Puzzeln für die Elite?

Eine Kolumne zur Lage

von Jürgen Scherer*

Die „kennen“ sich auf irgendeine Art und Weise alle, die Eliten in unserem Land. Gerade erst ist im „Berliner Journal für Soziologie“ eine neue Studie des Elitenforschers Michael Hartmann erschienen („Mehr Kontinuität als Wandel – Die deutschen Eliten vom Kaiserreich bis heute“), aus der ziemlich deutlich hervorgeht, dass die da oben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sich traditionsgemäß quasi per Stallgeruch wahrnehmen und verstehen können. Da gibt es sozusagen ein Grundvertrauen; man kennt sich, man versteht sich. Auch wenn man sich gerade erst kurz gesehen hat. Das Odium des Erkennens wabert ihnen voran und der Dresscode tut sein Übriges: Hi, ich sehe, wir kommen aus dem gleichen Stall. Wir können aufeinander bauen.
Und so, diese Vermutung liegt nahe, handeln sie dann auch. Es bedarf nicht immer konkreter Absprachen; oft genügt schon eine Zielvorgabe. Dann läuft alles wie von selbst.

weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von PIRO auf Pixabay

 

 

 

Kirche ohne Kompass?

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Es ist wahrlich nichts Neues, dass die christlichen Kirchen in Deutschland auf schwankenden Kirchenschiffen unterwegs sind. Steuern sie etwas zu sehr nach links heißt es, sie lassen alle anderen Gläubigen rechts liegen; steuern sie etwas mehr nach rechts, wird der umgekehrte Vorwurf gemacht. Äußern sie sich dezidiert politisch, wird es ihnen mit Stirnrunzeln gedankt oder gar mit dem Hinweis, sie sollten gefälligst bei ihren Glaubensleisten bleiben. Langen Vorworts kurzer Sinn: Sie haben es schwer, die christlichen Kirchen in unserem Land.

Dabei könnte es doch so einfach für sie sein: Sie müssten sich doch nur an wenige Richtschnüre für Glauben halten, die jede/r Gläubige ohne Wenn und Aber annehmen kann: Die zehn Gebote des AT und die Bergpredigt des NT. Zwei sich ergänzende Kompasse, die zu erläutern, zu diskutieren und umzusetzen eine wahre Herkulesaufgabe sind, im Sinne eines erfüllten Lebens aber sicherlich erstrebenswert. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Macht des Systemischen…

…gebiert ja oftmals Ungeheuerliches

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Zur Zeit ist dies mal wieder gut zu beobachten. Denn das „System Zeitenwende“, das ein Redenschreiber für und mit Herrn Scholz auf die Agenda gesetzt hat, feiert allenthalben schreckliche Urständ und nimmt uns tagtäglich den Atem. Die Flagge, die dafür als Erkennungsmerkmal gehisst wurde, heißt „Kriegstüchtigkeit“. Sie flattert allem voran, was derzeit von der politisch-wirtschaftlichen Elite unserer Republik ins militaristische Auge gefasst wird.

In diesem systemischen Kontext kommen die seltsamsten Blüten zum Vorschein und ein überholt oder altbacken scheinender Vers aus Schillers Glocke macht urplötzlich wieder nachdenklich. Er lautet: „Da werden Weiber zu Hyänen!“

Heutzutage eigentlich eine in jeder Hinsicht unwoke Aussage. Doch schaut man sich die Wirklichkeit um uns herum an, kommen einem viele Fragen angesichts dieser ganz bestimmt auf dem Index der Wokeness stehenden Aussage. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

Wackeldackel – nichts ist stabiler!

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

MP Söder wusste schon immer was und wohin er will. Das fing ja schon damit an, dass er, völlig schamfrei, als Jugendlicher in seinem Zimmer ein Plakat von Franz Josef Strauß über dem Bett hängen hatte, was nicht nur die ein oder andere „Flamme“ aus den Latschen kippen ließ. Aber so war er eben schon immer: ziel- und traditionsbewusst.

Diese Grundhaltung sollte man nicht aus den Augen verlieren, bei allen Kaspereien, mit denen er täglich seine Klientel beglückt, sei es auf Instagram, X oder oder…
Immer geht es ihm um eines: Gesehen werden, gehört werden, der Beste sein.

Dafür ist ihm kein Klamauk zu schade: Mal umarmt er Bäume, mal grillt er Deftiges und verspeist es vor aller Welt mit Genuss, mal dies, mal das. Die „Social Media-Gemeinde“ ist angetan von seinen Mätzchen. Lacht über und mit ihm – und er ist in aller Munde; bekannt wie ein Wackeldackel. Zwischendurch bringt er politische Botschaften unter sein Followervölkchen und hofft, dass sie wahrgenommen werden. Nichts Genaues, weiß man nicht.

Wackeldackel aus Bayern, KI-generiert

Eines jedoch ist sicher: Er ist in aller Öffentlichkeitsmunde und wenn er dann was sagt in den „Leitmedien“ begegnet den Youngstern ein ihnen Bekannter oder, wie es heutzutage heißt, ein „Freund“. Und da hört man wohl schon mal genauer hin, wenn der „Freund“ einem Dinge mitteilt, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hat, Dinge wie:

– Die Russen sind eine Gefahr für uns.

– Wir müssen ganz viel Geld in die Rüstung investieren.

– Heimatschutztruppen sind eine gute Sache.

– Ohne Kriegsertüchtigung äh Verteidigungsbereitschaft“ läuft gar nichts.

– Tradition muss erhalten und gepflegt werden.

Denn dies ist seine eigentliche Zielsetzung: Politische Botschaften, derzeit vor allem der „Zeitenwende“, unter die Leute bringen. Und da gerade junge Leute eher socialmedia-affin unterwegs sind, denkt MP Söder anscheinend, er habe den Türöffner gefunden, mit dem an die „Generationen Z und Alpha“ heranzukommen ist: Warum nicht als „Medialer Wackeldackel“ unterwegs sein im Dienst der „patriotischen Sache“ – schaun mer mal…

Wie heißt doch das bekannte Sprichwort:

„Der Zweck heiligt die Mittel“ oder um im Bilde zu bleiben: „Das Gewackel heiligt den Dackel“.


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Image: KI-generiert, from Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Narr musste gehen – wieder einmal

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Wenn ein Narr gegangen wird hat der König ein Problem weniger. Falls ein Narr überhaupt zum Problem für den Kini werden kann.

Der Kini tat jedenfalls sehr gelassen und sagte sinngemäß: Als der Tradition verpflichteter Bayer obliegt es mir im vorliegenden Fall zwei Sachverhalte zu bedenken. Erstens ist das Derblecken eine bayuwarische Tradition, die es zu pflegen gilt. Zweitens gehört es zu meinem souveränen „Berufsethos“, das Derblecken hinzunehmen, wie es daherkommt. Dass der aktuelle Narr abserviert wurde, nehme ich zur Kenntnis; seine letzte Narretei fand eher weniger meine Achtung und Gnade.

Um es auf bayrisch-königlich zu sagen: „I was not amused.“ Narren kommen, Narren gehen… Soweit, so nachvollziehbar. Ob auch glaubbar, ist eine andere Frage. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

 

 

 

Anlässlich der Sommerpause des Parlaments oder Die Bellizisten machen keine

Eine Kolumne zur Lage

von Jürgen Scherer*

Wenn Merz aufdreht, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen! Das war ja schon abzusehen, als er die Kanzlerkandidatenserpentinen in Angriff nahm. Schon damals haute er locker vom Hocker Sprüche raus, dass man nur noch wünschen konnte: So einer wird doch hoffentlich nie Kanzler! Aber: Seit Trump scheint im Bereich der westlichen Demokratien nichts mehr unmöglich.

Und jetzt ham wer den Salat: Merz ist Kanzler und kann, dank der unseligen Steigbügelhalterhaltung der auf den Hund gekommenen „SPD“, seine Militarisierungspläne zusammen mit dem Obergefreiten der Reserve Pistorius in die mit unserem Leben spielende Tat umsetzen. Noch dazu mit einer willfährigen Parlamentsmehrheit!

Er wird während der „Sommerpause“ des Parlaments umtriebig bleiben. Dann vielleicht erst recht. Ich bin mir sicher! … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von Olle August auf Pixabay

 

 

Wenn die „Weisheit“ flöten geht

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Es gibt ja so Sprüche, die einen ein Leben lang begleiten, sei es weil sie „doof“ sind  oder weil sie sich als hilfreich rausstellen oder oder oder …
Einer von Ihnen lautet „Man wird so alt wie ’ne Kuh und lernt immer noch dazu“. Ich fand ihn eher hilfreich und habe Positives damit konnotiert; frei nach dem Motto „Neues und Taugliches fürs Leben dazu lernen ist immer gut“. Weiterlesen

Militarisierung zum Schnäppchenpreis

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Auf Deibel komm raus läuft die schamlose Rekrutierungswelle Minderjähriger durch die ganze Republik. Dass Bayern ein Hotspot in dieser Hinsicht ist, ist allerdings nicht verwunderlich.

Dort hat der Ministerpräsident die Parole ausgegeben: Alles für unser Land, alles für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem Militär!   
Nicht allein, dass Unis und  Schulen    „Per Ordre de Mufti“ zur Zusammenarbeit mit dem Militär angewiesen wurden, jetzt könnten sich auch noch Marktgemeinden auf eine  „Militarisierung auf Samtpfoten“ einzulassen.

So im Vorhaben dieser Tage durch ein Angebot der Marktgemeinde Kellmünz an der Iller in Zusammenarbeit mit der „Gefechtsstandsstaffel Multinationales Kommando Operative Führung“ des entsprechenden NATO Führungskommandos in Ulm.

Ein Herz für Kinder

Geplant ist ein zweitägiges Event in den Sommerferien im August für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Für läppische 12 Euro ein Erlebnis der besonderen Art, preiswerter als jeder Erlebnispark und ohne Frage im Sinne des neuen Kriegstüchtigkeitsgebots der ZeitenwenderInnen.

Sie kennen keine Scham, die „Rekrutierer der Zeitenwende“. Und das Unverständlichste  an der ganzen Aktion ist, dass es offensichtlich eine Kommune gibt, die sich ohne Not, evtl. als Vorreiter(?) zu solcher Aktion hat breit schlagen lassen!

Wo bleibt der Aufschrei der örtlichen Zivilbevölkerung gegen die militaristische Instrumentalisierung ihrer Kinder?   

Allein pädagogisch-politische Gegenargumente, wie sie die Bildungsgewerkschaft GEW dankeswerterweise veröffentlicht hat, reichen da vermutlich nicht aus. Wir wissen aus Erfahrung: Papier kann geduldig sein.
 
Es bedarf der öffentlichen Empörung gegen solches Ansinnen vor Ort, des legendären bayrischen Widerstandes gegen manipulatives Gebaren, diesmal im Gewand eines Abenteuerspielplatzes.

Es sollte Null Einschreibung für das Angebot geben!

Friedenstüchtigkeit ist das Gebot der Stunde, nicht Kriegsspielerei zum Schnäppchenpreis! 


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN
Image by AdelinaZw from
Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 2 3 4 5 10