Bildungsgewerkschaft GEW zu den Vereinbarungen zwischen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten

Stellungnahme: GEW Hauptvorstand

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in den gestrigen Vereinbarungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder „Schritte in die richtige Richtung“. Sie warnt aber, dass „der Teufel im Detail steckt“.

„Es ist gut, dass zusätzliche Gelder in die Ganztagsbetreuung und den Digitalpakt Schule fließen. Einen echten Schwerpunkt in der Bildung setzt das Konjunkturpaket der Bundesregierung jedoch nicht“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Donnerstag in Frankfurt a.M. „Es ist richtig, dass sich der Bund jetzt auch an der Ausbildung und Finanzierung der IT-Administratoren beteiligt. Dies ist jedoch eine Daueraufgabe, die eine dauerhafte Unterstützung benötigt. Die Befristung ist nicht sachgerecht und lässt die Schulen mittelfristig im Regen stehen.“ Wenn die Endgeräte für die Schülerinnen und Schüler bis nach den Sommerferien bereitstehen sollen, müsse jetzt schnell und unbürokratisch gehandelt werden, mahnte Tepe: „Bisher haperte es gewaltig an den Weiterbildungsangeboten für die Lehrkräfte zum Thema Digitalisierung. In einer aktuellen GEW-Studie waren nur 18 Prozent der Lehrkräfte mit den Angeboten zufrieden. Deshalb muss die Weiterbildung endlich schnell ausgebaut und passgenauer werden. Nur mit guten Konzepten können die Schulen die neuen Aufgaben gut bewältigen.“

Tepe wies darauf hin, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung auch mit den zusätzlichen Mitteln längst nicht ausfinanziert sei. „Zudem ist nicht geklärt, woher die Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Erzieherinnen kommen sollen, die den Ganztag stemmen. Das Berufsbild dieser Professionen muss dringend aufgewertet, die Beschäftigten müssen besser bezahlt werden. Junge Menschen entscheiden sich nur für diese Berufe, wenn die Arbeitsbedingungen attraktiv sind“, betonte die GEW-Vorsitzende.

„Wir begrüßen, dass die Bürgerinnen und Bürger das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen zwei Menschen und die Hygieneregeln weiterhin einhalten sollen. Das muss auch für Schulen und Kitas gelten“, betonte Tepe. „Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen sind das A und O, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu schützen. Statt um die schnellste und weitestgehende Öffnung von Schulen zu wetteifern, muss die Zeit jetzt genutzt werden, um tragfähige Konzepte für einen Mix aus Präsenz- und Fernunterricht für die Zeit nach den Sommerferien zu entwickeln.“


18.6.2020
Ulf Rödde
Pressesprecher
GEW-Hauptvorstand
www.gew.de

 

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