Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 43: Von der Anstrengung, auf der Höhe seines Zorns zu leben

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 43

 

Von der Anstrengung, auf der Höhe seines Zorns zu leben

„Kränkungen sollten in den Sand geschrieben werden,
anerkennende Worte als Inschrift auf Marmor.“
(John Berger)

Es geht mir schlecht heute, oder zumindest nicht gut. Nicht wegen der dritten Impfung, die ich letzten Freitag bekommen habe. Die hat mir einen Tag Kopfschmerzen beschert, sonst war da nichts. Nein, ich habe in letzter Zeit mehr und mehr das Gefühl, an einem Mangel an Alternativen zu ersticken. Die Wege zu einer vernünftigen Einrichtung der Gesellschaft erscheinen verrammelt und vernagelt. Ich leide am Scheitern unserer politischen Bemühungen und dem Verlust der öffentlichen Dimension meiner Existenz. Nächstes Jahr muss ich meine Versuche intensivieren, wieder mal Diskussionszusammenhänge herzustellen. Im Alter wächst die Gefahr der Entgesellschaftung und Vereinsamung. … weiter

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Einwanderungsfeindliche Haltung hält dem Realitätscheck nicht stand

Studie: Ablehnung von Migration und Zulauf zur extremen Rechten sind in Regionen mit viel Einwanderung schwächer

Bericht: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Nach der Ankunft von über einer Million Geflüchteter in Deutschland 2015/16 zeigte sich auf der lokalen Ebene ein freundlicheres Bild als beim Blick auf die bundesweite Lage, die von einer Zunahme fremdenfeindlicher Haltungen und Gewalt sowie dem Zulauf zur rechtspopulistischen Partei AfD geprägt war. Gerade in Kreisen, in denen besonders viele Geflüchtete angesiedelt wurden, zeigten sich eine höhere Akzeptanz von Immigration und stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt. Zu diesem Ergebnis kommen WZB-Forschungsprofessor David Brady, Marco Giesselmann von der Universität Zürich und Tabea Naujoks von der Berliner Hertie School bei der Auswertung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2009-2017. Weiterlesen

Gegen den Strich und mitten ins Herz

Rezension von Juli Zehs neuestem Roman „Über Menschen“

von Monika Falck

„Über Menschen“, der neue Roman von Juli Zeh, lag auf meinem Geburtstagstisch. Obwohl ich neugierig war, da ich Juli Zehs Bücher sehr schätze, blieb das Buch erst mal liegen. Ob ich schon ahnte, was da auf mich zukommen sollte? Als ich dann aber endlich zu lesen begann, konnte ich nicht mehr aufhören. Und geriet in einen Strudel der unterschiedlichsten Gefühle. Am Ende blieb jedoch vor allem eines: Begeisterung. … weiter

Radikale Rechte und vernachlässigte Mitte

Proteste gegen die Corona-Maßnahmen haben Potenzial für weitere Radikalisierung

Bericht: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung fanden nicht nur am rechten Rand Zustimmung, sondern auch in einer politischen Mitte, die sich von den etablierten Parteien nicht repräsentiert sieht und der Politik misstraut.

Forschende des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) um Edgar Grande und Swen Hutter vermaßen zum ersten Mal bundesweit repräsentativ das Mobilisierungspotenzial dieser Proteste. Ihre Studie zeigt auch ein erhebliches Risiko für eine weitere politische Radikalisierung des Protests: „Diejenigen, die Verständnis für die Proteste äußern, sind zugleich überdurchschnittlich offen für Verschwörungsideologien“, erklärt Edgar Grande.  …weiter

Die Studie „Alles Covidioten? Politische Potenziale des Corona-Protests in Deutschland“ ist als WZB Discussion Paper erschienen.


Quelle: www.wzb.eu

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 23: Im Nirwana des Geldes

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 23

 

Im Nirwana des Geldes

„Wenn man mich im Zenit meines Lebens fragt:
Hast du mit fünfzehn Jahren geträumt,
das zu werden -, was werde ich antworten?“
(André Gorz)

Eben hörte und sah ich die ersten Kraniche des Jahres. Die keilförmige Formation flog knapp unter der Wolkendecke nach Norden. Wenn das kein Zeichen ist, dass der Frühling naht! Ich wüsste gern, was die Kraniche sich während des Fluges zu erzählen haben. Keinen Augenblick schweigen sie, ihr trompetenartiges Geschrei begleitet ihren Flug. Vielleicht schreit einer zum Beispiel: „Hey du, du könntest auch mal an der Spitze fliegen und Führungsarbeit leisten. Du fliegst jetzt seit Süddeutschland in meinem Windschatten.“ Oder sie diskutieren, ob sie in den Lahnauen eine Pause einlegen sollen, um nach Nahrung zu suchen. … weiter

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Ausländerfeindlichkeit sinkt, aber alte Ressentiments sind gepaart mit neuer Radikalität

Leipziger Autoritarismus-Studie 2020 veröffentlicht

Bericht: Universität Leipzig

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hat abgenommen, aber es gibt ein dauerhaft hohes Niveau bei rechtsextremen Einstellungen. Zu beobachten ist zudem eine „Radikalisierung und Enthemmung unter extremen Rechten“.

Das sind zentrale Ergebnisse der repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“. Prof. Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig präsentierten die Studienergebnisse am 18. November  in der Bundespressekonferenz in Berlin. Die Studie, in der auch der Glaube an Verschwörungstheorien thematisiert wird, entstand in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Otto Brenner Stiftung. … weiter

Direktdownload: Leipziger Autoritarismus-Studie 2020 – Autoritäre Dynamiken (Pdf-Datei ∙ 2 MB)


Quelle: www.uni-leipzig.de
Grafik: ©Universität Leipzig

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 13: Vom Schlafen im Kanonenrohr und der Normalisierung des Grauens

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 13

Vom Schlafen im Kanonenrohr und der Normalisierung des Grauens

„Zu der Bettlerin, die zudringlich wurde,
sagt die Besitzerin des Restaurants, und
sie zeigt dabei auf die Langusten essenden Gäste:
‚Versetzen Sie sich doch in die Lage dieser Herrschaften.‘“
(Albert Camus)

In Hamburg hat am 4. Oktober, also fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Anschlag von Halle, ein 29-jähriger Mann vor einer Synagoge mit einem Klappspaten auf einen jüdischen Studenten eingeschlagen. Das Opfer erlitt erhebliche Kopfverletzungen. Der Täter ist ein sogenannter Deutschrusse, trug eine Bundeswehruniform und führte in der Hosentasche ein selbst gemaltes Hakenkreuz mit sich. Ich vermute, dass der Mann nicht nur den Klappspaten und die Uniform, sondern auch seine politische Prägung von der Bundeswehr bezogen hat.

Wieder wurde der Mann flugs zum Einzeltäter erklärt, nach seiner psychischen Störung wird noch gefahndet. Insgesamt schien mir das mediale Echo gering. Es muss offenbar jemand zu Tode kommen, damit die Empörungsmaschinerie anspringt. Die von Herbert Marcuse zu Zeiten des Vietnamkriegs beobachtete „Normalisierung des Grauens“ ist auch im Feld des Antisemitismus zu beobachten. Wir gewöhnen uns daran, dass in unserem Land wieder Juden attackiert werden. … weiter

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Rechtsextremismus in der Schule

Bericht: Friedrich-Schiller-Universität Jena

Politikwissenschaftler der Universität Jena veröffentlicht gemeinsam mit Rostocker Kollegin praxisnahe Hilfestellung für Pädagoginnen und Pädagogen

Schule übernimmt neben ihrer Rolle als reiner Wissensvermittler auch eine ganz besondere gesellschaftliche Aufgabe: In den Schulgesetzen der Länder ist in der Regel der Auftrag verankert, den Unterricht so zu gestalten, dass Schülerinnen und Schüler im Geiste von Demokratie und Völkerverständigung lernen können. Das befähigt junge Menschen, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die freiheitlich demokratische Grundordnung mitgestalten zu können. Darin eingeschlossen ist somit auch die Auseinandersetzung mit drohenden und bereits existierenden rechtsextremistischen Tendenzen.

Wie Pädagoginnen und Pädagogen an Schulen dem begegnen können, darüber informiert der Politikwissenschaftler Michael May von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einem neuen Buch, das er gemeinsam mit seiner Kollegin Gudrun Heinrich von der Universität Rostock veröffentlicht hat. … weiter


zum Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeit


Quelle: www.idw-online.de | www.uni-jena.de

 

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