Neue Studie über rechte Gewalt und Prävention erschienen

Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin veröffentlicht Studie über die Entwicklung rechter Gewalt in Berlin

Bericht: Technische Universität Berlin

Unter dem Titel „Rechte Gewalt und Prävention. Berliner Erfahrungen 2015 bis 2017“ hat die Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin eine neue Studie publiziert. Darin haben Dr. Michael Kohlstruck und sein Team die Themen Prävention und Bekämpfung von rechter Gewalt wissenschaftlich untersucht und ausgewertet. Die Studie ist im Auftrag der „Landeskommission Berlin gegen Gewalt“ entstanden und wurden von der Landeskommission teilfinanziert. … weiter


Die Studie (BFG Nr. 72) steht kostenfrei zum Download bereit:
https://www.berlin.de/lb/lkbgg/publikationen/berliner-forum-gewaltpraevention/2020/


Quelle:
www.idw-online.de
www.tu-berlin.de

GEW und VBE: „Nie wieder“ – in Zeiten des Abstands digital gedenken Bildungsgewerkschaften zum „Internationalen Holocaust Gedenktag“

Mitteilung: GEW

Frankfurt am Main/Berlin – Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verweisen zum „Internationalen Holocaust Gedenktag“ auf die Möglichkeit, die vielfältigen virtuellen Angebote zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu nutzen. Sie betonen: „Es macht einen ganz besonderen Eindruck, an den Orten des Verbrechens zu gedenken und die Stimmung dort auf sich wirken zu lassen. Doch auch digitale Angebote können und sollten ihren festen Platz bei der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus in der Bildungsarbeit haben. Denn nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie, sondern auch im Kontext dessen, dass es immer weniger Zeitzeuginnen und -zeugen gibt, sind diese eine gute und vor allem niedrigschwellige Alternative, um die Erinnerung im Unterricht und in der Freizeit wach zu halten.“ Weiterlesen

Ausländerfeindlichkeit sinkt, aber alte Ressentiments sind gepaart mit neuer Radikalität

Leipziger Autoritarismus-Studie 2020 veröffentlicht

Bericht: Universität Leipzig

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hat abgenommen, aber es gibt ein dauerhaft hohes Niveau bei rechtsextremen Einstellungen. Zu beobachten ist zudem eine „Radikalisierung und Enthemmung unter extremen Rechten“.

Das sind zentrale Ergebnisse der repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“. Prof. Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig präsentierten die Studienergebnisse am 18. November  in der Bundespressekonferenz in Berlin. Die Studie, in der auch der Glaube an Verschwörungstheorien thematisiert wird, entstand in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Otto Brenner Stiftung. … weiter

Direktdownload: Leipziger Autoritarismus-Studie 2020 – Autoritäre Dynamiken (Pdf-Datei ∙ 2 MB)


Quelle: www.uni-leipzig.de
Grafik: ©Universität Leipzig

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 13: Vom Schlafen im Kanonenrohr und der Normalisierung des Grauens

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 13

Vom Schlafen im Kanonenrohr und der Normalisierung des Grauens

„Zu der Bettlerin, die zudringlich wurde,
sagt die Besitzerin des Restaurants, und
sie zeigt dabei auf die Langusten essenden Gäste:
‚Versetzen Sie sich doch in die Lage dieser Herrschaften.‘“
(Albert Camus)

In Hamburg hat am 4. Oktober, also fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Anschlag von Halle, ein 29-jähriger Mann vor einer Synagoge mit einem Klappspaten auf einen jüdischen Studenten eingeschlagen. Das Opfer erlitt erhebliche Kopfverletzungen. Der Täter ist ein sogenannter Deutschrusse, trug eine Bundeswehruniform und führte in der Hosentasche ein selbst gemaltes Hakenkreuz mit sich. Ich vermute, dass der Mann nicht nur den Klappspaten und die Uniform, sondern auch seine politische Prägung von der Bundeswehr bezogen hat.

Wieder wurde der Mann flugs zum Einzeltäter erklärt, nach seiner psychischen Störung wird noch gefahndet. Insgesamt schien mir das mediale Echo gering. Es muss offenbar jemand zu Tode kommen, damit die Empörungsmaschinerie anspringt. Die von Herbert Marcuse zu Zeiten des Vietnamkriegs beobachtete „Normalisierung des Grauens“ ist auch im Feld des Antisemitismus zu beobachten. Wir gewöhnen uns daran, dass in unserem Land wieder Juden attackiert werden. … weiter

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Alle bisherigen Texte von Götz Eisenberg im Magazin Auswege

Alle aktuellen Texte von Götz Eisenberg im GEW-AN Magazin

 

Schulen müssen diskriminierungsfreie Orte zur Förderung des sozialen Miteinanders sein – Antisemitismus darf in der Schule keinen Raum haben

Gemeinsames Forschungsprojekt von Schul- und Bildungsministerium, Staatskanzlei und der Ruhr-Universität Bochum

Mitteilung: Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Landesregierung teilt mit:

Gemeinsam gegen Antisemitismus: Um Schulen in ihrer Präventionsarbeit zu unterstützen, soll das Thema Antisemitismus in der Schule wissenschaftlich besser erforscht werden. Dazu hat Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer heute gemeinsam mit der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, und dem Rektor der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Axel Schölmerich, die Kooperationsvereinbarung zum Forschungsprojekt „Antisemitismus als soziales Phänomen in der Institution Schule“ unterzeichnet.

Mithilfe von Unterrichtsbeobachtung soll erforscht werden, in welchen schulischen Handlungs-, Verhaltens- und Wissensräumen sich Antisemitismus äußert und wie eine nachhaltige Bildungsarbeit in diesem Zusammenhang ihre Wirkung entfalten kann. Durch Grundlagenforschung sowie einer empirischen Studie in Schulen vor Ort sollen Erkenntnisse gewonnen werden, auf deren Basis Schulen zukünftig noch zielgenauer in ihrer Präventions- und Interventionsarbeit unterstützt werden können. Weiterlesen

Antisemitismus an deutschen Schulen: Wie Lehrkräfte gegensteuern können

Bericht: Frankfurt University of Applied Sciences (UAS)

Nicht erst seit dem Anschlag auf die Synagoge von Halle am 9. Oktober 2019 ist das Thema Gewalt gegen Jüdinnen und Juden und Antisemitismus in der Öffentlichkeit verstärkt sichtbar geworden. Auch an vielen deutschen Schulen ist Antisemitismus offenkundig: „Du Jude“ ist ein häufig benutztes Schimpfwort, Bedrohung, Stigmatisierung und Gewalt gehören zum Alltag jüdischer Schüler/-innen.

Die Soziologin Prof. Dr. Julia Bernstein vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) hat 2018 erstmals eine sozialwissenschaftliche qualitative Untersuchung1 vorgelegt zu der Frage, wie Jüdinnen und Juden Antisemitismus in Schulen erfahren und wie Lehrkräfte damit umgehen. Die Studie, die an die Ergebnisse der 2017 veröffentlichten Untersuchung2 „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland“ anschließt, liegt nun in deutlich erweiterter Fassung als Buch vor. Es fasst Erscheinungsformen von Antisemitismus, aktuelle Forschungsbefunde und Problemschwerpunkte zusammen. Ergänzend dazu finden sich Selbsttests in Quizform und konkrete Empfehlungen als „Handlungskoffer“ für pädagogische Fachkräfte. … weiter

Handlungsempfehlungen (Untersuchung 1) für Lehrkräfte:
Direktdownload als pdf-Datei: „,Mach mal keine Judenaktion!‘: Herausforderungen und Lösungsansätze in der professionellen Bildungs- und Sozialarbeit gegen Antisemitismus“ 

Die gesamte Studie (Untersuchung 2) ist nachzulesen unter:
Direktdownload als pdf-Datei:
https://uni-bielefeld.de/ikg/daten/JuPe_Bericht_April2017.pdf


Quelle:
www.idw-online.de
www.frankfurt-university.de

 

 

Erschreckender Anstieg der Straftaten im Feld der „Hasskriminalität“

Bericht: amnesty international

Für Amnesty International beweist die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität für das Jahr 2019, dass der Kampf gegen rassistische und antisemitische Angriffe nicht nur zur Chefsache erklärt werden darf – diesem Signal müssen dringend Taten in Bund und Ländern folgen.

Anlässlich der Statistik der politisch motivierten Kriminalität (PMK) für das Jahr 2019 fordert Amnesty International die Innenbehörden dazu auf, den Kampf gegen Rassismus sowie gegen rassistische und antisemitische Gewalt zur prioritären Daueraufgabe zu machen. Weiterlesen

Wer von Neonazismus redet, kann über den Kapitalismus nicht schweigen

Einige Anmerkungen zur Heuchelei und Hilflosigkeit gegen rechts

von Brigitte Pick

Am 27. Januar 2020 jährte sich zum 75-mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Vor unserem Wohnhaus in Friedenau befinden sich zwei Stolpersteine in Gedenken für das jüdische Ehepaar Matzdorf, das seit 1926 hier wohnte und zwei Töchter hatte.

Dr. Martin Matzdorf war Richter am Amtsgericht Berlin- Tempelhof, seine Frau ließ sich an der Kunstgewerbeschule ausbilden.. Ab April 1933 war Dr. Martin Matzdorf zwangsweise beurlaubt, ab November 1933 erhielt er Berufsverbot nach § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit Ruhegehalt von 293 RM netto monatlich. Dr. Martin Matzdorf wurde zur Zwangsarbeit herangezogen.

Er war als Arbeiter für die Firma Schubert in Reinickendorf tätig und erhielt hierfür einen Wochenlohn von ca. 20 RM netto. Ab Februar 1941 musste das Ehepaar Matzdorf zwei jüdische Untermieterinnen aufnehmen, ehe sie am 1. November 1942 die Wohnung verlassen mussten, um zwangsweise in ein möbliertes Zimmer bei einem jüdischen Hauptmieter in der Nähe umzuziehen. Am 14. Dezember wurden die Eheleute Matzdorf nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. … weiter

Bild von WikimediaImages auf Pixabay


=> Zum Schmökern: Alle bisherigen Texte von Brigitte Pick im Magazin Auswege

 

 

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