Blecherne Heimat

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Heimat kann manchmal auch ein Stück Blech sein. Zumindest, wenn man dem ein oder anderen Bürgermeister im Lande Hessen glauben darf.

Wie das, wird der geneigte Leser/die geneigte Leserin (sich) fragen?

Es gibt eben Heimatliebeförderungsgedanken, auf die man erst mal kommen muss. Und das geht so: Da gibt es in der Nähe von Offenbach einen Ort, der schon vor Jahrzehnten durch eine Band bundesweit bekannt geworden war, durch die „Rodgau Monotones“ mit ihrem damaligen Hit „Erbarme, zu spät, die Hesse komme!“ 

Ein Song, der sich als durchaus zeitlos herausgestellt hat: Denn wenn der hessische MP Rhein kommt, ist immer etwas Besonderes im Busch, auch bundesweit. Erinnert sei allein an seine durchsichtige Schützenhilfe anlässlich der Merz’schen Stadtbildäußerung, als er mir nichts dir nichts auf diverse Terroranschläge in deutschen Städten verwies und so die von Merz geäußerten „Besorgnisse“ geschmacklos ins Bodenlose katapultierte.

Wie dem auch sei, die Hesse waren mal wieder erbarmungslos da und damit wären wir wieder bei den „Monotones“ und deren Heimatstadt Rodgau.
Für diesen Ort hat nämlich der derzeitige Bürgermeister von Offenbach, selbst wohnhaft in Rodgau, vor gar nicht allzu langer Zeit gefordert, ein eigenes Autokennzeichen aufzulegen, um den BürgerInnen den Wiedererkennungswert ihres Heimatortes tagtäglich vor Augen führen zu können, und zwar mit den Großbuchstaben „ROD“ (bitte nicht verwechseln mit TOD).

Gefragt, warum er das so wichtig finde, meinte er sinngemäß, in diesen trüben Zeiten könne so ein Kennzeichen wenigstens ein Stückchen Trost und Heimatliebe signalisieren.

So zeigt sich, dass das Berliner Heimatministerium durchaus mehr Wirkungen in die bundesrepublikanische Fläche hat, als selbst ein kerniger Heimatverbundener wie Alexander Dobrindt sich wohl träumen ließ.

Sicherlich wird eine eventuelle Bundesratsinitiative zur Verheimatlichung der KFZ-Kennzeichen mit Dobrindts Unterstützung rechnen können.

Denn eines ist doch wohl nicht von der Hand zu weisen: Wer zukünftig zeigt, dass er seine Heimat liebt, selbst in der Erinnerungsform eines rechteckigen Stückes Blech am SUV (oftmals auch „Hausfrauenpanzer“ genannt), wird sie auch sicher gerne verteidigen, z.B. in der örtlichen Heimatschutztruppe.

So schließt sich dann der Kreis der Beförderung von „Kriegstüchtigkeit“ in unserer Republik. Heil(e)Heimat (!), eben oder sollte es besser heißen: „Heiligs-Blechle“ … 


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.

 

 

Paten 2.0

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Ein satirischer Blick auf die Lage in der BRD aufgezeigt anhand von Süderleuten.

Auch wenn ein heutiger Pate nicht zwangsläufig einer mafiösen Organisation vorsteht (zumindest nicht offensichtlich), pflegt er patische Traditionen: Er verfolgt hartnäckig und unnachgiebig seine Ziele und greift zur Erreichung derselben oft auf das altbewährte analog-„geheime“ Strohmannprinzip zurück. Schließlich kann ein Pate selbst in virtuellen Internetzeiten nicht immer vor Ort sein. Dafür hat er seine Leute. In Zeiten der Gleichberechtigung werden natürlich auch Strohfrauen zur Zielerreichung eingesetzt. Schließlich sollen auch sie beweisen dürfen, ob sie aus patentauglichem Holz geschnitzt sind. Weiterlesen

Wackeldackel – nichts ist stabiler!

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

MP Söder wusste schon immer was und wohin er will. Das fing ja schon damit an, dass er, völlig schamfrei, als Jugendlicher in seinem Zimmer ein Plakat von Franz Josef Strauß über dem Bett hängen hatte, was nicht nur die ein oder andere „Flamme“ aus den Latschen kippen ließ. Aber so war er eben schon immer: ziel- und traditionsbewusst.

Diese Grundhaltung sollte man nicht aus den Augen verlieren, bei allen Kaspereien, mit denen er täglich seine Klientel beglückt, sei es auf Instagram, X oder oder…
Immer geht es ihm um eines: Gesehen werden, gehört werden, der Beste sein.

Dafür ist ihm kein Klamauk zu schade: Mal umarmt er Bäume, mal grillt er Deftiges und verspeist es vor aller Welt mit Genuss, mal dies, mal das. Die „Social Media-Gemeinde“ ist angetan von seinen Mätzchen. Lacht über und mit ihm – und er ist in aller Munde; bekannt wie ein Wackeldackel. Zwischendurch bringt er politische Botschaften unter sein Followervölkchen und hofft, dass sie wahrgenommen werden. Nichts Genaues, weiß man nicht.

Wackeldackel aus Bayern, KI-generiert

Eines jedoch ist sicher: Er ist in aller Öffentlichkeitsmunde und wenn er dann was sagt in den „Leitmedien“ begegnet den Youngstern ein ihnen Bekannter oder, wie es heutzutage heißt, ein „Freund“. Und da hört man wohl schon mal genauer hin, wenn der „Freund“ einem Dinge mitteilt, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hat, Dinge wie:

– Die Russen sind eine Gefahr für uns.

– Wir müssen ganz viel Geld in die Rüstung investieren.

– Heimatschutztruppen sind eine gute Sache.

– Ohne Kriegsertüchtigung äh Verteidigungsbereitschaft“ läuft gar nichts.

– Tradition muss erhalten und gepflegt werden.

Denn dies ist seine eigentliche Zielsetzung: Politische Botschaften, derzeit vor allem der „Zeitenwende“, unter die Leute bringen. Und da gerade junge Leute eher socialmedia-affin unterwegs sind, denkt MP Söder anscheinend, er habe den Türöffner gefunden, mit dem an die „Generationen Z und Alpha“ heranzukommen ist: Warum nicht als „Medialer Wackeldackel“ unterwegs sein im Dienst der „patriotischen Sache“ – schaun mer mal…

Wie heißt doch das bekannte Sprichwort:

„Der Zweck heiligt die Mittel“ oder um im Bilde zu bleiben: „Das Gewackel heiligt den Dackel“.


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Image: KI-generiert, from Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn die „Weisheit“ flöten geht

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

Es gibt ja so Sprüche, die einen ein Leben lang begleiten, sei es weil sie „doof“ sind  oder weil sie sich als hilfreich rausstellen oder oder oder …
Einer von Ihnen lautet „Man wird so alt wie ’ne Kuh und lernt immer noch dazu“. Ich fand ihn eher hilfreich und habe Positives damit konnotiert; frei nach dem Motto „Neues und Taugliches fürs Leben dazu lernen ist immer gut“. Weiterlesen

Söder, Söder, wer bist Du? Willst spielen mit uns „Blinde Kuh“?

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer

Die Bayern sind ja schon ein recht eigenwilliger „Volksstamm“. Sie werden eigentlich noch heute von „Ihrem Kini“ regiert, dem königlich-bairischen Träumer des 19. Jahrhunderts. So ist es nicht verwunderlich, dass jeder „demokratisch gekürte“ Nachfolger desselben sich an ihm messen lassen muss: Hat er Visionen, tanzt er auch schon mal aus der Reihe, kann er überraschen, liebt er das Leben, bewahrt er die Tradition? Wenn dann auch noch die urbairische Auszeichnung „A Hund is er scho!“ dazukommt, ist er ohne „Wenn und Aber“ geeignet fürs „Königlich Bairische Amtsgericht“, auf neudeutsch: Die Staatsregierung.

Von dort aus wird´s dann gerichtet. Immer unter der nicht weniger neudeutschen Maxime „Bayern First“. Die gilt nicht nur fürs Land, nein sie erstreckt sich auch auf den Weltraum. Die bayrische Duftnote muss überall dabei sein. Und da wären wir auch schon beim Protagonisten dieses Artikels „Maggus Söder“, „Unserm Maggus“, wie er liebevoll ironisch sarkastisch verehrend genannt wird.

Es war ein recht weiter Weg, den der Franke, eigentlich aus einem eher „verachtenswerten Unterstämmchen des Bayernlandes“, gehen musste, bis er zum heutigen „Pater Patriae“ (als der er jedes Jahr beim Bockbieranstich geehrt wird) aufgestiegen war. Viele Kotaus musste er machen, eine Unmenge an Bloßstellung, Verachtung und Demütigungen über sich ergehen lassen, quasi das Fegefeuer der bayrischen Politniederungen durchwaten, um sein Ziel zu erreichen: Wenigstens annähernd so groß zu werden wie der selige Franz-Josef, dessen Konterfei er schon als Schüler im Posterformat über seiner Dachschräge hängen hatte (was seine Liebschaften immer wieder verwirrte, wenn sie nach einer heißen Nacht mit „Maggus“, morgens beim Öffnen der Augen, diesem Übervater der Bayern in dieselben blicken mussten). Nur wer diese Nagelprobe bestand, konnte auf „Maggus`“ Liebe zählen. So war er halt schon immer der „Maggus“: Zielstrebig mit einem Schuss kotauscher Ironie.

In den Strauß`chen Fußstapfen sonnt er sich mit großer Vorliebe. Das zelebriert er tagtäglich. Erst vor kurzem folgte er der Einladung des Stellvertreters des derzeitigen „Großen Vorsitzenden“ und reiste mit einer Bayerndelegation nach China wie weiland FJS, der allerdings zu Mao. Nun war dies keine reine „L`art pour l´art Reise“, denn immerhin ist China für Bayern der weltweit wichtigste Handelspartner (man denke nur an Siemens und BMW). Man mag es eine Ironie der Geschichte nennen, aber das deutsche Kriegsschiff, das vor zwei Jahren im Rahmen der neuen deutschen Welt(kriegerei)politik im Südchinesischen Meer kreuzte, war die „Fregatte Bayern“. Kein Wunder also, dass Söder sich, für seine Delegation, die er nach China brachte, „Begleitschutz“ nannte. Die Chinesen begegneten diesen Irritationen ganz pragmatisch mit einer Charmeoffensive und schenkten ihm zum Kuscheln ein Pandabärlein aus Stoff, was er mit der ihm eigenen Softpower quittierte, indem er das Tierchen öffentlichkeitswirksam abknutschte. Ach, unser aller „Maggus“!

Wie sehr er das Doppelbödige beherrscht, zeigte sich auch innenpolitisch im Rahmen der Taurusdiskussion. Da machte er anlässlich eines Besuches der Taurusproduktionstätte in Bayern unmissverständlich klar, und zwar auch um der Arbeitsplätze willen, dass er die Zögerlichkeit des Kanzlers überhaupt nicht billigen könne. Ginge es nach ihm, würden Taurusmarschflugkörper umgehend an die Ukraine geliefert. Mit Verve reihte er sich ein in die bellizistische CDU/CSU – Riege um Merz, Kiesewetter und Co. und verbreitete so die permanent brachiale Politikbotschaft der Regierenden unserer Tage: Wir müssen alles tun, um den „neualten Erzfeind“ Russland zu besiegen. Dazu gehört dann auch, um Söders Chinaäußerung aufzugreifen, „Begleitschutz“, und zwar mit höchstem Risiko. Auch dem der direkten Konfrontation mit Russland und den damit nicht absehbaren Folgen für unser Land.


Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für seinen Nachfolger – das GEW-MAGAZIN.
Bild von Stefan Schweihofer auf Pixabay

 

 

„Driving home for Christmas“

Eine Satire von Gabriele Frydrych

„Endlich wieder Saison für mein Lieblingsgemüse!“, freut sich die Radio-Moderatorin. „Marzipankartoffeln!“ – Um mich herum fängt der Teil der Bevölkerung, der als „Frau gelesen werden will“ *), wild an zu backen und zu werkeln. Die lieblichsten weihnachtlichen Keks- und Pralinenvariationen entstehen. Nein, ich will das Rezept für die Mozarttaler mit Nougat und Marzipan nicht! Ich wiege schon genug.

Die Wurstverkäuferin trägt seit heute ein Rentiergeweih aus Filz, der Mann an der Kasse eine rote Zipfelmütze. Angeblich machen sie das freiwillig. Ich habe aber den Filialleiter in Verdacht. Meine Nachbarn liefern sich einen Wettstreit, wessen Haus am effektvollsten und am hellsten illuminiert ist.

Mal was von Lichtverschmutzung gehört?!  … weiter


Bild von Natascha auf Pixabay
Bild unten von Here and now, unfortunately, ends my journey on Pixabay auf Pixabay


 

An Weihnachten ist endlich Zeit für Satire:

Gaby Frydrychs gesammelte Werke im GEWerkschaftsMAGAZIN

Neumond, Gehenkte und heulende Wölfe

von Gabriele Frydrych

Das Spannendste an Klassenfahrten? Der Kölner Dom, das Modemuseum? Nein, es sind die Nächte. Wenn die Lehrkraft endlich schläft, huschen die lieben Kleinen durch die Flure, beschmieren sich mit Zahnpasta, belauern sich auf dem Klo und feiern kichernd Pyjama-Partys. Frühreife klettern aus dem Fenster und wandern zur Dorfdisco. Oder sie sitzen auf dem nächsten Hügel, rauchen und bellen den Mond an. Und vergessen, dass man nachts die Tür nicht mehr von außen öffnen kann. Die halblauten Bitten um Einlass hört natürlich auch die Lehrerin, die Rache für ihre gestörte Nachtruhe schwört. … weiter

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 


texte Bisherige Texte von Gaby Frydrych im GEWerkschaftsMAGAZIN

Bisherige Texte von Gaby Frydrych im Magazin Auswege

 

Marlon, das Wunderkind

von Gabriele Frydrych

Bei Youtube gibt es nicht nur diese anrührenden Katzenvideos, sondern auch Sitzgymnastik für Senioren, silikongestopfte Influencerinnen und jede Menge Wunderkinder. Wollen Sie für Ihre künstlerische Laientätigkeit am Klavier wissen, wie ein bestimmter Chopinwalzer klingen muss, geben Sie einfach den Titel im Youtube-Suchfeld ein. Mit Sicherheit ist bei den Pianisten, die jetzt aufploppen, ein kleines japanisches Mädchen dabei oder ein kleiner russischer Junge. Oder umgekehrt. Ungefähr drei, vier Jahre alt, trippelt das Kind zum Flügel. Hat ein Prinzesskleidchen an oder einen winzigen Samtanzug mit Rüschen. Süüüß!
Ein erwachsener Coach hebt das Kind auf den Hocker, stellt die richtige Höhe ein, Kinderbeine baumeln in der Luft – und los geht’s! Chopin, wie Sie ihn vermutlich nie performen werden. Mit winzigen Händen und großem Ernst. … weiter


Bild von Free-Photos auf Pixabay 

 

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