Die Macht des Systemischen…

…gebiert ja oftmals Ungeheuerliches

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Zur Zeit ist dies mal wieder gut zu beobachten. Denn das „System Zeitenwende“, das ein Redenschreiber für und mit Herrn Scholz auf die Agenda gesetzt hat, feiert allenthalben schreckliche Urständ und nimmt uns tagtäglich den Atem. Die Flagge, die dafür als Erkennungsmerkmal gehisst wurde, heißt „Kriegstüchtigkeit“. Sie flattert allem voran, was derzeit von der politisch-wirtschaftlichen Elite unserer Republik ins militaristische Auge gefasst wird.

In diesem systemischen Kontext kommen die seltsamsten Blüten zum Vorschein und ein überholt oder altbacken scheinender Vers aus Schillers Glocke macht urplötzlich wieder nachdenklich. Er lautet: „Da werden Weiber zu Hyänen!“

Heutzutage eigentlich eine in jeder Hinsicht unwoke Aussage. Doch schaut man sich die Wirklichkeit um uns herum an, kommen einem viele Fragen angesichts dieser ganz bestimmt auf dem Index der Wokeness stehenden Aussage. … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

Wenn junge Menschen einsam werden…

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

… müssen sie sich, zumindest die allermeisten, nicht „schuldig“ fühlen an ihrer misslichen Lage, die oft auch zu Depressionen führt.

Auch wenn es ein nicht gerne gehörter Allgemeinplatz ist: An der derzeitigen Einsamkeitsmisere junger Menschen ist nicht zuletzt die in Deutschland verantwortliche PolitikerInnenelite mit schuldig. Denn die Verschärfung der sich schon vor Corona abzeichnenden Einsamkeitsproblematik ist nicht zuletzt auf den schon damals angeprangerten und inzwischen durch einschlägige Untersuchungen nachgewiesenen unverantwortlichen Umgang mit den SchülerInnen und jungen Menschen zurückzuführen. Wer eingesperrt wird, obwohl es nachweislich nicht notwendig ist, wächst defizitär heran und weist Symptome auf, die in der Folgezeit nur schwer wieder zu kompensieren sind, manchmal gar nicht. Hoffen wir mal, dass da nicht die ein oder andere Amokgefahr in der Tiefe unserer Gesellschaft schlummert. Weiterlesen

Vom Biedermann zum Kriegsdiener

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Endlich lässt der Biedermann die Maske fallen und redet Tacheles. Es wird tatsächlich mal ein Wahlversprechen geben, das eingehalten werden wird. Bravo, könnte man sagen, wenn man nicht wüsste, um welches Wahlversprechen es sich handelt. Wenn man nicht wüsste, wer der Biedermann ist und was er uns verspricht. Lassen wir die Katze aus dem Sack: Der Biedermann heißt Habeck und sein Wahlversprechen: Deutschland soll 3,5% seines BIP fürs Militär ausgeben!

In den Chefetagen der Rüstungsindustrie knallen die Sektkorken, der deutsche Generalstab liegt sich in den Armen und die herausragenden Bellizisten in den Parteien und Medien klatschen Beifall.

Endlich sagt mal einer den in Deutschland Lebenden, wo es lang gehen soll: In eine von Kriegswirtschaft geprägte Gesellschaft, die ihm nacheifern soll, dem „Dienenden Robert“ .Wir sollen uns zusammen mit ihm unisono hinter dem allseits bekannten Bundeswehrslogan versammeln: Wir.Dienen.Deutschland.

Die Begründung dafür kennen wir schon: Wenn der Russe kommt …! Die alte Angstleierei eben! 
Eine weitere Begründung.kommt hinzu: Wir (wer immer das ist) werden sowieso mehr Geld ins Militärische stecken müssen, wenn der Irrwisch der Weltpolitik, Donald Trump, das Weiße Haus betreten wird. Dann ist es doch gleich besser, dessen Forderungen nach mehr Geld fürs Militärische zuvorzukommen. 

Frei nach dem Motto: Lieber Donald, im Wettrennen zwischen Hase und Igel haben wir die Nase vorn. Und Donald kann schon jetzt sagen: Brav, lieber Robert, eigentlich solltest Du der zukünftige Kanzler Deutschlands werden. Ich werde mal mit Elon darüber sprechen.

Eines ist auf jeden Fall für jeden von uns deutlich geworden: Die bisher hinter der Maske des Biedermanns daher kommende Betulichkeit und Sorge um unser aller Wohl des Herrn Habeck hat er abgelegt und sich offensiv auf die Seite der KriegsertüchtigerInnen unseres Landes begeben. 
Wir wissen jetzt endlich, woran wir sind, wenn der „Freundlichen Nachbar von nebenan“ zu uns an den Küchentisch kommt, um mit uns über unsere Sorgen und Nöte zu sprechen. Lassen wir uns von dem „Großen Kommunikator“ nicht einwickeln.
 
Der Frieden ist der Ernstfall des Lebens, nicht der Krieg!


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von chantakul1981 auf Pixabay