Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 5

Celebro, ergo sum

„Es gibt ein Recht auf Party“
(Eine Barfrau aus Ischgl)

Seit gestern bin ich in einem Dorf am nordhessischen Edersee und wohne in einer kleinen Familien-Pension. Das Dorf liegt abseits der Straßen auf einer Anhöhe und hat etwa 150 Einwohner. Vor circa fünfzehn Jahren war ich zum ersten Mal hier. Ein Gefangener hatte per anonymen Schreiben mitgeteilt, dass ein anderer Gefangener mir nach dem Leben trachte, und man hatte mir nahegelegt, zum Zeitpunkt von dessen Haftentlassung mal für eine Weile zu verschwinden. Inzwischen war ich viele Male hier und gehöre zur Familie, wie man so sagt.

Schon am ersten Abend wurde mir klar, was vor allem ich hier suche und finde: Stille. Als ich gegen 22 Uhr noch einmal auf den Balkon hinaustrat, hörte ich die Rufe eines Käuzchens aus dem nahen Wald, sonst nichts. Ich ging früh zu Bett und schlief mit zwei Pinkelunterbrechungen bis fast 10 Uhr am nächsten Vormittag. Wann habe ich zum letzten Mal so lange und gut geschlafen? Und vor allem ohne Ohrstöpsel. … weiter

Clipart oben links von OpenClipart-Vectors auf Pixabay
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21. Mai 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 28: Der Wert des Menschen · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , , , , ,

Tagebuch

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 28

Der Wert des Menschen

In Verlängerung der Thesen von Michel Houellebecq (siehe Teil 27) könnte man sagen, dass auch das Maskentragen und vor allem das Geschehen unter den Masken eigentlich nichts Neues ist. In den Echokammern und Filterblasen, in denen sich eine gleichgeschaltet-aufgeregte Pseudo-Öffentlichkeit seit Jahren eingeschlossen hat, atmen deren Bewohner permanent ihre eigenen toxischen Exhalate von neuem ein. Die Leute schaffen sich ihre eigenen Parallelwelten, in denen sie unter sich bleiben und kommunikative Inzucht treiben.

„Genauso isses!“, ruft der Facebook-Nutzer aus, wenn ihm seine eigene Meinung tausendfach als Echo entgegenschallt. Jens Berger schrieb schon vor etlichen Jahren, die zeitgenössische Form des Stammtisches seien die sozialen Netzwerke. Unter Gegenöffentlichkeit hatten wir uns 68ff eigentlich etwas anderes vorgestellt. … weiter

Tagebuch oben links: Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay
Bild rechts von Shameer Pk auf Pixabay 


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