22. Juni 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 1: Die Melancholie des Scheiterns · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , , , ,

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 1

Die Melancholie des Scheiterns

„Die Menschen wollen uns nicht. Die Menschen wollen Ruhe.“ (Alfred Döblin)

„O wer einmal jemand anders sein könnte! Nur ne Minute lang.“ (Georg Büchner)

Allabendlich fallen die Krähen in die Stadt ein. Ihr Geschrei und Gekrächze erfüllt die Luft. Es sind hunderte, wenn nicht tausende. Man kann es schlecht schätzen, weil sie ständig umherfliegen. Manchmal landen sie auf den Dächern und in den Bäumen entlang des kleinen Flüsschens, das unweit meiner Wohnung vorüber fließt. Ich lausche eine Weile den abgehackten und keckernden Rufen der Vögel.

Das Ganze hat etwas Bedrohliches und erinnert (nicht nur mich) an Hitchcocks Vögel. Irgendwann fallen sie über uns her und die extrem klugen Vögel übernehmen den Laden, denke ich manchmal. Einstweilen fliegen sie mit Anbruch der Dunkelheit in einem lockeren, weiten Band davon zu ihren Schlafplätzen auf den Feldern außerhalb der Stadt. Eine Weile hört man noch vereinzelte Krächzlaute, dann sind auch die letzten Vögel verschwunden. Nun kann man auch die Amsel und das Rotkehlchen wieder vernehmen, deren Gesang vom Gekrächze der Krähen überlagert war. … weiter

Clipart oben links von OpenClipart-Vectors auf Pixabay 
Foto rechts von ArtTower auf Pixabay 


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29. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 22: Mummenschanz · Kategorien: Meinungen und Kommentare, Politik und Gesellschaft · Tags: , , , , , , ,

Tagebuch

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 22

Mummenschanz

Noch immer ist strahlendes Frühlingswetter. Ich fahre mit dem Rad aus der Stadt heraus. Ich raste auf einer Bank. Im Gebüsch hinter der Bank singt eine Nachtigall, deren Repertoire unglaublich variantenreich ist und die das Leben bejubelt. Ich lausche ihr eine Weile. Eine Dame, die ihren Hund spazieren führt, redet auf mich ein. Die Leute haben unter der Kontaktsperre einen großen Redebedarf. Dann fahre ich weiter. Auf den weiten Feldern vor dem Kinzenbacher Forst stehen Feldlerchen in der klaren Luft und lassen ihr Trillern erklingen. Zwischendurch führen sie übermütig ihre Flugkünste vor. Ihre flatternd aufgefangenen Sturzflüge sind Teil der Balz. Über all diesen Vogelbeobachtungen liegt ein melancholisches Noch: Noch gibt es sie; wer weiß, wie lange noch? … weiter

Tagebuch oben links: Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay
Bild von wal_172619 auf Pixabay


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