GEW: „Schluss mit der Arbeitgeberwillkür – her mit dem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte!“

Bildungsgewerkschaft GEW zur neuen Studie über studentische Erwerbsarbeit in Hochschule und Forschung

Nach einer heute an der Universität Göttingen präsentierten Studie arbeiten studentische Beschäftigte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter unter besonders prekären Bedingungen. „Das ist Wasser auf die Mühlen der Bewegung für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte“, sagte Andreas Keller, Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zu den Ergebnissen der Studie am Dienstag in Frankfurt a.M. „Zwar haben die Gewerkschaften in der jüngsten Tarifrunde 2023 den Ländern eine ‚schuldrechtliche Vereinbarung‘ abgetrotzt, die für studentische Beschäftigte Mindestvertragslaufzeiten von einem Jahr vorsieht. Nun aber haben wir schwarz auf weiß, dass sich sehr viele Arbeitgeber an diese Vereinbarung, die anders als ein Tarifvertrag nicht individuell einklagbar ist, nicht halten. In 13 von 16 Bundesländern wird gerade einmal in gut der Hälfte der Arbeitsverträge die Mindestvertragslaufzeit eingehalten. Diesem Treiben wird die GEW nicht länger zusehen: Schluss mit der Arbeitgeberwillkür – her mit dem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte!“

Es sei „skandalös“, dass alle Bundesländer mit Ausnahme Berlins den bundesweit rund 300.000 studentischen Beschäftigten einen Tarifvertrag verweigern, unterstrich Keller. „Während die Regierungschefinnen und -chefs in Sonntagsreden Tariftreue und -bindung predigen, blockieren ihre Finanzministerinnen und -minister sowie Finanzsenatorinnen und -senatoren in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) eine Einigung mit den Gewerkschaften. Dabei kann die TdL nicht einmal sachliche Argumente gegen den Tarifvertrag vortragen. Sie spielt auf dem Rücken der studentischen Beschäftigten ein unanständiges Verantwortungs-Ping-Pong: Die Arbeitgeber verstecken sich hinter der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die angeblich strikt gegen einen Tarifvertrag sei. Die HRK sitzt bei den Tarifverhandlungen aber gar nicht mit am Tisch.“

Die Studie, so Keller, lege außerdem offen, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen selbst gesetzlich verbürgte Arbeitnehmerrechte systematisch missachteten. „Mehr als einem Drittel der studentischen Beschäftigten wird der gesetzliche Urlaubsanspruch vorenthalten. Fast die Hälfte der Befragten leistet regelmäßig unbezahlte Mehrarbeit. Fast ein Viertel hat schon einmal eine Zeit lang ohne Bezahlung gearbeitet. Das sind Wild-West-Methoden, denen wir endlich einen Riegel vorschieben müssen“, betonte der GEW-Experte.

Info: Die von Heiner Heiland (Universität Göttingen), Ann-Kathrin Hoffmann (Ruhr-Universität Bochum), Marvin Hopp (Universität Göttingen) und Nina Moya Schreieder (Humboldt-Universität zu Berlin) verfasste Studie „Jung, akademisch, (immer noch) prekär. Studentische Erwerbsarbeit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen“ beruht auf einer Befragung von fast 6.000 studentischen Beschäftigten im Zeitraum von Juni bis Oktober 2025. Die Studie, die die GEW und ver.di gefördert haben, kann hier heruntergeladen werden: https://publications.goettingen-research-online.de/handle/2/157827


27.1.2026
Ulf Rödde
GEW-Hauptvorstand
www.gew.de

 

„Schluss mit prekärer Wissenschaft an Hochschulen!“

Bildungsgewerkschaft GEW zum bundesweiten Hochschulaktionstag

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund und Länder aufgerufen, der prekären Lage von Beschäftigten und Studierenden durch konsequente Gesetzesreformen und ein faires Angebot in den laufenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder entgegenzuwirken. „Tausende Studierende und Beschäftigte gehen am heutigen Hochschulaktionstag auf die Straße, viele Beschäftigte streiken. Gemeinsam treten wir für eine umfassende Reform von Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) und BAföG, für deutliche Gehaltserhöhungen und einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TVStud) sowie für einen kräftigen Ausbau der Grundfinanzierung der Hochschulen ein“, sagte Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender und Hochschulexperte der GEW auf einer Kundgebung auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Weiterlesen