Bildungsgewerkschaft startet Aktionstage für bessere Lehrkräftebezahlung „JA13“ – bundesweit Aktionen bis 20. November

Frankfurt a.M. – Mit zahlreichen Aktionen erhöht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ab heute den Druck auf die Landesregierungen, für die gleiche Bezahlung aller voll ausgebildeten Lehrkräfte zu sorgen. „Sollte es noch eines Beweises bedurft haben, wie unverzichtbar die Arbeit von Lehrkräften ist: Die Corona-Pandemie erbringt ihn. Lehrerinnen und Lehrer sorgen dafür, dass das Lernen trotz mieser Bedingungen weiter geht. Sie haben Distanzlernkonzepte von der 1. bis zur 13. Klasse entwickelt. Sie sind früh aus dem Homeoffice zurückgekehrt und haben vor allem Eltern von jüngeren Kindern ermöglicht, arbeiten zu gehen. Das zeigt erneut: Die schlechtere Bezahlung der meisten Grundschul-, oft auch Sekundarschullehrkräfte gegenüber den Kolleginnen und Kollegen etwa an Gymnasien wird der Realität nicht gerecht“, betonte Frauke Gützkow, im GEW-Vorstand für die „JA-13-Kampagne“ verantwortlich, am Montag in Frankfurt a.M.

Mit der Kampagne setzt sich die GEW für die Bezahlung aller Lehrkräfte an Grundschulen und in der Sekundarstufe I nach A13 (Beamtinnen und Beamte) oder E13 (Angestellte) ein. Vieles, so Gützkow, sei bereits erreicht worden: Sieben Bundesländer hätten die Gleichstellung von Grundschullehrkräften eingeführt oder vereinbart. Jüngst habe Mecklenburg-Vorpommern zum laufenden Schuljahr A 13/E 13 an allen Schulen eingeführt, in Hamburg laufe das Gesetzgebungsverfahren für die Höhergruppierung. „Wichtige Schritte sind gemacht“, unterstrich Gützkow. „Umso bedauerlicher wäre es, wenn der Zug jetzt ins Stocken gerät.“ Mit Nordrhein-Westfalen habe eines der größten Bundesländer angekündigt, nur jede 20. Stelle an Grundschulen in eine A13-Beförderungsstelle umzuwandeln, statt alle Kolleginnen und Kollegen besser zu bezahlen. In Thüringen sei die Gleichstellung der Grundschullehrkräfte im Koalitionsvertrag vereinbart, nun blockiert Finanzministerin Heike Taubert (SPD) die Umsetzung.

Die GEW-Expertin für die JA-13-Kampagne kündigte an, die GEW-Mitglieder in den Ländern seien höchst motiviert, deutlich zu machen: „‘So billig kommen die Dienstherren nicht weg‘. Die Lehrkräfte haben zahlreiche, vielfältige Aktionen in petto, die mit den Corona-Abstands- und Hygieneregeln vereinbar sind.“

Das GEW-Vorstandsmitglied für Frauenpolitik erinnerte daran, dass die schlechtere Bezahlung vor allem Frauen treffe: „Rund 90 Prozent der Grundschul- und mehr als die Hälfte der Sekundarschullehrkräfte sind Frauen“, sagte Gützkow. Wie in anderen Berufen, in denen Heldinnen zwar beklatscht worden sind, aber weiter schlecht bezahlt werden, gehe es auch den Grundschullehrerinnen. Der jüngste Tarifabschluss für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen mache jedoch Mut: „Für den Pflegebereich ist ein gutes Ergebnis erkämpft worden. Offenbar gerät so langsam ins Bewusstsein der Arbeitgeber, dass Frauen professionelle Arbeit leisten, die besser bezahlt werden muss.“

Info: Immer noch werden in den meisten Bundesländern Grundschullehrkräfte, in einigen auch Lehrkräfte in der Sekundarstufe I, schlechter bezahlt als jene am Gymnasium. Für Grundschullehrkräfte ist A13/E13 in Brandenburg, Berlin, Sachsen und seit diesem Schuljahr auch in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt. In Bremen und Schleswig-Holstein sind Stufenpläne vereinbart. In Niedersachsen wurden zum laufenden Schuljahr Zulagen für Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte eingeführt.
Der JA13-Aktionszeitraum ist vom 9. bis zum 20. November geplant. Diese Aktivitäten laufen unter anderem im Rahmen der Kampagne: eine Social-Media-Kampagne, Aktionen vor Ort und Postkartenaktionen. Mehrere Landesverbände werden den mit der Corona-Pandemie noch einmal verschärften Lehrkräftemangel thematisieren – auch eine Folge der im Vergleich zu anderen Schulformen schlechteren Bezahlung der Grundschullehrkräfte. Zwei Beispiele: Die GEW Hessen plant, mit Pappfiguren die fehlenden Grundschullehrkräfte zu symbolisieren, in Niedersachsen ist eine Kampagne mit einem Klassenraumbild geplant, in dem die Lehrkraft fehlt.


9.11.2020
Ulf Rödde
Pressesprecher
GEW-Hauptvorstand
www.gew.de

 

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