DemoReaktionen

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Endlich ist zumindest ein Teil der jungen Generation aufgewacht und hat Mut gefasst, gegen den unseligen „Kriegsertüchtigungskurs“ unserer politischen Elite zu protestieren. Es waren nicht wenige SchülerInnen, die einen Tag vor Nikolaus auf die Straßen gegangen waren, um gegen das Wehrpflichtvorhaben der Koalition und der (immer vorne mit dabei) Partei „Bündnis90/Die Grünen“ zu protestieren. Der Freitag als Protesttag war gut gewählt, konnte doch zumindest symbolisch verdeutlicht werden: Friday for Future!

Man konnte also gespannt sein, wie die tonangebenden Medien in unserem Land reagieren würden. Haben sie doch bisher eher die Regierungssichtweise in ihren Veröffentlichungs – und Kommentarköchern.

Und siehe da, sie bemühten sich, dem Protest einigermaßen gerecht zu werden und berichteten einigermaßen sachlich über die Demos; auch darüber, dass es gewerkschaftliche Unterstützung gibt, von der GEW zum Beispiel.

Lediglich die Kampfblätter des Konservativismus blieben mal wieder, mit gebremstem, aber unübersehbarem Schaum auf der Tastatur, ihrer Linie treu.

Die Zeitung „Die Welt“, indem sie die Demos insgesamt als recht kläglich qualifizierte (verglichen mit den Massen bei Klimastreikdemos) und die FAZ, die Zeitung für Deutschland, wie sie sich nennt, indem sie auf der Rhein-Main-Beilage in der Unterschriftenerläuterung zu einem Demobild die Steuerung der Frankfurter Demo durch linke, und damit insinuiert sie – äußerst fragwürdige, Gruppierungen hervorhebt. 
Zwar nennt sie auch Mitglieder der Gewerkschaft Ver.di als Unterstützer, aber die jungen Sozialisten werden besonders betont. 

Man könnte sagen, politisch nichts Neues von der „Zeitung für Deutschland“, aber die Duftmarke, die sie setzt, ist unüberriechbar: Vorsicht, die Sozialisten kapern Euch! Rote Gefahr!

Darüber könnte man vielleicht noch mit einem Kopfschütteln hinweg gehen. Wenn nicht auf der gleichen Seite ein Kommentar zu lesen wäre, aus dem hervorgeht, um was es der FAZ eigentlich geht: Um nichts weniger als die Köpfe und Herzen der Jugendlichen im Sinne des berlinischen Regierungskurses.

Das liest sich dann auf einen kurzen Botschaftsnenner gebracht folgendermaßen:   
Jungs und Mädels, euer Engagement in Ehren, aber lasst euch nicht vereinnahmen. Schaut euch die Welt um euch herum an: Überall wird was für Verteidigung getan und da wollt ihr euch nicht engagieren? Lasst euch nicht einreden, ihr wärt „Kanonenfutter“. Das mag für Putins Soldaten gelten, aber doch nicht für euch. Deutschland hat schließlich eine Parlamentsarmee. Dafür wird kein „Kanonenfutter“ gebraucht, vielmehr junge Menschen, die bereit sind, ihre Freiheit zu verteidigen. Im übrigen kommt euer ehrenwerter Protest zur Unzeit. Seht ihr denn nicht, dass es überall in Europa kriselt – wegen wem wohl? Wir leben schließlich in einer verteidigenswerten parlamentarischen Demokratie. Vertraut den Parlamentariern.

Soweit in gebotener Kürze der Tenor des Kommentars.

Was lernen wir daraus?

Die FAZ schafft es mit Bravour, Nebelkerzen zu werfen, damit die betroffenen Jugendlichen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen!

Da wird ihnen bescheinigt, wie ehrenwert ihr Engagement sei, aber es komme wegen der Situation in Europa zur Unzeit – durchgefallen!
Da wird ihnen quasi erklärt, die Armee in Deutschland Land sei ja eine Parlamentsarmee; somit sei ja gewährleistet, dass damit kein Schindluder getrieben werden könne und wer darin diene, könne unmöglich einmal als „Kanonenfutter“ verheizt werden – durchgefallen!
Alles in allem wäre es wohl doch angebracht, Vertrauen in unser System zu haben und einzusehen, dass der Dienst in der Armee ganz ganz wichtig und richtig sei – durchgefallen.

Mit diesen argumentativen Nebelkerzen wird den jungen DemonstrantInnen die Reife bezüglich ihres Tuns, wenn schon nicht kategorisch abgesprochen, dann zumindest in Frage gestellt.

FAZ Gesamtziel erreicht: Verunsicherung in die Köpfe und Herzen der Jugendlichen gepflanzt mit der durchsichtigen Absicht, dass zukünftig beharrliches Wässern dieses Pflänzchens Erfolg bringen wird.

Da sei allerdings die angesichts der Demos gezeigte Reife der Jugendlichen davor!

Ich muss sagen, dass die Reaktion von Minister Pistorius auf die bundesweiten Demos gegen sein Gesetzesvorhaben weitaus professioneller war. Meinte er doch, dass er die Demos begrüße; schließlich zeigten die jungen Menschen damit, dass sie wüssten, worum es gehe! 


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

 

Kriegstüchtig versus Verteidigungsbereit?

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Wie immer, wenn eine Propagandamaschinerie in Gang gesetzt wird, werden Begrifflichkeiten in die Welt gesetzt, die der Überwältigung des zukünftigen Kanonenfutters dienen sollen. Zugleich verweisen solche Begriffe auf ihre eigene Basis und damit auf die Absichten ihrer (Be)NutzerInnen.

Beginnen wir mit dem Begriff „kriegstüchtig“.
Ohne jegliche Wortbedeutungsherleitung weiß jede/r Mensch sofort, worum es geht: Wenn jemand „kiegstüchtig“ ist oder werden soll, dann muss er/sie in den Krieg ziehen können oder wollen oder sollen; muss bereit sein dazu, anderen Menschen (!) Gewalt anzutun, meist tödliche mit allen möglichen Mitteln und Tötungswerkzeugen (vom einfachen „Seitengewehr“ bis zur fernsteuerbaren Drohne); muss bereit sein in andere Länder einzudringen und die dort Lebenden zu beherrschen. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

War mal eine Drohne…

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Wenn hinter
Drohnen Drohnen
dro(e)hnen
dro(e)hnen
Drohnen Drohnen
hinterher!

An diese Abwandlung des bekannten „Fliegenspruchs“ fühlte ich mich dieser Tage erinnert, als selbst „immerseriöse“ Zeitungen wie die ZEIT in der Angelegenheit Drohnenhysterie der letzten Zeit auf den Boden der Tatsachen zurückruderte. Weg von der Hysteriemasche der Medien hin zu sachlicher Betrachtung der Drohnereien in unserem Land.

Die sieht dann so aus: Laut einer Vergleichsstatistik auf Seite 3 der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ vom 6. Nov. 25 ergibt sich folgendes Bild hinsichtlich der Behinderung an deutschen Flughäfen durch Drohnen:

2023 – 151 Drohnen
2024 – 161 Drohnen
2025 – 172 Drohnen bis inkl. September.
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*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

DGB – Oje!

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Der DGB und das Gros seiner Mitgliedgewerkschaften scheinen neben der Spur, was den Umgang mit eigentlichen Interessen ihrer Mitglieder angeht. Die Erklärungen dafür sind vielfältig. Ich will auf einige hinweisen.

Einerseits ist zu begrüßen, dass der DGB mit reger Öffentlichkeitsarbeit und kritischen Verlautbarungen immer wieder die Finger auf die Wunden gesellschaftlicher Missstände legt. Sei es, dass er die desolate Miet- und Wohnungssituation anklagt, sei es, dass er die „schichtenspezifisch“ bedingte Aufstiegssituation von Kindern aus „Armutsfamilien“ oder Familien mit Migrationshintergrund benennt, sei es, dass er die miserable Ausbildungssituation und die damit verbundene Jugendarbeitslosigkeit zu Recht an den Pranger stellt. Weiterlesen

Auf „Krawall“ gebürstet

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Wenn jemand auf Krawall gebürstet ist, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, damit umzugehen: drohen, besänftigen, beruhigen, auf die möglichen Folgen hinweisen, an die Vernunft appellieren; jedenfalls versuchen eine evtl. unkontrollierbare Situation zu vermeiden. Wenn’s klappt kann alles gut werden, vielleicht sogar so gut, dass die drohende Auseinandersetzung friedlich beigelegt werde kann. Das wäre dann der schönste Erfolg.

Was aber tun, wenn auf „Krawall“ gebürstete Politiker oder gar Regierungen im Spiel sind?

Als erstes fällt einem natürlich(!) Donald Trump ein, dessen „Krawallbedürfnislevel“ anscheinend recht weit oben zu verorten ist. Aber warum in die Ferne schweifen, wenn die politisch zu verortende Krawalligkeit doch eigentlich recht nahe liegt. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

 

 

Elitengeflüster!

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Eigentlich ist es eine Meldung, die ganz harmlos klingt und das soll sie wohl auch: Am Donnerstag Abend (Das war der 9. Oktober 2025; d. Verf.) treffen sich der Bundeskanzler und das Bundeskabinett mit den Richterinnen und Richtern des Bundesverfassungsgerichtes wieder einmal zu einem schon seit Jahrzehnten stattfindenden Abendessen – im Bundeskanzleramt. Dieses Treffen beruht auf der Wertschätzung der beiden Institutionen unseres demokratischen Staates zueinander. So in etwa der Wortlaut der Meldung.

Ist doch gut, wenn die sich zusammensetzen, schließlich sind sie für unser Land verantwortlich. So sollen wohl Otto und Elfriede Normalo denken. Ein Schelm also, der Böses dabei denken mag. Weiterlesen

Falschspieler am Werk

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Das Potpourri zum Erfolg?

Wie machen wir (gemeint ist die derzeit verantwortliche politische Elite in unserem Land)  unsere leider immer noch zu friedenstrunkene Gesellschaft „verteidigungsbereit“ resp. „kriegstüchtig“, also letztlich auch angriffsbereit?
Diese Grundsatzproblematik anzugehen und möglichst final(!) zu lösen, ist die neue Koalition unter Federführung des ehemaligen Artilleristen Friedrich Merz und des Panzermuseumliebhabers Lars Klingbeil angetreten.

Und wie beim Spielen einer Orgel werden tagtäglich andere Register gezogen, um uns alle auf das oberste Ziel „Kriegsertüchtigung“ einzustimmen. Und siehe da, wie die Orgel am besten funktioniert, wenn alle Teile „mitmachen“, soll es auch im „Spiel um Alles oder Nichts“ die richtige Begleitmusik machen. Weiterlesen

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