr für Kinder und Jugendliche tun muss. Mehr Geld für junge Menschen, Familien und Bildungseinrichtungen ist eine direkte Investition in Bildungschancen und Demokratie – und damit in die Zukunft von Deutschland. Daran zu sparen ist das falsche Signal.“ Die PISA-Studie 2025 hatte unter anderem ergeben, dass der Bildungserfolg in Deutschland nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig ist. „Deutschland ist beim Thema Chancengleichheit unter den PISA-Schlusslichtern. Die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker der letzten 25 Jahre müssten sich dafür in Grund und Boden schämen“, macht die GEW-Vorsitzende deutlich. „Stattdessen kürzt die Ministerin im Haushaltsentwurf massiv, gerade das, was Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien helfen könnte.“

In Zeiten, in denen Rechtsextreme in Deutschland wieder Wahlen gewinnen, werden Demokratiearbeit und Extremismusprävention zusammengestrichen, die wichtige Arbeit des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ erfährt damit eine Zäsur. Dabei müssten Bildung und Demokratieförderung aus Sicht der GEW jetzt unbedingt oberste Priorität haben. „Wenig immunisiert so nachhaltig gegen extremistische Einflüsse, wie eine gute Bildung und aussichtsreiche Zukunftsperspektiven. Das sichert gleichzeitig den persönlichen als auch den gesellschaftlichen Wohlstand“, so Finnern.

Auf dem Ausbildungsmarkt stehen rund 2,7 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss da. Um ihnen eine Perspektive zu geben, braucht es deutlich mehr Ressourcen. Zudem sind ein Aktionsprogramm für mehr Ausbildungsplätze und eine Ausweitung der Ausbildungsgarantie notwendig, um junge Menschen zu erreichen, die sonst dem Ausbildungsmarkt verloren gehen.

Einen großen Teil der Kürzungen des BMBFSFJ machen die Einschnitte beim Unterhaltsvorschuss aus: von 1,31 Milliarden Euro in 2026 auf 914 Millionen in 2027. „Damit wird einmal mehr bei den Schwächsten am meisten gespart. Dieses fehlende Geld nimmt vielen Alleinerziehenden, in der Regel Frauen, noch mehr finanzielle Sicherheit“, erklärt Maike Finnern. „Um irgendwie über die Runden zu kommen, müssen sie dann wiederum Einschnitte in Bildung und Teilhabe bei ihren Kindern machen. “

Auch für das bildungspolitisch wichtige Investitionsprogramm „Kindertagesbetreuung“ stehen nur noch rund 433,8 Millionen Euro bereit. Im Vorjahr waren es noch 940 Millionen Euro. „Mit dem vom Bundeskabinett beschlossenen Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) wird der Fokus auf die Bewertung von Kindern im Kita-Alter gelegt, statt auf die strukturelle Qualität. Gleichzeitig erfolgen nun Kürzungen in der frühkindlichen Bildung. Das kann nur zu Lasten der Bildungsqualität und der Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen gehen. Wir fordern das Parlament auf, gerade bei den Kleinsten nachzusteuern“, so die GEW-Vorsitzende.

Beim BAföG bleibt die Haushaltsplanung trotz marginaler Erhöhungen weit hinter den notwendigen Mehraufwendungen zurück. Die geplante BAföG-Steigerung steht in keinem Verhältnis zu den Bedarfen der Studierenden heute. Die Wohnkostenpauschale soll erst zum Sommersemester 2027 von monatlich 380 Euro auf 440 Euro steigen. Die BAföG-Bedarfssätze sollen in zwei Schritten zum Wintersemester 2027/2028 und Sommersemester 2029 auf das Niveau der Grundsicherung angehoben werden. Dabei bleibt die geplante jährliche Anpassung der Freibeträge um 1,5 Prozent deutlich hinter der durchschnittlichen Inflationsrate der letzten Jahre zurück. „Statt dieser eigentlich bereits dieses Wintersemester zugesagten Steigerungen der Bedarfssätze in den kommende drei Jahren fordern wir sofort eine grundlegende Reform des BAföGs“, kommentiert Finnern. „Was die Regierung hier macht, ist ein Sozialabbau bei Studierenden. So wird das nichts mit mehr der Chancengleichheit in der Bildung.“

Die Bundesregierung hat weniger Geld zu verteilen. Ihr Umgang damit ist Kürzen, vor allem bei der Bildung und beim Sozialstaat. „Das ist aus unserer Sicht der falsche Weg“, führte die GEW-Vorsitzende aus. „Daher rufen wir die Politik auf, die Einnahmenseite durch eine andere Steuerpolitik massiv zu verbessern. Denn wer die Bildung kaputtspart, legt die Axt an die Zukunftsfähigkeit des Landes und schwächt die Demokratie!“


10.9.2026
Paul Eschenhagen
GEW-Hauptvorstand
www.gew.de