Der Kapitalismus zerstört systematisch menschliche Bindungen, die das einzig wirksame Gegenmittel gegen Gewalt sind

von Götz Eisenberg

In der Nacht zum 21.Juni 2020 zogen rund 500 junge Männer plündernd und randalierend durch die Stuttgarter Innenstadt. Auslöser soll eine Drogenkontrolle der Polizei gewesen sein. Die Süddeutsche Zeitung berichtet: „Bei 40 Geschäften wurden Schaufenster eingeschlagen, zwölf Streifen- und Mannschaftswagen der Polizei beschädigt. In neun Läden kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu Plünderungen. Etwa 20 Polizisten wurden bei den Ausschreitungen verletzt. Verantwortlich sind nach bisherigen Erkenntnissen junge Männer aus einem Milieu, das die Stadt als ‚Party- und Eventszene‘ beschreibt. Bislang wurden 24 Personen vorläufig festgenommen, unter ihnen sieben Minderjährige, zwölf mit deutschem Pass, ausschließlich Männer. ‚Gewalt ist männlich und betrunken‘, kommentierte dies Thomas Berger, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Stuttgart.“ … weiter

Bild von Dmitriy Gutarev auf Pixabay 
Tagebuch unten: Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay


Tagebuch

» Zu Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch «

 

2 Kommentare

  1. Günther Flaig

    Vandalismus oder Barbarei!
    Insgesamt würde ich die Einschätzung des Autors teilen, dass der Siegeszug des Neoliberalismus die wesentlichen Voraussetzungen für den zu beobachtenden Zerfall der bundesrepublikanischen Gesellschaft geschaffen hat.
    Es bleibt allerdings anzumerken, dass der von ihm zitierte Soziologe Oskar Negt sich meines Wissens nie von seinem Duzfreund Schröder öffentlich distanziert hat, der im wesentlichen in den rot-grünen Jahren die Grundlagen des Sozialstaats geschleift hat mit seinen Sozial- und Wirtschaftsreformen.
    Falls dem nicht so wäre, lasse ich mich gern eines besseren belehren.

  2. Eine Antwort von Götz Eisenberg

    Da Oskar Negt häufig auf seine Beziehung zu Schröder angesprochen wird, hat er sich im zweiten Band seiner Autobiographie, der Erfahrungsspuren heißt, ab Seite 272 dazu geäußert. Gegen Ende des Kapitels über seine Erfahrungen mit “philosophischer Politikberatung” heißt es: “Wie sollte ich auf den Gedanken kommen, eine Freundschaft mit einem Menschen aufzukündigen, nur weil er Bundeskanzler geworden ist und politische Fehler gemacht hat?”

    Und warum sollte ich Oskar Negt nicht mehr wertschätzen und zitieren, bloß weil er mit jemandem befreundet ist, der eine miese neoliberale Politik gemacht hat? Was sagt der Umstand, dass Negt mit Schröder befreundet war und ist, gegen den Wahrheitsgehalt der Negt’schen Sätze? Ich fühle mich in dieser Atmosphäre der Ambivalenz irgendwie heimisch, und mir ist die Negtsche Haltung zutiefst sympathisch. Wir sind alle prozessierende Widersprüche. Widersprüche muss man aushalten können, das gehört zum Leben. Das Streben nach Eindeutigkeit und Widerspruchsfreiheit führt zu Fanatismus und Engstirnigkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.