Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 6

Zum Verhältnis von innerer und äußerer Polizei

Ein Drogeriemarkt auf dem Seltersweg versucht, den Zustrom der Kunden zu begrenzen und zu regulieren, indem man nur eine gewisse Anzahl von Einkaufswagen im Eingangsbereich bereitstellt und jeden Kunden auffordert, einen zu benutzen. Die anderen müssen vor der Tür warten, bis eine Kundin oder ein Kunde den Markt verlässt und eine Mitarbeiterin den entleerten Wagen desinfiziert und hinter der Eingangstür abstellt hat.

Da ich dringend eine Tafel dunkle Schokolade kaufen musste, die ich während des Schreibens benötige, wartete ich also brav auf einen freien Wagen, den ich dann durch beinahe leere Gänge zum Schokoladenregal schob. Ich legte eine Tafel schwarze Schokolade auf die Ladefläche des Wagens und schob ihn Richtung Kasse. Auch die hinter einer Plexiglaswand sitzende Kassiererin musste lachen, als sie die Tafel Schokolade sah, die sich im Einkaufswagen verlor. … weiter

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 5

Zaungäste des Fortschritts oder: Meine Quarantäne

In gewisser Weise habe ich gut reden. Im Grunde hat sich für mich durch die Corona-Regeln nichts oder nicht viel geändert. Ich lebe seit ewigen Zeiten in einer selbst auferlegten, freiwilligen Quarantäne – als Eremit, umgeben von Bücherregalen. Lesen und Schreiben, meine Haupttätigkeiten, kann man nur in ruhiger Abgeschiedenheit betreiben. Zwischendurch gehe ich in der Stadt und ihrer Umgebung umher und sammle Eindrücke, von denen ich schreibend und denkend zehre.

Seitdem ich begriffen habe, dass Theoriebildung nicht nur in Bibliotheken und an Schreibtischen stattfindet, sondern auch auf der Straße, treibe ich mich viel herum – mit offenen Augen und Ohren. Die Stadt ist meine ständige Empirie, Ethnologie des Inlands meine Lieblingsdisziplin. Linke Theoriebildung krankt seit eh und je daran, dass es ihr nur ungenügend oder gar nicht gelingt, ihre Begriffe nach unten, zu den Erfahrungen der Menschen und ihrem Alltagsleben hin zu öffnen…. weiter

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Die GEW Bayern hat am 3.4.2020 einen offenen Brief an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, z.H. von Herrn Staatsminister Prof. Dr. Michael Piazolo geschickt:

Offener Brief

Fürsorgepflicht und Gesundheitsschutz in Zeiten von Corona: Rücknahme von Teilen des „Piazolo-Pakets“ für ältere Kolleg*innen

Sehr geehrter Herr Minister,

im Zuge der Corona-Pandemie leisten Lehrerinnen und Lehrer im Freistaat Besonderes. In der Unterrichtsvorbereitung, beim Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien auf den unterschiedlichsten Wegen, in der Notfallbetreuung in den Schulen oder in der Bereitschaft, in anderen Einrichtungen (Stichwort Gesundheitsämter) zu helfen. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich schnell und zuverlässig auf die neue Situation eingestellt.

Wir freuen uns ausdrücklich, dass besondere Risikogruppen von unterschiedlichen Maßnahmen ausgenommen sind. So werden, wenn möglich Lehrkräfte mit betreuungsbedürftigen Kindern von der Notbetreuung ebenso ausgenommen wie schwangere Kolleg*innen oder Lehrkräfte über 60 Jahren. Dass gerade auch ältere Kolleg*innen zur Risikogruppe gehören, bestätigt das Robert-Koch – Institut:

„Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken (Immunseneszenz).“

Als wirksame Schutzmaßnahme von Risikogruppen schreibt ebenfalls das Robert-Koch-Institut:

„Besonders wichtig ist die größtmögliche Minderung des Risikos einer Infektion, zum Beispiel durch allgemeine Verhaltensregeln (Hände waschen, Abstand halten zu Erkrankten) und weitere Maßnahmen der Kontaktreduktion.“

Es ist davon auszugehen, dass der Coronavirus sich nach Öffnung der Schulen weiter verbreiten wird. Auch wenn aktuell noch unklar ist, wann und in welcher Form der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird, müssen die genannten Risikogruppen auch über dieses Schuljahr hinaus unter einen besonderen Schutz gestellt werden. Allein aufgrund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und der Verantwortung für den Gesundheitsschutz ist dies ein dringendes Gebot.

In Zusammenhang mit den geplanten Änderungen an Grund-, Mittel- und Förderschulen zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung, auch als sog. Piazolo-Paket bekannt, müssen aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) daher mindestents zwei Maßnahmen umgehend zurückgenommen bzw. geändert werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert:

1. Rücknahme der Maßnahme „Ruhestandsversetzung auf Antrag mit 65“

  • Die Ruhestandsversetzung auf Antrag mit 64 muss wieder möglich sein. Die Kolleg*innen, die das betrifft, können für dieses Schuljahr bis Pfingsten den Antrag noch stellen.

2. Alle Kolleg*innen über 57 Jahren können arbeitsmarktpolitische Teilzeit beantragen.

  • Die Kolleg*innen mit 57 Jahren erhalten die Möglichkeit arbeitsmarktpolitische Teilzeit zu beantragen und daher ihr Stundenmaß zu reduzieren. Dies mindert die Präsenz in den Schulen und damit die Ansteckungsgefahr.

Gerade in diesen Zeiten hat der Schutz besonders vulnerabler Gruppen die allerhöchste Priorität. Wir gehen davon aus, dass Sie das ähnlich sehen, und freuen uns, wenn die angedachten Maßnahmen zurückgenommen werden. Entsprechende Vorschläge zur Sicherung der Unterrichtsversorgung haben wir bereits mehrfach vorgestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Salzbrunn
Landesvorsitzender

gez. Ruth Brenner
Fachgruppe Grund- und Mittelschule

gez. Johannes Schiller
Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe


Download des Offenen Briefes als pdf-Datei

Ein Kommentar von Detlef Träbert

Auch wenn die Akzeptanz der Beschränkungen im Alltagsleben wegen des Corona-Virus groß ist, so gibt es doch immer wieder einmal Nachrichten über Verstöße. Da muss eine Corona-Party Jugendlicher von der Polizei aufgelöst werden, andernorts pöbeln Halbwüchsige gruppenweise Passanten vor einem Supermarkt an und in Süddeutschland werden Jugendliche gegen einen Gemeindevollzugsbediensteten handgreiflich, der sie beim gemeinsamen Aufenthalt in einem Freizeitpark kontrollieren will.

Warum kommen derlei Verhaltensweisen immer wieder vor allem bei Jugendlichen vor? … weiter

 

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 4

In Wohn-Haft

Die Corona-Turbulenzen haben dieser Tage aus den Tiefen meines inneren Sprachozeans einen Satz an die Oberfläche des Bewusstseins gespült, auf den ich vor vielen Jahren einmal gestoßen bin, und der dann in Vergessenheit geriet. Er stammt von Blaise Pascal, der ihn Mitte des 17. Jahrhunderts formulierte: „Alles Unglück der Menschen rührt von einer einzigen Ursache her: nicht unbeschäftigt in einem Zimmer sitzen zu können.“

Noch vor Kurzem hätte man diesen Satz als Mantra eines Sozialphobikers oder als Versuch einer philosophischen Rechtfertigung von Stubenhockerei abtun können. Nun aber, da wir alle zur Stubenhockerei verdonnert sind und wir den Preis für unsere Umtriebigkeit und rastlose Mobilität zu entrichten haben, können wir uns diesem Satz anders nähern. Vielleicht enthält er den Schlüssel zum Rätsel unserer gegenwärtigen Lage und kann uns auch die Richtung weisen, in der wir nach der Lösung der jetzt aufgeworfenen Fragen suchen können…. weiter

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Mitteilung: GEW Bayern

Ob Wohnheime für Geflüchtete, Jugendwohngruppen, Notaufnahmestellen oder Heime der Behindertenhilfe, überall ist das Bild gerade ähnlich: keine wirksamen Schutzmaßnahmen, kein koordiniertes Vorgehen und viele Ängste. Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert daher von der Politik die stationären Einrichtungen nicht alleine zu lassen, denn gerade hier leben viele Menschen, die zu den Risikogruppen zählen. Weiterlesen »

Mitteilung: DGB

Angesichts der Corona-Krise stehen die Beschäftigten in der Pflege und im Gesundheitswesen unter besonders großem Druck. Sie leisten unter besonderen Bedingungen und mit hohen Ansteckungsrisiken Beachtliches. Der DGB fordert, dass die Arbeitgeber ihre Fürsorgepflicht jetzt besonders ernst nehmen, die Beschäftigten besser schützen und damit die Versorgung sichern.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, sagte dazu am Mittwoch in Berlin: Weiterlesen »

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 3

Ein Lackmustest für die Demokratie

Den ganzen Winter über ist der botanische Garten geschlossen. Mit Frühlingsbeginn wird er wieder geöffnet. Normalerweise. Aber was ist in diesen Tagen schon normal? Als ich am Wochenende bei wunderbarem Sonnenschein und voller Vorfreude Richtung Altes Schloss geradelt war, stieß ich an der eisernen Pforte auf einen Aushang: Aufgrund der aktuellen Corona-Lage bleibt der Garten bis auf weiteres geschlossen!

Sollte man nicht gerade jetzt den Garten öffnen? Der botanische Garten wird bevorzugt von älteren Menschen aufgesucht, und den in ihre Wohnungen eingesperrten Menschen würde ein wenig frische Luft gut tun. Sie müssen sich ja nicht zu viert auf eine Bank setzen. … weiter

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