07. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 9: Sozialdarwinismus versus Solidarität · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , , ,

Tagebuch

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 9

Sozialdarwinismus versus Solidarität

Die zweite Woche unterm Ausnahmezustand beginnt. Ich gehe an der Lahn spazieren. Es ist sonnig, aber es geht ein eiskalter Wind. Deswegen sind nicht viele Leute unterwegs. Ein Jogger keucht vorüber. Zwei Spaziergänger weichen vor ihm zurück. Als wäre er der Leibhaftige. Auf einer Wiese steht regungslos ein Reiher. Über ihm kreist der erste Milan der Saison und hat vielleicht ein Auge auf dasselbe Beutetier geworfen. Seine Schreie sind weithin vernehmbar. Wie die radioaktive Wolke, die nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl und Richtung Westeuropa trieb, ist die gegenwärtige Bedrohung durch das Virus unsichtbar. Das gibt der ganzen Szenerie etwas Irreales, Gespenstisches. Immer mehr Leute tragen Atemschutz-Masken. … weiter

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06. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Need money, not friends · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , ,

Ein Kommentar von Detlef Träbert

Kürzlich kreuzte in einem Supermarkt ein vielleicht zehnjähriger Junge meinen Weg. Er trug ein Sweatshirt mit der großen und weithin sichtbaren Aufschrift „NEED MONEY, NOT FRIENDS“. Ziemlich fassungslos trug ich dieses Bild in meinem Kopf nach Hause.

Ein paar Internet-Recherchen zeigten mir, dass der Slogan weit verbreitet ist und aus dem Rap stammt, aber auch eine offensichtlich sehr erfolgreiche Geschäftsidee geworden ist. Es gibt nicht nur diverse T- und Sweatshirt-Versionen damit, sondern auch Baseball-Kappen, Handyhüllen, Kaffeebecher, Kochschürzen, Sofakissen, Bauchtaschen oder Aufkleber, um alle möglichen weiteren Alltagsgegenstände damit zu infizieren – sorry, zu dekorieren natürlich. … weiter


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06. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 8: Das Leben ändern? · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , ,

Tagebuch

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 8

Das Leben ändern?

Das Versammlungsverbot trifft die jungen Migranten und Geflüchteten besonders hart. Sie haben meist keine Familie und leben außerhalb ihrer Unterkünfte in Stämmen zusammen, die sich auf Straßen und Plätzen versammeln. Dennoch werden auch sie sich für eine Weile an die Regeln halten müssen. Es soll in der Lahnaue in den letzten Tagen gelegentlich zu Konflikten mit der Polizei gekommen sein. Aber noch hält sich alles in Grenzen.

Insgesamt fällt eine gewisse Vorsicht auf, mit der die Menschen sich begegnen oder besser nicht begegnen. Manchmal sieht man Leute, die freudig aufeinander zugehen und dann im letzten Moment zurückzucken und die gewohnte Umarmung vermeiden. Das führt mitunter zu grotesken Szenen, die mir wie eine Pantomime der Pandemie vorkommen. Wer, wie ich, in den letzten Tagen vom Heuschnupfen geplagt wird und ab und zu mal niesen muss, wird strafend angeschaut. Manche Mitbürger scheinen zu überlegen, ob man das nicht irgendwo melden sollte. … weiter

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05. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 7: Primat der Politik und die Chance eines wirklichen Neustarts · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , , , , ,

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 7

Primat der Politik und die Chance eines wirklichen Neustarts

Es deutet sich in diesen Tagen ein sich zuspitzender Konflikt zwischen ökonomischer und medizinischer Vernunft an. Wobei das ja in „normalen Zeiten“ nicht unbedingt ein Widerspruch ist. Die medizinische Vernunft hat sich unterm Regime des Neoliberalismus dem Diktat der Ökonomie unterworfen, der Geschäftsführer rangiert über dem Chefarzt, Ärzte sind eher „Erwerbsmänner als Krankenfreunde“, wie es schon Platon kommen sah.

Wohlverstandene medizinische Vernunft hätte bedingungslos für die Interessen der Kranken einzutreten und alles so einzurichten, dass sie, wenn möglich, genesen können und vor Krankheit geschützt werden. Die ökonomische Vernunft oder besser: Unvernunft verlangt im Namen des Geschäfts und der Profite nach einer baldigen Exit-Strategie und der Rückkehr zur Wachstumslogik, die medizinische Vernunft rät zu Geduld und zur Verlängerung des Ausnahmezustands. Die Gesundheit der Menschen müsse Vorrang vor den Geschäftsinteressen haben. Das Wiederhochfahren des wirtschaftlichen Sektors nach dem, was man Shut Down nennt, böte die Möglichkeit, das ganze ökonomische System einer anderen Logik zu unterstellen. … weiter

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05. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Corona und Kinderbetreuung: Türen auch für Alleinerziehende öffnen · Kategorien: Bildung und Soziales, Meinungen und Kommentare · Tags: , ,

Notfallbetreuung zulassen. Bentele: „Zeigen wir uns solidarisch mit Single-Eltern“

Statement: Sozialverband VdK

Viele Alleinerziehende stehen in der Corona-Krise vor einem Problem: Sie müssen arbeiten, dürfen ihre Kinder aber nicht in die Kita bringen. Auch Kinder, die bei getrennt lebenden Eltern aufwachsen, müssen zu Hause betreut werden. Der Sozialverband VdK Deutschland appelliert an die Politik, mehr Notfallbetreuung in den Kitas zuzulassen. Die VdK-Präsidentin Verena Bentele dazu: Weiterlesen »

04. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 6: Zum Verhältnis von innerer und äußerer Polizei · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , ,

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 6

Zum Verhältnis von innerer und äußerer Polizei

Ein Drogeriemarkt auf dem Seltersweg versucht, den Zustrom der Kunden zu begrenzen und zu regulieren, indem man nur eine gewisse Anzahl von Einkaufswagen im Eingangsbereich bereitstellt und jeden Kunden auffordert, einen zu benutzen. Die anderen müssen vor der Tür warten, bis eine Kundin oder ein Kunde den Markt verlässt und eine Mitarbeiterin den entleerten Wagen desinfiziert und hinter der Eingangstür abstellt hat.

Da ich dringend eine Tafel dunkle Schokolade kaufen musste, die ich während des Schreibens benötige, wartete ich also brav auf einen freien Wagen, den ich dann durch beinahe leere Gänge zum Schokoladenregal schob. Ich legte eine Tafel schwarze Schokolade auf die Ladefläche des Wagens und schob ihn Richtung Kasse. Auch die hinter einer Plexiglaswand sitzende Kassiererin musste lachen, als sie die Tafel Schokolade sah, die sich im Einkaufswagen verlor. … weiter

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04. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 5: Zaungäste des Fortschritts oder: Meine Quarantäne · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , ,

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 5

Zaungäste des Fortschritts oder: Meine Quarantäne

In gewisser Weise habe ich gut reden. Im Grunde hat sich für mich durch die Corona-Regeln nichts oder nicht viel geändert. Ich lebe seit ewigen Zeiten in einer selbst auferlegten, freiwilligen Quarantäne – als Eremit, umgeben von Bücherregalen. Lesen und Schreiben, meine Haupttätigkeiten, kann man nur in ruhiger Abgeschiedenheit betreiben. Zwischendurch gehe ich in der Stadt und ihrer Umgebung umher und sammle Eindrücke, von denen ich schreibend und denkend zehre.

Seitdem ich begriffen habe, dass Theoriebildung nicht nur in Bibliotheken und an Schreibtischen stattfindet, sondern auch auf der Straße, treibe ich mich viel herum – mit offenen Augen und Ohren. Die Stadt ist meine ständige Empirie, Ethnologie des Inlands meine Lieblingsdisziplin. Linke Theoriebildung krankt seit eh und je daran, dass es ihr nur ungenügend oder gar nicht gelingt, ihre Begriffe nach unten, zu den Erfahrungen der Menschen und ihrem Alltagsleben hin zu öffnen…. weiter

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03. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Offener Brief der GEW Bayern zum Schutz älterer Lehrkräfte · Kategorien: Arbeitsplatz, Meinungen und Kommentare

Die GEW Bayern hat am 3.4.2020 einen offenen Brief an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, z.H. von Herrn Staatsminister Prof. Dr. Michael Piazolo geschickt:

Offener Brief

Fürsorgepflicht und Gesundheitsschutz in Zeiten von Corona: Rücknahme von Teilen des „Piazolo-Pakets“ für ältere Kolleg*innen

Sehr geehrter Herr Minister,

im Zuge der Corona-Pandemie leisten Lehrerinnen und Lehrer im Freistaat Besonderes. In der Unterrichtsvorbereitung, beim Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien auf den unterschiedlichsten Wegen, in der Notfallbetreuung in den Schulen oder in der Bereitschaft, in anderen Einrichtungen (Stichwort Gesundheitsämter) zu helfen. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich schnell und zuverlässig auf die neue Situation eingestellt.

Wir freuen uns ausdrücklich, dass besondere Risikogruppen von unterschiedlichen Maßnahmen ausgenommen sind. So werden, wenn möglich Lehrkräfte mit betreuungsbedürftigen Kindern von der Notbetreuung ebenso ausgenommen wie schwangere Kolleg*innen oder Lehrkräfte über 60 Jahren. Dass gerade auch ältere Kolleg*innen zur Risikogruppe gehören, bestätigt das Robert-Koch – Institut:

„Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken (Immunseneszenz).“

Als wirksame Schutzmaßnahme von Risikogruppen schreibt ebenfalls das Robert-Koch-Institut:

„Besonders wichtig ist die größtmögliche Minderung des Risikos einer Infektion, zum Beispiel durch allgemeine Verhaltensregeln (Hände waschen, Abstand halten zu Erkrankten) und weitere Maßnahmen der Kontaktreduktion.“

Es ist davon auszugehen, dass der Coronavirus sich nach Öffnung der Schulen weiter verbreiten wird. Auch wenn aktuell noch unklar ist, wann und in welcher Form der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird, müssen die genannten Risikogruppen auch über dieses Schuljahr hinaus unter einen besonderen Schutz gestellt werden. Allein aufgrund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und der Verantwortung für den Gesundheitsschutz ist dies ein dringendes Gebot.

In Zusammenhang mit den geplanten Änderungen an Grund-, Mittel- und Förderschulen zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung, auch als sog. Piazolo-Paket bekannt, müssen aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) daher mindestents zwei Maßnahmen umgehend zurückgenommen bzw. geändert werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert:

1. Rücknahme der Maßnahme „Ruhestandsversetzung auf Antrag mit 65“

  • Die Ruhestandsversetzung auf Antrag mit 64 muss wieder möglich sein. Die Kolleg*innen, die das betrifft, können für dieses Schuljahr bis Pfingsten den Antrag noch stellen.

2. Alle Kolleg*innen über 57 Jahren können arbeitsmarktpolitische Teilzeit beantragen.

  • Die Kolleg*innen mit 57 Jahren erhalten die Möglichkeit arbeitsmarktpolitische Teilzeit zu beantragen und daher ihr Stundenmaß zu reduzieren. Dies mindert die Präsenz in den Schulen und damit die Ansteckungsgefahr.

Gerade in diesen Zeiten hat der Schutz besonders vulnerabler Gruppen die allerhöchste Priorität. Wir gehen davon aus, dass Sie das ähnlich sehen, und freuen uns, wenn die angedachten Maßnahmen zurückgenommen werden. Entsprechende Vorschläge zur Sicherung der Unterrichtsversorgung haben wir bereits mehrfach vorgestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Salzbrunn
Landesvorsitzender

gez. Ruth Brenner
Fachgruppe Grund- und Mittelschule

gez. Johannes Schiller
Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe


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