Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 7: Die Flucht aus der „Eiswüste der Abstraktionen“

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 7
Die Flucht aus der „Eiswüste der Abstraktionen“
„Wenn alles stinkt,
kann einer für sich allein nicht duften.“
(Katja Lange-Müller)
Donald Trump droht damit, die chinesische Smartphone-App Tiktok zu verbieten. Das Argument: Tiktok liefere die von den Nutzern abgefischten Daten an den chinesischen Staat. Was zum Teufel machen Facebook und Twitter mit den Daten ihrer Nutzer? Seit Snowdens Enthüllungen wissen wir darüber Bescheid, dass diese Plattformen aufs Engste mit dem NSA und anderen Diensten zusammenarbeiten. Aber das ist natürlich etwas ganz anderes. „Wir“ sind ja schließlich Demokraten. Facebook lieferte die Daten von Nutzern ohne deren Wissen an die Firma Cambridge Analytica, die mittels Targeted Advertising, das heißt zielgenauer Werbung und auf den jeweiligen Empfänger abgestimmten Fehlinformationen, den Wahlsieg Trumps erst möglich machte.
Auch beim Brexit hat sich dieses Vorgehen bewährt, und es steht zu fürchten, dass es Schule macht und die demokratische Willensbildung und politische Urteilskraft weiter unterminiert. Die Hauptgefahr droht der Demokratie nicht von den Rechtsradikalen, sondern von den weltumspannenden Tech-Konzernen, den sogenannten „Big Five“, und ihren Praktiken. … weiter
Clipart oben links von OpenClipart-Vectors auf Pixabay
☛ Alle bisherigen Texte von Götz Eisenberg im Magazin Auswege


„Ich fürchte mich. Gegen die Furcht
Kein Wunder: In der derzeitigen öffentlichen Diskussion wird das große Wort vom Verschwörungstheortiker nun als Synonym gebraucht für all diejenigen, die eine abweichende Meinung einbringen.
Ich denke im Moment, dass ich das Corona-Tagebuch langsam ausklingen lasse. Seit Mitte März, als Frau Merkel die Ausgangsbeschränkungen verkündete, schreibe ich unentwegt. Durchhalteprosa nenne ich für mich diese Form des Schreibens, ohne die ich es nicht aushalten könnte. Schreibend versuche ich, mir den ganzen Wahnsinn ein wenig vom Hals zu halten. Ich kann ja später auf das Tagebuch zurückkommen, falls die von Experten befürchtete zweite Welle über uns hereinbricht. Im Moment lassen die Leute alle Rücksichtnahmen fahren und verhalten sich, als wäre nichts gewesen.
Ich wandere durch meine Lieblingslandschaft. Margeriten, Wiesensalbei und Dotterblumen blühen und lassen die Wiesen in allen Farben des Frühlings leuchten. Da meine Lieblingsbank, die um diese späte Vormittagsstunde in der Sonne steht, besetzt ist, gehe ich weiter. Ich durchquere ein Tal, das ich bei mir das „Tal des mäandernden Baches“ nenne. Karl Valentin: „Das machen sie gern, die Bäch.“ Bis sie begradigt werden.