„Ein Hoffnungsschimmer für Verbesserungen an den Schulen“

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert, angesichts sinkender Schülerzahlen Qualitätsverbesserungen umzusetzen

Bericht: GEW

27.8.2026, Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat am heutigen Donnerstag ihre Studie „Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot ohne und mit Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung 2026 bis 2040“ vorgestellt. Die Untersuchung von Dr. Kai Eicker-Wolf und Dr. Ansgar Klinger prognostiziert, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den nächsten Jahren noch leicht auf 11,4 Millionen steigt und ab 2028 kontinuierlich auf 10,2 Millionen im Jahr 2040 sinkt.

Damit könnte sich auch der aktuell massive Mangel an Lehrerinnen und Lehrern zumindest teilweise abmildern. „Beispielsweise an Grundschulen sehen wir für die Zukunft eine mögliche Entspannung“, so Studienautor Kai Eicker-Wolf. Es zeige sich aber auch, dass selbst mit weniger Schülerinnen und Schülern einzelne Schulformen weiter unter Personalmangel leiden werden, ergänzt Ansgar Klinger, der zweite Autor. „Gerade an den berufsbildenden Schulen, im sonderpädagogischen Bereich und an den Schulen der Sekundarstufe I, außer an den Gymnasien, werden weiterhin viele Lehrerinnen und Lehrer fehlen.“ Weiterlesen

„Ganztag ohne halbe Sachen: Rechtsanspruch braucht Qualitätsgarantie“

Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt den am 1. August beginnenden Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Grundschulkinder als wichtigen bildungs-, sozial- und gleichstellungspolitischen Schritt. Gleichzeitig mahnt die Bildungsgewerkschaft Bund, Länder und Kommunen, den Anspruch mit verbindlicher Qualität, qualifizierten Fachkräften und einer dauerhaft gesicherten Finanzierung zu unterlegen.

„Das ist ein Meilenstein für Kinder und Familien. Aber ein Rechtsanspruch allein ist noch kein Qualitätsversprechen“, betont Doreen Siebernik, stellvertretende Vorsitzende der GEW. „Kinder dürfen im Ganztag nicht lediglich untergebracht und Beschäftigte nicht dauerhaft überlastet werden. Ganztag muss ein inklusiver und kindgerechter Lern- und Lebensort sein. Dafür braucht es qualifizierte Lehr- und Fachkräfte, gute Arbeitsbedingungen, geeignete Räume und klare Verantwortung. Ganztag gibt es nur ohne halbe Sachen.“

Der Rechtsanspruch gilt zunächst für Kinder der ersten Klassenstufe und wird schrittweise ausgeweitet. Die GEW sieht darin eine große Chance, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern zu stärken, Familien zu unterstützen und soziale Ungleichheit abzubauen. Ob dieses Versprechen eingelöst wird, darf jedoch nicht vom Wohnort, vom Einkommen der Eltern oder von den finanziellen Möglichkeiten einer Kommune abhängen. „Für uns ist entscheidend, dass bei den Kommunen und Einrichtungen eine dauerhaft gesicherte Finanzierung ankommt. Investitionen in Gebäude und Ausstattung allein reichen nicht“, führt Siebernik aus. Es brauche verlässliche Mittel für Personal, Leitung, Kooperation, Fortbildung und pädagogische Arbeit. Regionen mit hoher Kinderarmut und besonderem Unterstützungsbedarf müssten gezielt zusätzliche Ressourcen erhalten.

„Der Anspruch startet unter höchst unterschiedlichen Bedingungen. Während einige Länder und Kommunen auf langjährig gewachsene Strukturen zurückgreifen können, fehlen andernorts Plätze, Fachkräfte und geeignete Räume“, erklärt Siebernik. „Diese Unterschiede dürfen nicht zu einem Lotteriespiel nach Postleitzahlen führen. Bund und Länder müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und überall verlässliche Bedingungen schaffen. Sie müssen investieren anstatt zu improvisieren!“

Die stellvertretende GEW-Vorsitzende warnt davor, dass aufgrund mangelnder Platzkapazitäten zunächst die anspruchsberechtigten Kinder der ersten Klassen versorgt werden könnten, während ältere Grundschulkinder trotz eines bestehenden Betreuungsbedarfs ihren bisherigen Platz verlieren oder kein Angebot erhalten. „Ganztag darf kein Privileg sein“, fordert Siebernik. „Alle Kinder müssen unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern teilnehmen können. Dazu gehören barrierefreie Angebote, transparente Aufnahmeverfahren und ein gesundes, kostenfreies Mittagessen. Kinder, Eltern und Beschäftigte müssen außerdem an der Gestaltung des Ganztags beteiligt werden. Beteiligung verbessert die Qualität und macht demokratische Bildung im Alltag erfahrbar.“

Die GEW erwartet, dass die ersten 100 Tage des Rechtsanspruchs für eine transparente Bestandsaufnahme und verbindliche Nachsteuerung genutzt werden. Bund, Länder und Kommunen müssen offenlegen, wo Plätze, Personal, Räume und verlässliche Ferienangebote fehlen. Dabei müssen auch Zugangsbarrieren, regionale Unterschiede und die Beschäftigungsbedingungen im Ganztag erfasst werden. Auf dieser Grundlage sollte ein verbindlicher Zeitplan für bundesweite Qualitätsstandards vereinbart werden. „Die ersten 100 Tage werden zeigen, ob die politisch Verantwortlichen Probleme lediglich verwalten oder entschlossen nachsteuern“, so Siebernik. „Wir erwarten eine ehrliche Datenbasis, verbindliche Qualitätsvereinbarungen und konkrete Zusagen für Personal und Finanzierung. Der Rechtsanspruch muss zu einem Qualitätsanspruch werden. Daran wird die GEW Bund, Länder und Kommunen messen.“


30.7.2026
Paul Eschenhagen
GEW-Hauptvorstand
www.gew.de

 

Dreimal mangelhaft – Schüler*innen stellen der Bildungspolitik ein Zeugnis aus

Bericht: GEW Bayern

Seit heute, 10 Uhr, protestiert die „Bayerische Schüler*innenbewegung“ 24 Stunden lang vor dem Kultusministerium in München. Zum Zeugnistag am morgigen Freitag, an dem rund 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler ihre Jahreszeugnisse erhalten, stellt sie der bayerischen Bildungspolitik ein eigenes Zeugnis aus – mit dreimal „mangelhaft“. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern unterstützt die Aktion und ihre Forderungen. Weiterlesen

„Weg mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz!“

Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert Kabinettsentscheidung zur Reform des Befristungsrechts

Bericht: GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den für heute erwarteten Beschluss des Bundeskabinetts zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) kritisiert. „Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten – das Hire-and-Fire-Prinzip feiert an Hochschulen und Forschungseinrichtungen fröhliche Urständ. Mit dem 2007 in Kraft getreten WissZeitVG verfügen die Arbeitgeber über ein Instrument, mit dem sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler praktisch grenzenlos heuern und feuern können. Statt weiter an dem Gesetz herumzudoktern, sollten Regierung und Parlament jetzt reinen Tisch machen, das Arbeitsrecht in der Wissenschaft normalisieren und das Gesetz abschaffen“, fordert Andreas Keller, Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung der GEW. Weiterlesen

„Armutszeugnis für soziale Teilhabe von Kindern und Jugendliche

Bildungsgewerkschaft GEW fordert deutliche Verbesserungen beim Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung

Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) soll seit 2011 die Bildungschancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher erhöhen. Nach neuesten Zahlen des Projekts „Aufwachsen in Wohlbefinden“ der Bertelsmann Stiftung erreicht das BuT viele Anspruchsberechtigte aber nicht ausreichend. Laut den Volkswirtinnen Antje Funcke und Sarah Menne ist vor allem der Teilhabebetrag für soziale und kulturelle Aktivitäten problematisch. Bundesweit erhalten ihn nur etwa 18 Prozent der 6- bis unter 15-Jährigen sowie 12 Prozent der 15- bis unter 18-Jährigen im Rechtskreis des SGB II. Weiterlesen

GEW: „Koalition bricht BAföG-Versprechen“

Bildungsgewerkschaft kritisiert Verschiebung der BAföG-Novelle auf 2027

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Entscheidung von Union und SPD, die bereits zugesagte Erhöhung der BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro um ein halbes Jahr zu verschieben, scharf kritisiert. Statt wie versprochen zum Wintersemester 2026/27 soll die Anhebung erst zum Sommersemester 2027 erfolgen. „Die Koalition bricht ihr Versprechen gegenüber hunderttausenden Studierenden, Schülerinnen und Schülern. Wer monatelang eine Verbesserung ankündigt und sie dann kurz vor Semesterbeginn verschiebt, verspielt Vertrauen und verschärft die soziale Not der jungen Menschen“, sagt Andreas Keller, GEW-Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung.

„Die Wohnkostenpauschale im BAföG beträgt derzeit 380 Euro. Angesichts explodierender Mieten reicht dieser Betrag vielerorts nicht einmal annähernd aus, um ein WG-Zimmer zu finanzieren, das nach einer Erhebung des Moses Mendelssohn Instituts im Durchschnitt 512 Euro kostet. Gerade Studienanfängerinnen und Studienanfänger stehen zum Wintersemester vor hohen finanziellen Belastungen. Die Mieten steigen nicht erst im nächsten Sommersemester. Wer heute eine Wohnung sucht, braucht auch heute Unterstützung – und nicht erst im kommenden Jahr“, betont Keller.

Er erinnert daran, dass CDU, CSU und SPD die BAföG-Reform in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich für das kommende Wintersemester angekündigt hatten. „Das BAföG scheint nun dem allgemeinen Sozialabbau zum Opfer zu fallen. Doch wer bei der Ausbildungsförderung spart, spart an den Zukunftschancen einer ganzen Generation und damit an den Fachkräften von morgen. Das ist sozial ungerecht und bildungspolitisch kurzsichtig. Die Bundesregierung muss daher unverzüglich einen Gesetzentwurf für eine BAföG-Reform mit Wirkung ab Wintersemester 2026/27 vorlegen“, mahnt Keller. Neben der Erhöhung der Wohnkostenpauschale gehe es dabei um eine deutliche Erhöhung der Elternfreibeträge sowie eine rasche Anhebung der Bedarfssätze mindestens auf das Niveau der Grundsicherung – und zwar nicht erst wie geplant bis 2029, sondern sofort. „Es darf kein BAföG unterhalb der Armutsgrenze geben“, so Keller abschließend.

Info:
Die GEW wirbt weiter für die Petition „Versprochen ist versprochen – BAföG jetzt retten“, die die GEW gemeinsam mit DGB, ver.di, fzs und DSW gestartet hat und bereits von knapp 50.000 Personen unterstützt wird.


9.7.2026
Paul Eschenhagen
GEW-Hauptvorstand
www.gew.de

 

„Statt Beschäftigte zu schützen, werden Arbeitsverhältnisse instabiler und Misstrauen geschürt“

Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert Ergebnisse des Koalitionsausschusses

Frankfurt am Main – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bewertet das Ergebnispapier „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ des gestrigen Koalitionsausschusses überwiegend kritisch. Zwar enthält das Paket einzelne positive Ansätze, doch die Verschlechterungen zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überwiegen deutlich.

„Wir sehen den Willen zu Reformen, aber die Koalition setzt die falschen Prioritäten. Statt Beschäftigte zu schützen, werden Arbeitsverhältnisse instabiler und Misstrauen geschürt. Das ist kein Programm für Aufschwung, sondern für den Abbau von Arbeitnehmerrechten. Eine Investition in die Zukunft sieht anders aus,“ erklärt Doreen Siebernik, stellvertretende Vorsitzende der GEW.

Als besonders heikel bewertet die GEW die geplante Ausweitung der sachgrundlosen Befristung. Bis Ende 2030 soll diese für neu eingestellte Arbeitnehmer auf bis zu 48 Monate und sechs Verlängerungen ausgedehnt werden. Gleichzeitig soll die Pflicht zur Schriftform bei Befristungen entfallen. „Das hebelt den bisherigen Schutz aus und öffnet Kettenbefristung Tür und Tor. Aus unserer Sicht ist das nicht akzeptabel und belastet vor allem junge Menschen und Berufseinsteiger mit zusätzlicher Unsicherheit. Gerade in Hochschule und Forschung sind Zeitverträge schon jetzt ein großes Übel“, so Siebernik. Weiterlesen

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