Ein Bochumer Team bietet erstmals ein Großgruppentraining online an

Mitteilung: Ruhr-Universität Bochum

Mit Fremden sprechen, auf Partys gehen, einen Vortrag halten, im Mittelpunkt stehen – für viele sozial Ängstliche sind solche Situationen ein unüberwindbares Hindernis. Dagegen hat ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ein eintägiges Online-Behandlungsprogramm entwickelt.

Um seine Wirksamkeit zu prüfen, suchen die Forscherinnen und Forscher des Lehrstuhls für klinische Psychologie und Psychotherapie unter der Leitung von Dr. André Wannemüller ab sofort 100 Betroffene, die am 14. November 2020 an dem kostenlosen Angebot teilnehmen möchten. Informationen gibt es im Internet und per Mail.

Neue Erfahrungen nehmen die Angst
Das Bochumer Team hat solche Großgruppenbehandlungsprogramme in den vergangenen Jahren schon erfolgreich bei Menschen mit sehr unterschiedlichen phobischen Ängsten durchgeführt, zum Beispiel bei Flugangst oder Zahnbehandlungsangst. „In diesem Projekt stehen soziale Ängste im Mittelpunkt des Trainings, was uns auch vor dem Hintergrund der aktuellen Coronakrise sinnvoll erscheint“, erklärt André Wannemüller. „Denn viele Menschen haben zuletzt weniger direkte soziale Kontakte gehabt, wodurch sich solche Ängste noch verstärken können.“

Alle angewandten Verfahren gleichen sich darin, dass sie an nur einem Tag durchführbar sind und auf der sogenannten Exposition basieren: Die Teilnehmer sollen direkt auf Tuchfühlung mit ihrer angstbesetzten Situation gehen. „Dadurch können sie in ihrer Angstsituation neue, angstnehmende Erfahrungen machen“, so der Studienleiter.

Online-Training im Test
Das Besondere an diesem Training ist, dass es auf die durch Corona bedingten Kontakteinschränkungen Rücksicht nimmt und daher online, per Videoschaltung stattfinden wird. Die Forscher interessieren sich in Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung deshalb auch dafür, ob die Wirksamkeit von Onlineprogrammen mit Großgruppenprogrammen vor Ort vergleichbar ist.

Theorie und Praxis
Im ersten Teil des Trainings erhalten die Teilnehmer Informationen zu der Entstehung sozialer Ängste, erfahren, welche Verhaltensweisen und Prozesse Ängste fördern und welche Bedeutung das Vermeiden sozialer Situationen hat. Der zweite, praktische Teil des Trainings besteht aus Übungen in kleineren Gruppen und zielt darauf ab, soziale Ängste zu überwinden.

Da das Training Teil eines Forschungsprojektes ist, wird es kostenlos angeboten. Zur Klärung weiterer relevanter Voraussetzungen werden alle Interessierten zu einem Vorgespräch eingeladen, das entweder per Videoschaltung oder telefonisch durchgeführt werden kann. Weitergehende Informationen zu den Inhalten des Trainings sowie allgemeinen und technischen Voraussetzungen stehen auf der Webseite.


Quelle:
31.8.2020
Meike Drießen
www.news.rub.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.