Eine Satire von Gabriele Frydrych

Damals war es nur einer. Er stand bei jeder Demo am Rand und warnte mit seinen Schildern vor Eingriffen am Hirn und vor Totalüberwachung. Angeblich hatte man bei ihm schon Sender installiert. Aber wer? Helmut Schmidt? Franz-Josef Strauß?

Jung und ignorant, wie wir als Studenten waren, haben wir nur gegrinst. Dabei hatte der Mann mit den Sendern ja vielleicht schon damals Recht… Das war in den 70er Jahren. Regelmäßig trat bei den Demos auch eine Oma mit buntem Gehäkeltem auf, die freundlich-penetrant „Ficken für den Frieden“ propagierte.

Nun sind es viele. Und sie treten nicht nur im Fernsehen auf, sondern auch im näheren Umfeld. Studierte Menschen, die man bisher für zurechnungsfähig gehalten hat. Und sie stellen Vermutungen in den Raum, die die Spinnereien des „Mannes mit den Sendern“ bei weitem übertreffen. … weiter


zu Gaby Frydrychs Texten, die bisher im Magazin Auswege erschienen sind.

zu ihren neuen Texten im GEW-AN Magazin


Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

 

07. Mai 2020 · Kommentare deaktiviert für Im Krisenmodus · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , ,

Eine Satire von Gabriele Frydrych

Jung gegen Alt!“, kräht das Nachbarskind und hält ein Beil in der Hand. Mir wird ganz anders. Paul ist vier. Wenn ihm nun das Beil aus der Hand fällt? Sein Vater huldigt der freien Erziehung: „Man kann Kinder nicht vor schlechten Erfahrungen schützen, man kann sie nur entsprechend informieren.“

Hat der Vater das Kind auch darüber „informiert“, dass die Corona-Krise eigentlich nur ein Konflikt zwischen Jung und Alt ist? Ich bin froh, dass uns ein Zaun trennt! In unserer Waldsiedlung leben Familien (und Rentner) recht privilegiert. Wer einen eigenen Garten hat, kann dort z.B. Tischtennisplatten und Trampoline aufstellen. Diese Spielgeräte sind mittlerweile genauso Mangelware wie Hefe und Blumenerde…. weiter


Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

 

von Gabriele Frydrych

Im Feuilleton schreibt ein Journalist von „traumatisierten Jugendlichen“. Sicher meint er Kinder von drogenabhängigen Eltern, von psychisch kranken oder gewalttätigen Eltern. Nein, viel schlimmer: Die zarten Kinderseelen in diesem Artikel wurden in der Schule mit klassischen Dramen gequält. Schillers „Räuber“ und Kleists „Zerbrochener Krug“. Und als der Lehrplan ein Jahr später ein modernes Theaterstück vorschreibt, behandelt die Lehrerin Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“. Ein Stück aus dem Jahre 1956: Da stöhnt die Urgroßmutter hinterm Ofen: „Das hatten wir damals auch schon. Ist das immer noch so langweilig?“

Finn-Levin zitiert im Unterricht triumphierend diesen Ausspruch der Uroma. Die Deutschlehrerin denkt mal wieder resigniert an den großen Aufklärer Lichtenberg: „Ein Buch ist ein Spiegel. Wenn ein Affe hineinsieht, kann kein Apostel herausgucken.“ … weiter


Bild von Boris Mayer auf Pixabay

 

21. März 2020 · Kommentare deaktiviert für Total von der Rolle · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , ,

Die Liebe zum Klopapier in den Zeiten der Pandemie …


Total von der Rolle

Eine Glosse von Gabriele Frydrych

7.30 Uhr. Die optimale Zeit. Um sieben Uhr öffnet der Supermarkt und füllt die Regale auf. Jetzt schlägt meine Stunde! Zielstrebig steuere ich die Hygiene-Artikel an. Gähnende Leere im Regal. Viele Kunden, die ratlos durch die Gänge irren.

Am Tresen fragt mich der Wurstverkäufer nach meinen Wünschen: „Eine Packung Toilettenpapier!“ Er grinst müde: „Wissen Sie, was die Franzosen bunkern? Wein und Kondome! Die haben wenigstens Lebensgefühl. Und wir Deutschen hamstern Klopapier. Das ist doch abartig.“ Ein Herr in der Warteschlange will sofort umsiedeln: „Die Franzosen haben Stil! Lieber breitbeinig als engstirnig!“ … weiter


zu Gaby Frydrychs Texten, die bisher im Magazin Auswege erschienen sind.

zu ihren neuen Texten im GEW-AN Magazin


Bild von Shutterbug75 auf Pixabay

 

10. März 2020 · Kommentare deaktiviert für Botschaften aus dem Unterbewusstsein · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , ,

von Gabriele Frydrych

Eine Doppelstunde Deutsch in der 9. Klasse. Es hat längst geklingelt. Aber ich finde die vorbereiteten Aufgaben nicht. Ich wühle in den Papierbergen auf meinem Schreibtisch. Alles fliegt durcheinander: Karteikarten, Einkaufszettel, Urlaubsfotos, Hefter, Quittungen, Entschuldigungen.

Ich renne nervös mit dem Grammatikbuch die zwei Kilometer zum Kopierer im Nebengebäude. Am Gerät steht ein Kollege, der eine Freistunde hat und alle Zeit der Welt, seine Materialien für die nächsten Schuljahre herzustellen. Er lässt mir ungnädig den Vortritt. Meine Kopien werden blass und unleserlich. Was soll ich nur zwei Deutschstunden lang machen? Ich hasse Stegreifunterricht.

Ach, ich beginne einfach mit Erörterung. Ich schreibe an die Tafel: „Klassenfahrten sind sinnlose Vergnügungen und stehlen kostbare Unterrichtszeit“. Das regt die Jugendlichen hoffentlich auf und vertreibt schon mal eine ganze Stunde. Wenn ich jetzt nur den richtigen Raum und meine Schüler finden würde! Hinter jeder Tür sitzt ein anderer Kurs und schaut verwundert hoch. … weiter


  zu Gaby Frydrychs Texten, die bisher im Magazin Auswege erschienen sind.

zu ihren neuen Texten auf GEW-AN Magazin


Foto von VisionPic .net von Pexels
 
14. Februar 2020 · Kommentare deaktiviert für Die magische Welt der Oper · Kategorien: Kultur- und Lebenswege, Unterricht und Erziehung · Tags: ,

Eine Realsatire von Gabriele Frydrych

“Ich habe seltsame Grundsätze: Bevor man etwas verurteilt, sollte man es sich erst mal ansehen. Das hat mich in manch merkwürdiges Striptease-Lokal geführt, in Spelunken und Peep-Shows, zu einem deutschen Heimattreffen in Florida und zu Sendungen wie „Der Bachelor“, „Zwischen Tüll und Tränen“ und „Germanys Next Top Model“. …

Zu meinem Grundsatzprogramm gehört es auch, dass jede meiner Klassen ein Mal in die Oper geht. Ich selber ziehe das Theater vor, aber ich finde trotzdem, dass ein Opernbesuch zur Allgemeinbildung gehört.”

So beginnt Gaby Frydrychs Text über einen Opernbesuch mit ihrer 8. Klasse. Nach dem Besuch wurde ein Test geschrieben, im Ergebnis mit einer beeindruckenden Sammlung von Stilblüten, die Lehrkräfte,  aber auch alle anderen Zeitgenossen/innen gelesen haben sollten. … weiter


Bild von ian kelsall auf Pixabay


 

zu Gaby Frydrychs Texten, die bisher im Magazin Auswege erschienen sind.

 

10. Januar 2020 · Kommentare deaktiviert für Keine Angst vor „dziewięćdziesiąt dziewięć“! · Kategorien: Aktionen & Termine · Tags: , , ,

von Gabriele Frydrych

Auf der polnisch-deutschen Sommerakademie in Ustroń bereitet nicht nur das Sprachenlernen Kurzweil. Schöne Natur, reiche Kultur und spannende Diskussionen lassen die zwei Wochen wie im Flug vergehen

Warum gerade Polnisch?

„Uwaga, uwaga!“ Achtung, Achtung! Die temperamentvolle Lehrerin hält mal wieder eine sprachliche Stolperfalle für unsere Anfängergruppe bereit. Nein, einfach ist Polnisch nicht gerade. Aber Polen ist unser Nachbarland und von Berlin aus in einer Stunde erreichbar. Auch wenn viele Polen Englisch oder Deutsch sprechen – im Hotel in Augustów an der Grenze zu Litauen hilft einem das nicht unbedingt weiter. Außerdem hat man einen ganz anderen Bezug zu einem Land, wenn man dessen Sprache versteht und spricht. … weiter


Hinweis:
Die nächste deutsch-polnische Sommerakademie findet vom 17. bis 31.7.2020 statt.

Weitere Infos und Anmeldung:
https://www.gew.de/veranstaltungen/detailseite/sprachakademie-2020-in-ustronpolen/

Anmeldeschluss: 30.04.2020