Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 47: Kriegsfolgen

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 47

 

Kriegsfolgen

Aber man kann nur eine lebendige Gesellschaft verteidigen, und die Auflösung dieser Gesellschaft war schon zu weit fortgeschritten. Niemand glaubte mehr an irgend etwas, weil in Wahrheit nichts mehr möglich war …“
(Victor Serge)

Das, was mich bei der Lektüre von Victor Serges Buch Beruf: Revolutionär am meisten mitnimmt, ist, dass er seitenlang Menschen porträtiert, denen er während seines Aufenthaltes in der Sowjetunion begegnet ist, und jeweils am Schluss des Portraits steht: wurde 1936 oder 1937 erschossen. Und jeder dieser Erschossenen war ein Mensch. Serge schildert sie, weil er dankbar dafür war, dass sie gelebt haben und er sie kennenlernen durfte. „Der Mensch, wer auch immer er sei, und wäre er der letzte der Menschen, ‚Klassenfeind‘, Sohn oder Enkel von Bürgern, darauf pfeife ich; man darf nie vergessen, dass ein Mensch ein Mensch ist. Hier unter meinen Augen, überall, wird das jeden Tag vergessen, das ist das Empörendste, das Antisozialistischste, das es gibt.“ … weiter

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Allein

Eine Rezension von Günther Schmidt-Falck

Im Herbst 2021 erschien Daniel Schreibers neues Buch „Allein“. Der Journalist und Buchautor nahm sich – nicht nur wegen der Corona-Pandemie – eines hochaktuellen Themas an, das in den letzten Jahren brisanter und drängender wurde: die Einsamkeit und das Alleinsein.

Der Autor erzählt in dem Buch von seinen (Lebens-)Nöten und seinen Freuden, dem Umgang mit Freunden und Bekannten, seiner Arbeit und seinem Leben als Homosexueller. Ich hatte eigentlich eine Art Sachbuch erwartet, in dem Probleme mit Einsamkeit und „Isolierung“ beschrieben werden, wurde jedoch eines besseren belehrt. Allerdings fand ich schon bald, dass möglicherweise ein Buchtitel wie „Auf der Suche nach sich selbst und nach dem Lebenssinn“ den Inhalt präziser wiedergegeben hätte.

Schon nach den ersten Seiten dämmerte es mir, dass es Daniel Schreiber hauptsächlich um ein Alleinsein mit sich ging, und zwar als Single oder zu zweit in einer Partnerschaft. … weiter

 

Einsamkeit junger Erwachsener stieg in den letzten 40 Jahren leicht

Ein Team der Psychologie hat Studien seit 1976 ausgewertet

Bericht: Ruhr-Universität Bochum

Junge Erwachsene fühlen sich heute einsamer als früher – und das nicht erst seit Corona. Darauf deutet eine Auswertung von Studien zur Einsamkeit junger Erwachsener zwischen 1976 und 2019 hin, die ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführt hat. „Ein solcher Anstieg ist ein Warnsignal, da Einsamkeit ein zunehmendes Problem im jungen Erwachsenenalter zu sein scheint“, so Dr. Susanne Bücker vom Lehrstuhl Psychologische Methodenlehre an der Fakultät für Psychologie der RUB. Den oft verwendeten Begriff „Einsamkeitsepidemie“ bezeichnet das Forschungsteam dennoch als überdramatisierend, da die Effektgröße des Anstiegs relativ klein ist. Die Studie ist veröffentlicht in der Zeitschrift Psychological Bulletin vom Dezember 2021. … weiter


Quelle: news.rub.de

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 44: „Nulla dies sine linea“

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 44

 

„Nulla dies sine linea“

„Es muss eine unerhörte Zeit gewesen sein, als man sich füreinander interessierte.“
(Wilhelm Genazino)

Heute wurde bekannt, dass der Verleger Klaus Wagenbach am 17. Dezember gestorben ist. Ich bin ihm im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder begegnet. Einmal habe ich mit meinem Freund Lothar Baier, dessen Bücher Klaus Wagenbach verlegte, den Stand des Verlages auf der Buchmesse besucht, und wir haben eine Weile mit ihm geredet und ein Glas Rotwein getrunken. Auch Peter Brückners Bücher sind all die Jahre bei ihm erschienen. Mein in Berlin lebender Freund Claus berichtet, dass er im Radio im Laufe des heutigen Tages eine Meldung über den Tod Wagenbachs gehört habe, die mit dem Hinweis verbunden war: „Seine besondere Liebe galt Franz Kafka, bei dem er promoviert hatte.“ Das müsse, so hofft er, nicht kommentiert werden. … weiter

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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 43: Von der Anstrengung, auf der Höhe seines Zorns zu leben

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 43

 

Von der Anstrengung, auf der Höhe seines Zorns zu leben

„Kränkungen sollten in den Sand geschrieben werden,
anerkennende Worte als Inschrift auf Marmor.“
(John Berger)

Es geht mir schlecht heute, oder zumindest nicht gut. Nicht wegen der dritten Impfung, die ich letzten Freitag bekommen habe. Die hat mir einen Tag Kopfschmerzen beschert, sonst war da nichts. Nein, ich habe in letzter Zeit mehr und mehr das Gefühl, an einem Mangel an Alternativen zu ersticken. Die Wege zu einer vernünftigen Einrichtung der Gesellschaft erscheinen verrammelt und vernagelt. Ich leide am Scheitern unserer politischen Bemühungen und dem Verlust der öffentlichen Dimension meiner Existenz. Nächstes Jahr muss ich meine Versuche intensivieren, wieder mal Diskussionszusammenhänge herzustellen. Im Alter wächst die Gefahr der Entgesellschaftung und Vereinsamung. … weiter

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Mangelndes Vertrauen verschärft die Einsamkeitsspirale

Bericht: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Einsamkeit ist ein schmerzhaftes Gefühl. Wenn es länger anhält, kann es zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen führen. Forschende der Universitäten Bonn, Haifa (Israel) und Oldenburg haben nun herausgefunden, wie Einsamkeit mit einem reduzierten Vertrauen einhergeht. Dies schlägt sich in Veränderungen der Aktivität und Zusammenarbeit von verschiedenen Gehirnstrukturen nieder, vor allem der Inselrinde. Die Ergebnisse liefern damit Anhaltspunkte für Therapiemöglichkeiten. Sie sind nun in “Advanced Science” veröffentlicht. … weiter


Quelle:
www.idw-online.de
www.uni-bonn.de
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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 29: Kindesmissachtung 2.O

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 29

 

Kindesmissachtung 2.O

„Wenn wir nicht einfach in den Tag hinein leben, sondern uns unserer Existenz bewusst sein wollen, ist es unsere größte und zugleich schwerste Aufgabe, in unserem Leben einen Sinn zu finden.“
(Bruno Bettelheim)

Fast jedes Mal, wenn ich die Hängebrücke über die Lahn überquere, sehe ich junge Frauen oder Mädchen, die dort über dem Fluss ein Fotoshooting veranstalten. Sie treffen sich dort, um ein Posing für ihr Instagram- oder TikTok-Profil zu veranstalten. Sie sind meist total aufgebrezelt und aufwendig und grell geschminkt. Die Münder durch Lippenstift überdimensional groß, die Augen von künstlichen Wimpern überdacht. Die Posen, die sie einnehmen, wirken einstudiert, oft ziemlich lasziv. Der Kopf muss in eine bestimmte Haltung gebracht werden, die Haare werden in den Nacken oder über die Augen geworfen. Anleitungen, wie man ein Posing durchzuführen hat, findet man im Netz. Die Kids wirken wie Abziehbilder oder Klone ihrer Vorbilder, die sie Influencer nennen. Viele haben den Traum, selbst Influencerin zu werden, damit Geld zu verdienen und Zugang zu finden zu einer Welt des Luxus‘ und der Mühelosigkeit. … weiter

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„Von der Fähigkeit, allein zu sein“

 

Auf Bayern 2 (Bayerischer Rundfunk) wurde ein sehr hörenswerter Podcast (Autorin: Doris Weber, 26.2.2021) veröffentlicht:

Zur Lebenskunst gehört auch, mit sich allein sein zu können. Jetzt in der Corona-Zeit ist das besonders wichtig. Es ist ein Glück, allein sein zu können und eine Fähigkeit, die jeder Mensch erlernen kann.

zur Podcast-Seite auf Bayern 2 (24 Min.)

 

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