Wackeldackel – nichts ist stabiler!

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

MP Söder wusste schon immer was und wohin er will. Das fing ja schon damit an, dass er, völlig schamfrei, als Jugendlicher in seinem Zimmer ein Plakat von Franz Josef Strauß über dem Bett hängen hatte, was nicht nur die ein oder andere „Flamme“ aus den Latschen kippen ließ. Aber so war er eben schon immer: ziel- und traditionsbewusst.

Diese Grundhaltung sollte man nicht aus den Augen verlieren, bei allen Kaspereien, mit denen er täglich seine Klientel beglückt, sei es auf Instagram, X oder oder…
Immer geht es ihm um eines: Gesehen werden, gehört werden, der Beste sein.

Dafür ist ihm kein Klamauk zu schade: Mal umarmt er Bäume, mal grillt er Deftiges und verspeist es vor aller Welt mit Genuss, mal dies, mal das. Die „Social Media-Gemeinde“ ist angetan von seinen Mätzchen. Lacht über und mit ihm – und er ist in aller Munde; bekannt wie ein Wackeldackel. Zwischendurch bringt er politische Botschaften unter sein Followervölkchen und hofft, dass sie wahrgenommen werden. Nichts Genaues, weiß man nicht.

Wackeldackel aus Bayern, KI-generiert

Eines jedoch ist sicher: Er ist in aller Öffentlichkeitsmunde und wenn er dann was sagt in den „Leitmedien“ begegnet den Youngstern ein ihnen Bekannter oder, wie es heutzutage heißt, ein „Freund“. Und da hört man wohl schon mal genauer hin, wenn der „Freund“ einem Dinge mitteilt, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hat, Dinge wie:

– Die Russen sind eine Gefahr für uns.

– Wir müssen ganz viel Geld in die Rüstung investieren.

– Heimatschutztruppen sind eine gute Sache.

– Ohne Kriegsertüchtigung äh Verteidigungsbereitschaft“ läuft gar nichts.

– Tradition muss erhalten und gepflegt werden.

Denn dies ist seine eigentliche Zielsetzung: Politische Botschaften, derzeit vor allem der „Zeitenwende“, unter die Leute bringen. Und da gerade junge Leute eher socialmedia-affin unterwegs sind, denkt MP Söder anscheinend, er habe den Türöffner gefunden, mit dem an die „Generationen Z und Alpha“ heranzukommen ist: Warum nicht als „Medialer Wackeldackel“ unterwegs sein im Dienst der „patriotischen Sache“ – schaun mer mal…

Wie heißt doch das bekannte Sprichwort:

„Der Zweck heiligt die Mittel“ oder um im Bilde zu bleiben: „Das Gewackel heiligt den Dackel“.


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Image: KI-generiert, from Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Narr musste gehen – wieder einmal

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Wenn ein Narr gegangen wird hat der König ein Problem weniger. Falls ein Narr überhaupt zum Problem für den Kini werden kann.

Der Kini tat jedenfalls sehr gelassen und sagte sinngemäß: Als der Tradition verpflichteter Bayer obliegt es mir im vorliegenden Fall zwei Sachverhalte zu bedenken. Erstens ist das Derblecken eine bayuwarische Tradition, die es zu pflegen gilt. Zweitens gehört es zu meinem souveränen „Berufsethos“, das Derblecken hinzunehmen, wie es daherkommt. Dass der aktuelle Narr abserviert wurde, nehme ich zur Kenntnis; seine letzte Narretei fand eher weniger meine Achtung und Gnade.

Um es auf bayrisch-königlich zu sagen: „I was not amused.“ Narren kommen, Narren gehen… Soweit, so nachvollziehbar. Ob auch glaubbar, ist eine andere Frage. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
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Anlässlich der Sommerpause des Parlaments oder Die Bellizisten machen keine

Eine Kolumne zur Lage

von Jürgen Scherer*

Wenn Merz aufdreht, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen! Das war ja schon abzusehen, als er die Kanzlerkandidatenserpentinen in Angriff nahm. Schon damals haute er locker vom Hocker Sprüche raus, dass man nur noch wünschen konnte: So einer wird doch hoffentlich nie Kanzler! Aber: Seit Trump scheint im Bereich der westlichen Demokratien nichts mehr unmöglich.

Und jetzt ham wer den Salat: Merz ist Kanzler und kann, dank der unseligen Steigbügelhalterhaltung der auf den Hund gekommenen „SPD“, seine Militarisierungspläne zusammen mit dem Obergefreiten der Reserve Pistorius in die mit unserem Leben spielende Tat umsetzen. Noch dazu mit einer willfährigen Parlamentsmehrheit!

Er wird während der „Sommerpause“ des Parlaments umtriebig bleiben. Dann vielleicht erst recht. Ich bin mir sicher! … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
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Wenn die „Weisheit“ flöten geht

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Es gibt ja so Sprüche, die einen ein Leben lang begleiten, sei es weil sie „doof“ sind  oder weil sie sich als hilfreich rausstellen oder oder oder …
Einer von Ihnen lautet „Man wird so alt wie ’ne Kuh und lernt immer noch dazu“. Ich fand ihn eher hilfreich und habe Positives damit konnotiert; frei nach dem Motto „Neues und Taugliches fürs Leben dazu lernen ist immer gut“. Weiterlesen

Militarisierung zum Schnäppchenpreis

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Auf Deibel komm raus läuft die schamlose Rekrutierungswelle Minderjähriger durch die ganze Republik. Dass Bayern ein Hotspot in dieser Hinsicht ist, ist allerdings nicht verwunderlich.

Dort hat der Ministerpräsident die Parole ausgegeben: Alles für unser Land, alles für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem Militär!   
Nicht allein, dass Unis und  Schulen    „Per Ordre de Mufti“ zur Zusammenarbeit mit dem Militär angewiesen wurden, jetzt könnten sich auch noch Marktgemeinden auf eine  „Militarisierung auf Samtpfoten“ einzulassen.

So im Vorhaben dieser Tage durch ein Angebot der Marktgemeinde Kellmünz an der Iller in Zusammenarbeit mit der „Gefechtsstandsstaffel Multinationales Kommando Operative Führung“ des entsprechenden NATO Führungskommandos in Ulm.

Ein Herz für Kinder

Geplant ist ein zweitägiges Event in den Sommerferien im August für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Für läppische 12 Euro ein Erlebnis der besonderen Art, preiswerter als jeder Erlebnispark und ohne Frage im Sinne des neuen Kriegstüchtigkeitsgebots der ZeitenwenderInnen.

Sie kennen keine Scham, die „Rekrutierer der Zeitenwende“. Und das Unverständlichste  an der ganzen Aktion ist, dass es offensichtlich eine Kommune gibt, die sich ohne Not, evtl. als Vorreiter(?) zu solcher Aktion hat breit schlagen lassen!

Wo bleibt der Aufschrei der örtlichen Zivilbevölkerung gegen die militaristische Instrumentalisierung ihrer Kinder?   

Allein pädagogisch-politische Gegenargumente, wie sie die Bildungsgewerkschaft GEW dankeswerterweise veröffentlicht hat, reichen da vermutlich nicht aus. Wir wissen aus Erfahrung: Papier kann geduldig sein.
 
Es bedarf der öffentlichen Empörung gegen solches Ansinnen vor Ort, des legendären bayrischen Widerstandes gegen manipulatives Gebaren, diesmal im Gewand eines Abenteuerspielplatzes.

Es sollte Null Einschreibung für das Angebot geben!

Friedenstüchtigkeit ist das Gebot der Stunde, nicht Kriegsspielerei zum Schnäppchenpreis! 


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN
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Wenn junge Menschen einsam werden…

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

… müssen sie sich, zumindest die allermeisten, nicht „schuldig“ fühlen an ihrer misslichen Lage, die oft auch zu Depressionen führt.

Auch wenn es ein nicht gerne gehörter Allgemeinplatz ist: An der derzeitigen Einsamkeitsmisere junger Menschen ist nicht zuletzt die in Deutschland verantwortliche PolitikerInnenelite mit schuldig. Denn die Verschärfung der sich schon vor Corona abzeichnenden Einsamkeitsproblematik ist nicht zuletzt auf den schon damals angeprangerten und inzwischen durch einschlägige Untersuchungen nachgewiesenen unverantwortlichen Umgang mit den SchülerInnen und jungen Menschen zurückzuführen. Wer eingesperrt wird, obwohl es nachweislich nicht notwendig ist, wächst defizitär heran und weist Symptome auf, die in der Folgezeit nur schwer wieder zu kompensieren sind, manchmal gar nicht. Hoffen wir mal, dass da nicht die ein oder andere Amokgefahr in der Tiefe unserer Gesellschaft schlummert. Weiterlesen

Fegefeuer in Ingolstadt

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Das Fegefeuer ist ja, wie jeder Gläubige weiß, der Ort, an dem Sünder von lässlichen Sünden gereinigt werden, bevor es in den Himmel geht. Sowenig wir über das Fegefeuer im Detail Bescheid wissen, so wenig wissen wir über den Himmel. Gut, es gibt Mutmaßungen, es gehe dort paradiesisch zu, was immer das sein mag, z.B. schlaraffenlandmäßig… Hoffen wir das mal. Was das Fegefeuer angeht, scheint es auch irdische Fegefeuer zu geben und eines davon mag so aussehen, wie im Morgenmagazin des ZDF am Montag, dem 23. Juni, aus der Pionierschule Ingolstadt präsentiert.*

Da war zu sehen, und das kann jede/r in der ZDFMediathek nochmal nachvollziehen, wie unter dem Deckmantel der Ausgewogenheit Flecktarnwashing geht. Eine Meisterleistung an Propaganda auf Samtpfoten, die den eigentlich von foodwatch vergebenen „Goldenen Windbeutel“ verdient hätte.

Nichts weniger als eine herausragende Moderatorenleistung von Andreas Wunn war zu bewundern, dem danach das Schulterklopfen des MoMaTeams wohl mehr als sicher war. Die dargebotene Sachlichkeit in der Gesprächsleitung, verbunden mit einer scheinbaren Objektivität der Sache gegenüber war großes Kino. Konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, wes Geistes Kind er in Bezug auf Militär- und Rüstungsförderung ist, letztlich nämlich eindeutiger Sympathisant mit den derzeitigen Plänen und Vorhaben der „Zeitenwender“.

Dies zeigte sich nicht zuletzt darin, dass die interviewten Gäste mehrheitlich aus dem Zeitenwendelager kamen, sondern auch darin, dass er, immer, wenn kritische Nachfragen zu hinterfragenswerten Standpunkten der Interviewten zur Aufklärung der ZuschauerInnen notwendig, richtig und wichtig gewesen wären, solche Nachfragen nicht stellte, vielmehr die jeweilige Antwort so stehen ließ, wie sie gegeben worden war. Damit war er eher akzeptierender Stichwortgeber des morgendlichen Mainstreams denn kritischer Moderator. 
Am entlarvensten fand ich, ich kann es nicht anders nennen, das Scheininterview mit der Ingolstädter Vertreterin der Friedensbewegung. Nicht allein, war es das kürzeste von allen an diesem Morgen, die Vertreterin wurde außerdem noch, mitten in dem Versuch einer etwas längeren Antwort, auf etwas später vertröstet, kam aber dann nicht mehr zu Wort (friedensbewegte Menschen sollten sich für solche Feigenblattvorführungen nicht hergeben!).

FAZIT:  Das ZDF-Fegefeuer in Ingolstadt hat einem gemutmaßten Fegefeuer alle Ehre gemacht. Ob es Herrn Wunn und seinem Team gelang, in den ZuschauerInnen, die lässlichen Sünden, die sich auf das Nichtanerkennenwollen von Militarisierung und Militarismus in unserer Gesellschaft beziehen,  sanft auszutreiben und sie so auf den in Bälde gewappneten Himmel auf Erden einzustimmen, mag jede/r selbst entscheiden. Dass dieser Himmel sich evtl. eher höllisch zeigen könnte, wurde  jedenfalls nachprüfbar mehr oder weniger flecktarnweichgespült.

Wir sollten uns wappnen: Propaganda kann auch auf samtweichen Pfoten daherkommen. Es gab Zeiten, da nannte man so etwas „subversiv“!

*→ Hier geht es zum ZDF-Morgenmagazin. Der Filmbeitrag über die Pioniere beginnt bei Minute 8:10


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von Igor auf Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

„Kinder an die Macht“ – tatsächlich?

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Wer erinnert sich nicht gerne an das Lied von Herbert Grönemeyer, in dem er relativ optimistisch davon singt, wie gut oder sogar besser alles wäre, würden die „unschuldigen“ Kleinen bestimmen können, wo es lang gehen soll.
Eines ist gewiss: An Fieldings „Herr der Fliegen“ hatte er dabei nicht gedacht, denn in dieser „Kindergemeinschaft“ geht es, um es gelinde auszudrücken, eher robust zu.
Und wie so oft nehmen erfundene Geschichten voraus, was im wirklichen Leben geschieht. Wir haben das zweifelhafte Glück, dies gerade zu erleben. Nur dass die Wirklichkeit die Fiktion meilenweit hinter sich lässt!
Der momentane „Herr der Fliegen“ ist nämlich eher ein „Herr der Monster“ und trumpelt durch die Weltgeschichte, als wäre sie seine eigene Kreation. Was übrigens gar nicht so weit hergeholt ist; denn ein Anhänger der „Kreationisten“ ist er allemal. Und in seinem Heimatland gibt’s sogar ein „Creation Museum“, in dem sich jede/r davon überzeugen kann: „Die Bibel hat doch Recht“! Weiterlesen

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