Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 33: Ein Rotmilan kreist über dem Dorf

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 33

 

Ein Rotmilan kreist über dem Dorf

„Einen erstklassigen Kopf erkennt man daran, dass er in der Lage ist, zwei widersprüchliche Gedanken gleichzeitig zu denken, und trotzdem noch funktioniert. Man sollte beispielsweise in der Lage sein zu erkennen, dass die Lage hoffnungslos ist, und dennoch entschlossen sein, das zu ändern.“
(Scott Fitzgerald)

Am Dienstag bin ich unten am Zeltplatz der Sportjugend schwimmen gegangen. Eine steinerne Treppe führt ins Wasser. Ein recht großes Segelboot hatte am Geländer dieser Treppe festgemacht, und ich musste über das Tau steigen, um ins Wasser zu gelangen. Irgendwann kamen zwei alte Männer von einer Wanderung zurück und stiegen an Bord. Sie entschuldigten sich für die unbeabsichtigte Sperrung der Treppe. Sie seien Freunde seit der Uni, erzählten sie mir, und jedes Jahr gingen sie ein paar Tage gemeinsam segeln. Beneidenswert so eine beständige Freundschaft.

Nach dem Bad habe ich noch ein paar Seiten gelesen und mich dann an den Aufstieg gemacht, einen ganz steilen Weg hinauf. So gegen 17 Uhr kam ich in der Pension an, hab Spargel und Kartoffeln geschält, Kräuter geholt und kleingewiegt. Es wurde ein tolles Abendessen. … weiter

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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 20: „Die soziale Revolution ist keine Parteisache!“

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 20


„Die soziale Revolution ist keine Parteisache!“

Erinnerung: der Raum, in dem etwas
zum zweiten Mal geschieht.“
(Paul Auster)

Safranskis Hölderlin-Biographie habe ich entnommen, dass sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Zahl derer, die lesen konnten, verdoppelte. Zukünftige Historiker werden feststellen, dass sich diese Fähigkeit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts im Zuge der Digitalisierung wieder zurückbildete.

***

Da, wo vor Kurzem noch Dr. Wodarg auf dem Pflaster stand, steht heute Prof. Ruppert. Die Corona-Leugner treiben eine neue Sau durchs Dorf. Aber es muss natürlich eine akademische Sau sein, mit Titel. Die Respektabilitätskechtschaft ist bei ihnen genauso ausgeprägt wie beim Rest der Bevölkerung. Erfrischend anarchisch dagegen Oscar Wilde, der sinngemäß sagte: Mit den Titeln ist es wie mit den Hämorrhoiden: Irgendwann bekommt sie jedes Arschloch!
In Zürich sah ich mal, dass jemand über die Schilder mit den Berufen, Funkionen und akademischen Graden der Mieter, die neben der Haustür angebracht waren, ein dickes, rotes Na und? gesprüht hatte. Der Anarchismus will die Herren abschaffen, die rebellierenden Staatswichtel sehnen sich nach neuen. … weiter

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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 1: Die Melancholie des Scheiterns

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 1

Die Melancholie des Scheiterns

„Die Menschen wollen uns nicht. Die Menschen wollen Ruhe.“ (Alfred Döblin)

„O wer einmal jemand anders sein könnte! Nur ne Minute lang.“ (Georg Büchner)

Allabendlich fallen die Krähen in die Stadt ein. Ihr Geschrei und Gekrächze erfüllt die Luft. Es sind hunderte, wenn nicht tausende. Man kann es schlecht schätzen, weil sie ständig umherfliegen. Manchmal landen sie auf den Dächern und in den Bäumen entlang des kleinen Flüsschens, das unweit meiner Wohnung vorüber fließt. Ich lausche eine Weile den abgehackten und keckernden Rufen der Vögel.

Das Ganze hat etwas Bedrohliches und erinnert (nicht nur mich) an Hitchcocks Vögel. Irgendwann fallen sie über uns her und die extrem klugen Vögel übernehmen den Laden, denke ich manchmal. Einstweilen fliegen sie mit Anbruch der Dunkelheit in einem lockeren, weiten Band davon zu ihren Schlafplätzen auf den Feldern außerhalb der Stadt. Eine Weile hört man noch vereinzelte Krächzlaute, dann sind auch die letzten Vögel verschwunden. Nun kann man auch die Amsel und das Rotkehlchen wieder vernehmen, deren Gesang vom Gekrächze der Krähen überlagert war. … weiter

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