Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrer*innenberufs

Kommentar: Joscha Falck – GEW Roth-Schwabach

Die Ankündigungen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zur Sicherung der Unterrichtsversorgung vom 7. Januar 2020 sorgen in der Lehrer*innenschaft für massive Kritik. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben Widerstand angekündigt. Dass Grundschullehrkräfte ab dem kommenden Schuljahr eine Stunde mehr unterrichten müssen, die Teilzeitmöglichkeiten beschränkt und Sabbatjahre nicht mehr genehmigt werden, löst den Personalmangel, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Langfristig braucht es vor allem mehr junge Menschen, die den Beruf des Lehrers und der Lehrerin ergreifen wollen. Dazu muss die Attraktivität des Berufs massiv gesteigert werden. Die folgenden Vorschläge sind als Empfehlung an die Bildungspolitik zu betrachten.

Lehrkräfte sind mehr als staatliche Manövriermasse!

Wenn es Änderungen bezüglich der Stundenzahl, der Teilzeitregelung oder anderen Dienstangelegenheiten für Lehrkräfte gibt, sollten diese vom Arbeitgeber zuerst an die Beschäftigten weitergegeben werden. Für die Kommunikation gibt es Dienstwege in beide Richtungen. Dass Lehrkräfte diese Änderungen aus den Medien erfahren, ist kein zeitgemäßer und wertschätzender Umgang mit Mitarbeiter*innen. Arbeitsrechtlich ein Skandal ist es, wenn der Hauptpersonalrat bei dieser Frage einfach ignoriert und übergangen wird.

Alle Lehrkräfte sollten gleich verdienen – A13/E13 als Einstiegsgehalt für alle!

Das Eingangsgehalt aller Schularten sollte angeglichen werden. Zum einen handelt es sich um ein Gebot der Gleichberechtigung, der Fairness und der Wertschätzung. Zum anderen erhöht das die Motivation, auch nach dem Studium im Rahmen einer Sondermaßnahme/Nachqualifizierung noch Schulart zu wechseln und dort auch zu bleiben. Gehälter für Funktionsstellen müssten im Falle einer Erhöhung des Eingangsgehalts angeglichen werden (Abstandswahrung). Selbstredend müssen auch die Einstiegsgehälter für Fachlehrer*innen entsprechend angehoben werden.

Das Lehramtsstudium sollte angeglichen werden!

Um spätere Wechsel zwischen den Schularten zu erleichtern, sollte das Lehramtsstudium im Grund- bzw. Bachelorstudium für alle Schularten identisch sein. Erst mit dem Master sollte eine Spezialisierung in Primar- oder Sekundarstufe sowie nach der jeweiligen Schulart erfolgen. Dies böte zudem die Möglichkeit, allen Schularten einen größeren Anteil an Pädagogik, Psychologie, Didaktik und Praxiserfahrungen zukommen zu lassen.

Die Unterrichtsverpflichtung muss reduziert werden!

Lehrkräfte arbeiten in allen Schularten am Limit. Um die Unterrichtsqualität zu verbessern, Raum für Fortbildung, Schulentwicklung und individueller Beratung zu schaffen und um die Lehrer*innengesundheit sicherzustellen, sollte die Stundenzahl reduziert werden. Darüber hinaus sollte überprüft werden, ob das Pflichtstundenmodell noch zeitgemäß ist oder einer Revision unterzogen werden muss. In allen anderen Bereichen der Arbeitswelt sinken die Wochenarbeitsstunden. Bei Lehrkräften bislang nicht. Arbeiten Lehrkräfte trotzdem freiwillig mehr, muss diese Leistung entsprechend vergütet werden. Auf Wunsch kann ein Arbeitszeitkonto eingerichtet werden. Zur vorübergehenden Entschärfung des Personalmangels sollte die Stundentafel für Schüler*innen (!) gekürzt werden.

Große und schwierige Klassen brauchen zwei Lehrkräfte!

Um Schüler*innen im Unterricht gerecht zu werden, braucht es in vielen Klassen und Stunden Möglichkeiten des Team-Teachings. Dass diese Möglichkeit der Kooperation besteht, sollte an Schulen der Normalfall sein. Dazu braucht es mehr Personal und/oder speziell dafür vorgesehene Stunden, die speziell für die Zusammenarbeit in großen und/oder schwierigen Klassen ausgewiesen werden.

Schulen brauchen mehr pädagogische Fachkräfte!

In vielen Klassen braucht es kein Mehr an fachlichen Inhalten, sondern ein Mehr an pädagogischer Arbeit. Dazu sind Lehrkräfte nur teilweise ausgebildet und benötigen Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte. Pro Schulstufe sollte mindestens eine pädagogische Fachkraft zur Verfügung stehen. Die Jungendsozialarbeit an Schulen sollte darüber hinaus ausgebaut werden. Information, Prävention und Intervention auf sozialpädagogischen Themenfeldern gewinnen zunehmend an Bedeutung. Von Lehrkräften alleine kann das nicht geleistet werden!

Aktuell werden die Versäumnisse der Personalpolitik im Bildungswesen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Die jetzt angekündigten Maßnahmen in Bayern erhöhen die Unzufriedenheit, übersteigern die Arbeitsbelastung und erhöhen damit den Krankenstand. Die Versäumnisse der Personalpolitik werden damit auch die Schüler*innen zu spüren bekommen. Die Bildungspolitik ist aufgefordert, klug, mutig, langfristig und nachhaltig zu denken und zu handeln. Auch wenn dazu mehr Geld als bisher in die Hand genommen werden muss. Denn eines ist sicher: Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung. Keine Bildung!


10.1.2020
Joscha Falck
Vorsitzender

GEW Roth-Schwabach

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